Vor 137 Jahren erfunden

Das erste Motorboot der Welt stammt aus Baden-Württemberg

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Nicht nur zu Lande, sondern auch zu Wasser: In Baden-Württemberg wurde nicht nur das Automobil erfunden, sondern auch das erste Motorboot.

Stuttgart - Die Schifffahrt ist zwar vor allem in Norddeutschland, mit großen Häfen in Hamburg oder Bremerhaven, besonders wichtig. Das erste motorisierte Boot weltweit schipperte allerdings auf dem Neckar, in Baden-Württemberg. Oftmals wird angegeben, dass Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Carl Benz zusammen (aber nicht gemeinsam) den Grundstein für das erste Automobil legten. Das ist zwar auch durchaus korrekt, Daimler und Maybach verwendeten ihren entwickelten Ottomotor aber nicht nur im ersten vierrädrigen Kraftfahrzeug der Weltgeschichte, sondern in so ziemlich jedem damals verfügbaren Fortbewegungsmittel.

Das erste Motorboot der Welt schipperte im Jahr 1886 über den Neckar in Cannstatt, heute Teil Stuttgarts.

So kam es, dass neben dem ersten Automobil der Welt auch die weltweit erste motorisierte Straßenbahn ihren Ursprung in Baden-Württemberg hat. Und eben das erste Motorboot, das im August 1886 ohne Segel und ohne rudernde Mannschaft den Neckar in Cannstatt, dem heutigen Stadtdteil der Landeshauptstadt Stuttgart entlang schipperte. Das legendäre Logo von Mercedes-Benz, der Mercedes-Stern, symbolisiert mit seinen drei Zacken übrigens noch immer der Vision von Gottlieb Daimler, die Motorisierung zu Wasser, zu Lande und zu Luft voranzutreiben.

Benzinmotor „Standuhr“ von Daimler und Maybach als Grundlage für das erste Motorboot

Der Ursprung des ersten Motorbootes ist, wie auch der Ursprung des ersten Automobils, die Vision Gottlieb Daimlers, kleine und schnell laufende Verbrennungsmotoren zu entwickeln, die in Fahrzeugen aller Art eingebaut werden konnten. Das verwirklichten der schwäbische Pionier und sein Freund und Mitentwickler Wilhelm Maybach mit der sogenannten „Standuhr“, dem ersten schnell laufenden Benzinmotor der Welt. Mit diesem Motor rüstete Daimler im Jahr 1886 drei unterschiedliche Boote aus, die die Namen „Neckar“ für das größte, „Rems“ für das mittlere und „Schwaben“ für das kleinste trugen.

Das erste Motorboot der Weltgeschichte fuhr im Jahr 1886 über den Neckar in Cannstatt, heute Teil Stuttgarts.

Bis zum damaligen Zeitpunkt konnte ein Boot oder Schiff nicht ohne Segel oder Muskelkraft angetrieben werden, weshalb die Verwunderung über die drei motorisierten Boote auf dem Neckar wohl nicht unerheblich war. In einem Blogeintrag des Automuseums Stuttgart wird berichtet, dass die Vorbehalte gegenüber der neuartigen Kraftmaschine damals aber so groß waren, dass Daimler den Eindruck erwecken wollte, die Boote würden elektrisch betrieben werden.

Das erste Motorboot der Weltgeschichte war kein Einzelstück, sondern ging 1888 in die Serienproduktion.

„Der Motor wurde bei diesem ersten Boot, das auch tagsüber mit elektrischen Isolatoren und Drähten versehen wurde, um nicht bekannt werden zu lassen, dass es mit Benzin betrieben wurde, täglich aus- und einmontiert“, wird Gottlieb Daimlers Sohn Paul Daimler in dem Eintrag zitiert. Das Patent meldete der Konstrukteur am 9. Oktober 1886 an, im Gegensatz zur bereits genannten ersten motorisierten Straßenbahn, blieb es bei den ersten Motorbooten nämlich nicht bei Einzelstücken. Ein Einzelstück, die für Otto von Bismarck gebaute „Marie“ (1888), steht heute allerdings im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Daimler-Benz baute noch bis in die 1920er Jahre motorisierte Boote

Nach der erfolgreichen Patentanmeldung und der ebenso erfolgreichen Jungfernfahrt auf dem Neckar begann im Jahr 1888 nämlich die Serienfertigung der Daimler-Motorboote. Das Unternehmen baute dafür eine eigene Werft in Cannstatt, die Bootsrümpfe wurden jedoch von Bootsbauern angeliefert, in die bei Daimler die Motoren und Antriebsanlagen verbaut wurden. Die Motorboote entwickelten sich schnell zum Erfolg und wurden nach öffentlichen Vorführungen in Hamburg, auf dem Bodensee und auf Sizilien sogar bis zum Sultan von Marokko geliefert.

Für die Serienproduktion der ersten Motorboote errichtete Daimler eine eigene Werf am Neckarufer in Cannstatt.

Beinahe parallel hatte auch Benz & Cie. das Unternehmen von Carl Benz mit der Produktion von Motorbooten begonnen. Nach der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) mit Benz & Cie. zu Daimler-Benz, dem wirklichen Vorläufer des heutigen Weltkonzerns, produzierte der Konzern noch bis in die 1920er Jahre weiter Boote mit Verbrennungsmotoren. Wenig später übrigens auch bereits unter dem Markennamen Mercedes-Benz. Ganz aufgegeben hat der schwäbische Autobauer die Bootsproduktion auch in modernen Zeiten nicht. Im Jahr 2016 präsentierte Mercedes eine motorisierte Luxusyacht für stolze 2,5 Millionen Euro.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG/Mercedes-Benz Classic Archive

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