VonMichael Längeschließen
Parteien und Listen führen erste Gespräche mit möglichen Interessenten für eine Mitarbeit im Gemeinderat.
Schwäbisch Gmünd
Die Parteien und Listen, die nach der Kommunalwahl 2024 im Gemeinderat vertreten sein wollen, haben mit der Suche der Kandidaten begonnen. „Schon vor einigen Wochen“, fügen Alfred Baumhauer und David Sopp für die CDU hinzu. Sie arbeiten mit den CDU-Ortsverbänden zusammen. Die Suche nach Kandidaten, die ein „breites Spektrum der Bürgerschaft abdecken“ soll, laufe in etwa wie vor fünf Jahren. Einfach sei sie nie, da dieses „zeitintensive, verantwortungsvolle Ehrenamt“ oft mit dem Beruf nicht zu vereinen sei. Baumhauer und Sopp bedauern dies, denn „dadurch ist der größte Teil der Bürgerschaft, der 'normal arbeitende'“, in der Regel im Rat unterrepräsentiert. Dennoch betonen Baumhauer und Sopp, dass sie bereits in allen Stadtteilen geeignete Kandidaten gefunden hätten. Durch den Wegfall der unechten Teilortswahl hätten sie Spielraum gewonnen, „weil die maximale Zahl an Kandidaten aus einem Teilort nicht mehr limitiert ist“.
Auch B 90 / Die Grünen haben mit der Suche nach Kandidaten begonnen, die „die Vielfalt unserer Stadtgesellschaft repräsentieren“. Die Suche sei schwierig und einfach. Einerseits gebe es ein „großes Potenzial an engagierten Bürgern“, andererseits strebten die Grünen eine „ausgewogene Geschlechterverteilung“ an. Frauen, die Bedenken haben, wollen sie deshalb Unterstützung anbieten. Der Wegfall der unechten Teilortswahl ermögliche, „gezielt“ nach Kandidaten zu suchen, die sich für alle Stadtteile einsetzen. Der Gemeinderat, sagen die Kreisvorsitzenden Sabine Zilligen und Dario Thiem, soll das gesellschaftliche Stadtbild repräsentieren und Ökologie, Ökonomie und Soziales berücksichtigen.
Als „herausfordernd“ bezeichnet Gmünds SPD-Vorsitzender Felix Unseld die Kandidatensuche. Diese laufe seit einiger Zeit, die SPD freue sich aber auch, wenn interessierte Bürger sich melden. Die Sozialdemokraten wollen eine Liste aufstellen, die „einen Querschnitt durch die Gesellschaft und die Stadt“ bildet. Die Abschaffung der unechten Teilortswahl habe sicher Auswirkungen, doch die SPD halte am Ziel fest, „gute Kandidierende in allen Teilorten zu finden“.
Ohne Unterstützung der Partei Die Linke tritt die Fraktion „sozial.ökologisch.links“ (söl) bei den Kommunalwahlen an. Die Suche habe vor geraumer Zeit begonnen, sagt Fraktionssprecher Sebastian Fritz. Positiv werde aufgenommen, dass die Liste „parteiunabhängig“ sei. Auch gebe es „sehr positive Signale“ und „einige konkrete Zusagen“. söl werde wie vor fünf Jahren wieder eine volle Liste mit Kandidaten aus den Stadtteilen und der Innenstadt haben.
Als „schwierig“ bezeichnet der Sprecher der Fraktion Bürgerliste (BL), Ullrich Dombrowski, die Suche. Die Bereitschaft der Bürger, sich zu engagieren, sei geringer als vor fünf Jahren. Durch Corona sei eine Biedermeier-Mentalität entstanden: „Man kümmert sich um sich selbst und weniger um die Gemeinschaft.“ Dombrowski nennt auch die „politische Großwetterlage“. Es fehle eine klare stringente Orientierung. Trotzdem ist er optimistisch, dass es gelingt, eine Liste aufzustellen.
Dass die Pandemie „Spuren hinterlassen“ hat, sieht auch Karin Rauscher so. Viele Menschen bewegten sich mehr in ihrem engeren Umfeld, sagt die Sprecherin der Fraktion Freie Wähler Frauen (FWF). Für kleinere Gruppierungen sei es mit dem Wegfall der unechten Teilortswahl „durchaus von Vorteil, nicht in jedem Teilort“ Kandidaten suchen zu müssen. Dennoch würden nicht nur in der Kernstadt Kandidaten gesucht.
Die Verbindung FW / FDP halte „stets die Augen nach geeigneten Kandidaten offen“, sagt Dr. Peter Vatheuer. Die Resonanz auf Anfragen sei positiv. Gleichzeitig stellt Vatheuer eine „zunehmende Reserviertheit gegenüber dem Ehrenamt“ fest. FW / FDP sehe Stadträte als „Vertreter der Gesamtstadt“. Deshalb sei es nicht relevant, ob die Person in der Kernstadt oder in einem Teilort lebe.
Zu den Kommunalwahlen 2019 und 2024
Die letzte Kommunalwahl in Baden-Württemberg war am 26. Mai 2019. In Gmünd sind 52 Stadträte in sechs Fraktionen und einer Gruppierung gewählt worden. Die nächste Kommunalwahl ist im Frühjahr 2024. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Gmünds jetziger Gemeinderat hat für den nächsten Gemeinderat die unechte Teilortswahl abgeschafft. Damit hat der Gemeinderat nur noch 40 Sitze. Für eine Übergangszeit von zehn Jahren haben die Stadträte entschieden, dass das Gremium 48 Stadträte haben wird. Im Gemeinderat sind CDU, Grüne, SPD, söl, Bürgerliste und FWF als Fraktionen vertreten. Die Verbindung Freie Wähler / FDP hat zwei Sitze. mil
