VonJulia Müllerschließen
Die Esel Caesar und Paula verbringen die nächsten vier Wochen in der lebendigen Krippe. Landwirt Rainer Kinkel erzählt, warum Besucher sie nicht füttern und ärgern sollten.
Schwäbisch Gmünd. Für viele sind sie DIE Stars des Gmünder Weihnachtsmarkts: die Esel in der lebendigen Krippe auf dem Johannisplatz. Bevor sie am Mittwoch, 22. November, ihre Reise nach Schwäbisch Gmünd antreten, haben wir sie in ihrem Zuhause besucht: auf dem Bauernhof von Rainer Kinkel in Bonholz bei Alfdorf.
Dort stehen Paula und Caesar im Stall. Die Zehnjährige kommt sofort näher, wenn jemand die Scheune betritt, und streckt ihm ihre Nase neugierig entgegen. Caesar folgt ihr langsam nach. Er hat mit seinen 25 Jahren die Ruhe weg. Die beiden sind Menschen gewöhnt, erzählt Rainer Kinkel, warum er sie für den vierwöchigen Auftritt in der lebendigen Krippe ausgewählt hat. Und nicht die jungen Hengste Frieder oder Lukas, die Besucher in ihrem Stall lautstark begrüßen.
Vom Palmesel in die Krippe
Caesar war schon oft auf dem Gmünder Weihnachtsmarkt dabei. Meist zusammen mit Mirella, an die sich viele Besucher wegen ihrer weiblichen Rundungen erinnern. Sie hatte im Frühjahr einen Schlaganfall, erzählt Rainer Kinkel. Der Tierarzt konnte nichts mehr für sie tun. So hat Caesar dieses Jahr Paula an seiner Seite. Auch sie hat bereits Erfahrung im Zusammenspiel mit „Jesus“: Im April zog sie zusammen mit ihm als Palmesel bei den Passionsspielen auf dem Schönblick ein. Seelenruhig vor Hunderten von Zuschauern.
Auch wenn seine Esel Trubel gewohnt sind, sollte man sie nicht ärgern, ruft Rainer Kinkel die Besucher des Weihnachtsmarktes auf. Denn „das sind Tiere – und die können auch beißen“. Esel seien willensstark und zeigten deutlich, ob sie gerade gestreichelt werden wollen oder nicht. Und wenn sie ihre Ruhe brauchen, gehen sie einfach in den Stall, in dem sie auch die Nächte verbringen.
Bitte nicht füttern und ärgern
Weihnachtsmarktorganisator Robert Frank von der Touristik & Marketing GmbH und ein Team aus Ehrenamtlichen versorgen die Tiere mit Wasser, Heu und auch mal mit Äpfel und Karotten. Rainer Kinkel bittet die Besucher, sie auf gar keinen Fall mit Brötchen, Wurst und dergleichen zu füttern. Davon können sie Koliken bekommen und sogar sterben. Selbst frisches Gras auf der Weide könne den Tieren im Frühling wegen des hohen Eiweißgehalts gefährlich werden.
Dort sind die Esel je nach Witterung ab Februar oder März und bis Oktober zusammen mit den Mutterkühen, die Rainer Kinkel im Nebenerwerb hält. Die verstehen sich prima, erzählt er. Außer wenn Leckerlis im Spiel sind: Dann zeigt sich, wie durchsetzungsstark die Esel sind, die es dann sogar mit dem Deckbullen aufnehmen, der 1000 Kilo wiegt und damit über fünf mal so viel wie ein Esel.
Während Rainer Kinkel das Fleisch seiner rund 40 Kühe und 30 Schweine als Metzger vermarktet, sind die vier Esel sein Hobby.
Esel: schönes und teures Hobby
Caesar war sein erster Esel. Sein früherer Besitzer habe nicht mehr für das Futter und den Tierarzt aufkommen können, übers Jahr kämen da schnell bis zu 1000 Euro Kosten zusammen. Darum hat er sich damals an den Landwirt aus Bonholz gewandt. Rainer Kinkel mochte Esel schon immer und nahm Caesar zu sich. Es folgte Mirella, die mit ihrem Geschrei ihren Nachbarn in einem Wohngebiet in Wetzgau auf den Keks gegangen war. Und Paula, deren Besitzer bald das Interesse an ihr verloren hatte. Das kann Rainer Kinkel nicht verstehen. Wenn es nach ihm geht, darf seine Eselherde gerne auf natürliche Weise noch ein bisschen wachsen. Ob Paula und einer seiner Hengste das auch so sehen, wird sich im kommenden Jahr zeigen.
Wer das Zuhause der Esel besuchen will, hat bei der Hofweihnacht am Samstag, 2. Dezember, im Bonholz 6 in Alfdorf-Bonholz Gelegenheit. Familie Kinkel bietet dort ab 14 Uhr unter anderem Glühwein, Würstchen und Punsch an.
Der Gmünder Weihnachtsmarkt läuft vom 23. November bis zum 21. Dezember in der Innenstadt. Die lebendige Krippe steht auf dem Johannisplatz vor dem Café Margrit.

