Klimaneutrales Keramikwerk

„Nicht wirtschaftlich“: Traditionshersteller aus Baden-Württemberg entscheidet sich gegen Standort Deutschland 

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Keramikhersteller Duravit hat sich gegen den Standort Deutschland entschieden und baut ein innovatives Werk in Kanada. Dort sollen rund 240 Arbeitsplätze entstehen.

Hornberg/Matane - Weil in der Autoindustrie immer mehr Arbeitsplätze ins europäische Ausland verlagert werden, kämpft die IG Metall derzeit um den Standort Baden-Württemberg und konnte in den vergangenen Wochen einige Siege verbuchen. Dass Deutschland als Produktionsstandort ein teures Pflaster ist, ist allerdings kein Geheimnis. Laut Stihl-Beiratschef Nikolas Stihl ist Deutschland „sogar teurer als die Schweiz“. Das macht sich auch außerhalb der Metall- und Elektroindustrie bemerkbar, aktuell beispielsweise beim traditionsreichen Keramikhersteller Duravit mit Hauptsitz in Hornberg im Schwarzwald.

Wie das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg am 17. Juli in einer Pressemitteilung erklärte, habe man in der kanadischen Region Québec mit dem Bau des weltweit ersten klimaneutralen Keramikwerkes begonnen. Keramische Sanitärprodukte wie WC-Tische oder Waschbecken sollen dort ab 2025 ausschließlich mit erneuerbaren Energien produziert werden. Gegen den Standort Deutschland hat sich das Unternehmen bewusst entschieden, da eine CO₂-neutrale Keramikproduktion zum derzeitigen Stand im Heimatland nicht umsetzbar ist. Ein US-Autozulieferer hatte jüngst auch Arbeitsplätze nahe Baden-Württemberg ins Ausland verlagert.

Duravit setzt bei Standort für Zukunftswerk auf Kanada – „In Deutschland nicht wirtschaftlich darstellbar“

Das Unternehmen Duravit wurde bereits im Jahr 1817 im baden-württembergischen Hornberg (Ortenaukreis) gegründet und ist vorrangig für keramische Sanitärprodukte wie Waschbecken, Badewannen, Dusch-WC oder Armaturen bekannt, produziert seit 1992 im ebenfalls baden-württembergischen Schenkenzell (Kreis Rottweil) aber auch Badmöbel. Obwohl das Unternehmen mehrere internationale Standorte betreibt, ist Durvavit nach wie vor in Deutschland verwurzelt, für das Zukunftswerk entschied man sich aber bewusst gegen den Standort. „Stand heute ist es in Deutschland nicht wirtschaftlich darstellbar, die Technologie zu entwickeln und einzusetzen, die notwendig ist, um im Jahr 2045 wirklich CO₂-neutral zu sein“, sagte Duravit-Canada-CEO Christian Gilles.

Name Duravit AG
Gründung 1817
Hauptsitz Hornberg, Baden-Württemberg
Branche Sanitärtechnik
Produkte Badezimmerkeramik, Möbel, Badewannen, Duschen, Armaturen, Spiegel, Toiletten, Waschbecken, Accessoires
Leitung Stephan Patrick Tahy
Mitarbeiter rund 7.000 (2022)
Umsatz 604 Millionen Euro (2022)

Im Gegenzug erhielt das Unternehmen am gewählten Standort im kanadischen Matana laut Mitteilung weitreichende Unterstützung für die Ansiedlung des Werkes. Demnach unterstützt die kanadische Regierung das Projekt mit finanziellen Mitteln in Höhe von 19 Millionen kanadischen Dollar (ca. 13 Millionen Euro) aus dem Programm „Croissance économique régionale par l’innovation (CERI)“ und die Provinzregierung von Québec beteiligt sich mit 11 Millionen kanadischen Dollar (rund 7,5 Millionen Euro) aus dem Programm ESSOR. In dem innovativen Werk sollen im finalen Ausbaustand Keramikkomponenten in elektrischen Rollöfen gebrannt werden, die mit Strom aus Wasserkraft betrieben werden.

Quebec statt Schwarzwald: Kanada profitiert von Duravit-Ansiedlung – „Qualitativ hochwertige Arbeitsplätze“

Die Ansiedlung des Duravit-Werkes in Nordamerika ist ein weiteres Indiz dafür, dass Deutschland als Produktionsstandort zunehmend an Bedeutung verliert und somit auch immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland wandern. Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer baut aktuell beispielsweise ein Werk in Bulgarien. Statt Deutschland oder die Heimatregion Baden-Württemberg profitieren im Falle von Duravit eben Kanada beziehungsweise die Region Québec von dem neuen Werk. „Die heute angekündigte umfangreiche Subventionierung wird nicht nur qualitativ hochwertige Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die gesamte wirtschaftliche Entwicklung der Halbinsel ‚La Gaspésie‘ ankurbeln“, sagte Diane Lebouthillier, Parlamentsabgeordnete für die Region Gaspésie-Îles-de-la-Madelaine und Ministerin für nationale Einnahmen.

Traditionshersteller Duravit hat mit dem Bau eines klimaneutralen Keramikwerks in Kanada begonnen und will dort Arbeitsplätze schaffen.

Auch der kanadische Wissenschaftsminister zeigte sich von der Ansiedlung des Traditionsunternehmens aus Baden-Württemberg in der Region Québec erfreut. „Diese Investition passt nicht nur zu unserer wirtschaftlichen Vision einer grüneren Zukunft, sondern ermöglicht es auch, gute Arbeitsplätze in der Region zu schaffen und gleichzeitig die Position sowie den Ruf Kanadas als grüner Energielieferant erster Wahl zu stärken“, sagte François-Philippe Champagne. „Die Bedingungen für uns als energieintensive Industrie sind in Kanada deutlich besser als in Deutschland“, erklärte auch Christian Gilles. „Deshalb müssen wir die Entwicklung für die Zukunft erst einmal dort ansiedeln.“

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

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