- VonCornelia Villanischließen
Will ein Kind künftig aufs Gymnasium, muss es dorthin empfohlen werden. Oder den neuen "Potenzialtest" am 18. Februar bestehen. Was Gymnasialrektoren aus Aalen und Schwäbisch Gmünd dazu sagen.
Schwäbisch Gmünd/Aalen. Wer ein Kind in der vierten Klasse hat, erlebt eine besondere Zeit. Das Land hat die Art der Empfehlung für die weiterführende Schule geändert. Am 18. Februar stehen die sogenannten Potenzialtests an den Gymnasien an.
„Wir haben noch keinerlei genaue Info über den Test“, sagt Bernd Gockel, Rektor des Scheffold-Gymnasiums. Als geschäftsführender Rektor der Gmünder Gymnasien hat er vorbereitend entschieden, welche Grundschüler den Potenzialtest an welchem Gymnasium schreiben. Was nicht bedeutet, dass das Kind dann auch auf diese Schule gehen muss – das sei nur eine Festlegung im Ablauf.
"Die üblichen Verdächtigen": Deutsch, Mathe, logisches Denken
Wie der Test selbst aufgebaut ist, weiß Gockel noch nicht. „Ich bin sehr gespannt auf das erste Format.“ Er wisse zumindest, dass der Text leicht zu korrigieren sei. „Da gibt es wohl einfach richtig und falsch.“
Sein Kollege vom Theodor-Heuss-Gymnasium in Aalen, Dr. Christoph Hatscher, zählt Deutsch, Mathematik und Aufgaben fürs logische Denken auf, „die üblichen Verdächtigen“. Der Test ist für alle Schulen derselbe – genauso wie beim Test, der im November an allen Grundschulen geschrieben wurde. Anders als dieser ist der Potenzialtest aber freiwillig (siehe Kasten).
Gmünder Rektor: keine Anmelde-Massen
Bernd Gockel rechnet nicht damit, dass sich Massen anmelden. „Vielleicht bis zu zehn Kinder pro Schule.“ Was er von der Anzahl der Grundschüler ableitet, die zu diesem Schuljahr ohne Empfehlung an ein Gmünder Gymnasium gewechselt sind. Das seien am Parlergymnasium und am Hans-Baldung-Gymnasium jeweils „zwischen fünf und zehn Kinder“. Am Scheffold gebe es in diesem Jahrgang niemanden ohne Empfehlung.
Gut 40 Prozent wechseln hierzulande aufs Gymnasium
Solche Zahlen für Aalen hat Christoph Hatscher zwar nicht parat. Er spricht aber von gut 40 Prozent, die in Aalen an ein Gymnasium wechseln. In Gmünd seien es ähnlich viele, sagt Gockel und nennt diesen Wert „harmlos“. In Stuttgart seien es über 50, in Heidelberg und Tübingen über 60 Prozent.
Kinder ohne Empfehlung tun sich schwer
Hatscher sagt aber auch: „Wir haben wenig davon, wenn wir zunehmend Schüler haben, die überfordert sind.“ Gockel ergänzt: „Kinder, die ohne Empfehlung aufs Gymnasium gehen, haben sich in der Vergangenheit zum Großteil schwergetan.“
Aalener Rektor: Nicht jedes Kind fürs Abitur geeignet
Dann ist an einem gewissen Punkt der Gesprächsbedarf hoch. Und der koste Lehrkräften und Schulleitung viel Zeit und Kraft, sagt Hatscher. Und betont: „Die Kinder leiden furchtbar.“ Nicht jeder sei für das Abitur geeignet.
„Und das ist auch überhaupt nicht schlimm“, sagt er, dafür gebe es die unterschiedlichen Schulformen. Die ja auch miteinander verzahnt seien.
Das halten die Rektoren vom neuen Verfahren
Was halten die beiden Schulleiter vom neuen Verfahren? „Ich finde das Ansinnen an sich gut, in Ruhe auf ein Kind draufzuschauen“, sagt Rektor Gockel. „Mithilfe der Dauerbeobachtung durch die Lehrkräfte und mit einem wissenschaftlichen Test, der die kognitiven Fähigkeiten abfragt.“
Christoph Hatscher meint: „Wenn der Test gut austariert ist, habe ich damit pädagogisch kein Problem.“ Eine vergleichbare Testung könne Dinge verbessern: „Ich nehme wahr, dass sich Grundschulen mit angeschlossener Gemeinschaftsschule sehr vorsichtig in Richtung Gymnasium aussprechen.“
Test am Gymnasium: "Erster Schritt in diese Richtung"
Auch dass ein Grundschulkind für den Test ans Gymnasium kommen muss, hebt Hatscher hervor. Für die Zehnjährigen sei der Übergang ohnehin nicht einfach. „Wenn die Kinder sich jetzt schon hineintrauen, ist der erste Schritt in die Richtung gemacht.“
Potenzialtest an Gymnasien am 18. Februar - Anmeldung nötig
Bis Ende Januar informieren Lehrkräfte die Eltern über die Ergebnisse ihrer Kinder im „Kompass 4“-Test (wurde bereits an allen Grundschulen geschrieben).Auf dessen Grundlage – kombiniert mit der Einschätzung der Lehrkräfte – erfolgt bis zum 7. Februar eine Empfehlung, in welcher weiterführenden Schule das Kind am besten aufgehoben ist.Wer nicht aufs Gymnasium empfohlen wird, aber diese Schulart besuchen möchte, kann einen Potenzialtest am Gymnasium ablegen. Eltern haben nach der Empfehlung vier Schultage Zeit, um das Kind anzumelden.Der Potenzialtest findet an den Gymnasien am 18. Februar statt. Nachholtermin ist der 25. Februar.Wer diesen besteht, darf ein Gymnasium besuchen. Andernfalls ist diese Option ausgeschlossen.Viele Fragen werden auf der Internetseite des Ministeriums beantwortet: www.km.baden-wuerttemberg.de. cop