Betriebsrätepreis 2023

ZF-Betriebsrat verhindert Werksschließung und Stellenabbau im Ahrtal

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Der Betriebsrat des Standorts der ZF Friedrichshafen im Ahrtal hat das Werk vor der Schließung bewahrt und Arbeitsplätze gesichtert. Dafür wurde er mit einem Preis ausgezeichnet.

Friedrichshafen/Ahrweiler - Der Projektname wirkt nüchtern und sachlich: „Neustart nach der Flut“. So wurde das Projekt des Betriebsrats des Autozulieferers ZF Friedrichshafen am Standort Ahrweiler benannt, das nun in Bonn mit dem Deutschen Betriebsräte-Preis in Silber geehrt wurde. Die Katastrophe, die dem Titel zugrunde liegt, traf die Bewohner des Ahrtals mit einer existenziellen Gewalt: Über 40.000 Menschen waren direkt von der Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 betroffen. Fast die Hälfte von ihnen verlor Hab und Gut, Familienmitglieder oder Freunde.

Auch für den Autozulieferer ZF Friedrichshafen in Ahrweiler hatte die Flut verheerende Folgen. Das Wasser stand über drei Meter hoch in der Fabrik. Autos, Wohnwagen, Tanks und Bäume wurden durch die Produktionshalle gespült. Das Werk, in dem etwa 280 Mitarbeiter beschäftigt sind, wurde vollständig überflutet. Alle Anlagen wurden zerstört.

ZF-Betriebsrat wehrt sich gegen Pläne des Konzerns – „Mit Ergebnis, das sich mehr als sehen lassen kann“

„Eure Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie aus Schockstarre, wie aus persönlichen und beruflichen Ängsten, Zuversicht, Mut und Kraft erwachsen kann“, sagte Ralf Reinstädtler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, in seiner Laudatio in Bonn, laut einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. „Durch euer Herzblut, durch euer leidenschaftliches Engagement und unsere Superkraft Solidarität, habt ihr erreicht, dass euer Betrieb heute noch existiert. Darauf könnt ihr mehr als stolz sein.“

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Leitung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 164.869 (Stand: 2022)
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte19 in neun Ländern

Dass ZF in Ahrweiler weiterhin besteht, schien lange Zeit unwahrscheinlich. Denn nach dem Schock der Flutkatastrophe kam eine weitere schlechte Nachricht: ZF gab bekannt, das Werk in Ahrweiler nicht wieder aufbauen zu wollen. Stattdessen sollte der Betrieb in ein Schwesterwerk nach Koblenz verlegt werden.

Gegen diese Pläne wehrte sich der Betriebsrat gemeinsam mit den Mitarbeitern: Es gab Proteste, laute Proteste. Politik, Medien und Öffentlichkeit wurden informiert. Selbstverständlich wurde auch der Gesamtbetriebsrat einbezogen. „Euer Protest und die Solidarität, die ihr organisiert habt, haben Früchte getragen und den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch geholt“, so Ralf Reinstädtler. „Mit einem Ergebnis, das sich mehr als sehen lassen kann.“

Standort der ZF Friedrichshafen bleibt im Ahrtal, mit Beschäftigungsgarantie bis 2026

Der Betriebsrat hat erreicht, dass in der Umgebung nach möglichen neuen Standorten für den Wiederaufbau gesucht werden musste. Durch diese Vereinbarung wurden mehrere Grundstücke in der näheren Umgebung gefunden. Schließlich wurde ein Grundstück in Brohltal bevorzugt. Das Verhandlungsergebnis beinhaltet neben dem Neubau eine Beschäftigungsgarantie bis Mitte 2026.

Der ZF-Betriebrat am Standort Ahrweiler hat die Schließung verhindert und Arbeitsplätze bewahrt (Symbolbild)

„Ohne euch hätte es diesen Neustart für euch und die Kolleginnen und Kollegen so nicht gegeben“, so Ralf Reinstädtler. „Ihr habt den Kolleginnen und Kollegen nicht nur eine Perspektive für die Zukunft gesichert. Ihr habt für Sicherheit in einer sehr schweren Zeit gesorgt.“

Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung vom Redakteur Julian Baumann sorgfältig überprüft.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Gstettenbauer

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