VonJulia Müllerschließen
Familie Bühr gibt ihre Bäckerei und ihr Café am Gmünder Marktplatz 13 an Arian und Anja Röhrle weiter. Das Paar wird das Lokal erweitern.
Schwäbisch Gmünd
Familie Bühr gibt ihr Café Bühr's am Gmünder Marktplatz Ende des Monats auf. „Mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, erzählt Brigitte Bühr. Weinend, weil sie und ihr Mann Kurt viel Herzblut in das Café gesteckt haben, das sie vor etwa 27 Jahren am Marktplatz 13 eröffnet hatten. Und weil ihnen in dieser langen Zeit so mancher Stammkunde ans Herz gewachsen ist. Das lachende Auge hat die 70-Jährige, weil es ihr und ihrem 73-jährigen Mann nun krankheits- und altersbedingt schon eine Erleichterung ist, nur noch den Stammsitz der Bäckerei und des Cafés in der Hauptstraße und die Filiale in der Gmünder Straße in Heubach zu führen. Beide Standorte in Heubach werden sie bis auf Weiteres wie gewohnt weiterbetreiben. Wichtig war Brigitte und Kurt Bühr und deren Tochter Sabrina Gras, dass ihr Gmünder Café in gute Hände kommt und die vier festen Mitarbeiter und die Aushilfen übernommen werden.
Ihr Wunsch ging auf: Der Hotelfachmann Arian Röhrle und seine Frau Anja, die im Marketing arbeitet, übernehmen das Café ab 1. Mai, beschäftigen alle Mitarbeiter weiter und belassen sogar den Namen Café Bühr's. Selbst bei den Backwaren müssen sich Stammkunden nicht umstellen. Diese werden die neuen Eigentümer von der Bäckerei Bühr's aus Heubach beziehen.
„Wir wollen den Charme des Café Bühr's bewahren und gleichzeitig als neue Gastgeber frischen Wind in die Innenstadt bringen“, betont Arian Röhrle. So werden er und seine Frau das bisherige Angebot erweitern: Das neue Bühr's werde ab 1. Mai sieben Tage in der Woche bis in die Abendstunden geöffnet sein, kündigt der 33-Jährige an. So soll aus dem Café eine Bistro-Bar mit französischem Flair werden. Morgens gebe es dort wie gewohnt Frühstück, danach Mittagstisch, Kaffee und Kuchen, und auch abends sollen die Gäste dort verköstigt werden, unter anderem mit Antipasti, vegetarischen und leichten Speisen. „Mit der Erweiterung der Öffnungszeiten bieten wir den Gmündern einen fabelhaften Platz in der Sonne auf dem Marktplatz und direkt an der Johanniskirche“, lädt die 35-Jährige ein. Einen besonderen Fokus will das Ehepaar auf Aperitif und Wein legen und so auch einen Hauch von Großstadtflair nach Schwäbisch Gmünd bringen.
Das Café wird erweitert
Anja und Arian Röhrle stammen beide aus Schwäbisch Gmünd und haben die vergangenen 15 Jahre im Ausland verbracht: London, Paris, China, zählt Arian Röhrle Stationen auf, der zuletzt Hoteldirektor im Seehotel Schlierseer Hof war. „Mit der Geburt unserer Kinder haben wir uns gefragt, wo es am schönsten ist“, erzählt er. Die Antwort war schnell klar: „in Schwäbisch Gmünd“. Daher sind die beiden mit ihrer vierjährigen Tochter und ihrem zweijährigen Sohn nach Schwäbisch Gmünd gezogen und freuen sich, ein Lokal in so zentraler Lage am Marktplatz gefunden zu haben, das auch noch Erweiterungspotenzial hat. Denn zusätzlich zum bisherigen Café haben die neuen Betreiber die angrenzenden Räume des früheren Juweliergeschäfts Richtung Johannisplatz angemietet. Sobald der Betrieb laufe, werde sich zeigen, inwieweit die Wirte dort die Küche erweitern oder neue Plätze fürs Bistro schaffen werden. Der Umbau, bei dem der Denkmalschutz zu wahren sei, soll noch in diesem Jahr laufen, sagt der Hotelfachmann: „Bis zur Glühweinzeit wollen wir fertig sein.“
Kurt und Brigitte Bühr und Sabrina Gras sind gespannt, wie es wird. Sie werden sicher ab und zu vorbeischauen und dann hoffentlich den ein oder anderen Stammkunden wiedersehen, sagt die 70-Jährige. Zum Abschied wollen die drei den Kunden bereits an diesem Samstag, 22. April, ein Glas Sekt und eine Kleinigkeit ausgeben, kündigt sie an.
Stadtverwaltung verhindert Leerstand
Den Kontakt zwischen Familie Bühr und Familie Röhrle hat Wirtschaftsförderer Alexander Groll vermittelt. Arian Röhrle habe sich fürs das Lokal M7 am Marktplatz 7 beworben, erzählt er. Weil sich dafür mehrere gute Kandidaten interessiert hatten, sei dieser nicht zum Zug gekommen. Doch als Familie Bühr angekündigt hatte, ihr Café aufzugeben, hat Alexander Groll dem Ehepaar Röhrle diesen Standort am Marktplatz 13 vorgeschlagen. Um zu verhindern, dass das Café Bühr's an so zentraler Stelle in der Innenstadt ein Leerstand wird, miete die Stadtverwaltung die Räume zunächst an, erklärt Alexander Groll das Leerstandsmanagement der Stadt. In der Anfangszeit übernehme die Stadt einen Teil der Miete. Die Mittel stammen zu Zweidritteln aus dem Förderprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren, ein Drittel bezahle die Stadt selbst. Ab 30. Juni 2024 gehe der Mietvertrag auf den Wirt über.
