Angst vor der Mensch-Maschine

Schafft KI erst unsere Jobs und dann uns selbst ab? SAP-Chef mit klarer Haltung

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Die Angst, dass Künstliche Intelligenzen in Zukunft den Menschen überflüssig machen könnten, ist weit verbreitet. Der Chef von Europas größtem Softwarekonzern gibt Entwarnung.

Stuttgart/Walldorf - Künstliche Intelligenz (KI) wird seit langem eingesetzt, beispielsweise in der Automobilindustrie zur Steuerung der Roboter. Durch Anwendungen wie ChatGPT und andere ist die KI aber derzeit in aller Munde. Der von OpenAI entwickelte Chatbot bietet eine Vielzahl an Vorteilen, beispielsweise in der Medienwelt – so kann man unter anderem mit ChatGPT Bewerbungen schreiben. Die Angst geht derzeit jedoch um, dass die künstlichen Intelligenzen – die immer weiter entwickelt werden – künftig viele Tätigkeiten übernehmen werden, die aktuell von Menschen durchgeführt werden.

Tatsächlich gibt es Berufe, die durch Künstliche Intelligenz vom Aussterben bedroht sind. Für besonderes Kopfzerbrechen dürften die immer weiter entwickelten KI-Anwendungen bei den Software- und IT-Entwicklern sorgen. „Wir testen generative KI für die Softwareentwicklung, auch Softwaretests lassen sich automatisieren“, erklärte Christian Klein, Chef von Europas größtem Softwarekonzern SAP mit Hauptsitz in Walldorf (Baden-Württemberg), im Interview mit dem Handelsblatt. Dass KI-Anwendungen wie ChatGPT den Menschen vollkommen ablösen könnten, sieht der Manager dagegen nicht.

SAP-Chef: „Generative KI wird in allen Funktionen eines Unternehmens die Produktivität erhöhen“

Die oft titulierte Digitalisierung der Arbeitswelt wird unumgänglich Folgen für die Beschäftigten haben. Während bestimmte Berufe immer wichtiger werden, wird es andere schon bald nicht mehr geben. Dieser Umstand könnte durch KI-Anwendungen noch verstärkt werden, SAP-Chef Klein stellt jedoch auch die positiven Effekte in den Vordergrund. „Wir forschen schon einige Zeit daran und die ersten Ergebnisse sind verblüffend gut“, sagte er dem Handelsblatt. „Ich bin überzeugt: Generative KI wird in allen Funktionen eines Unternehmens die Produktivität erhöhen und man wird wahrscheinlich am Ende klügere Entscheidungen treffen.“

NameSAP (Systems, Applications and Products in Data Processing)
Gründung 1972
HauptsitzWalldorf, Deutschland
GründerDietmar Hopp, Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira
Branche Unternehmenssoftware, ERP-Systeme, Cloud Computing
Produkte SAP ERP, SAP S/4HANA, SAP SuccessFactors, SAP Ariba, SAP Concur, SAP Customer Experience, SAP Fieldglass, SAP HANA, SAP Analytics Cloud
Leitung Christian Klein, Vorstandssprecher
Mitarbeiter 111.961
Umsatz 30,9 Milliarden Euro (2022)

Eine Erhöhung der Produktivität bei SAP bedeutet aber offenbar ebenfalls, dass ganze Arbeitsschritte digitalisiert und automatisiert werden. „Aber natürlich werden wir auch künftig Entwickler beschäftigen, die vorgeben, was ein Programm können muss“, machte Klein jedoch deutlich. „Es braucht immer noch den Faktor Mensch.“ Wenn jedoch beispielsweise ein Entwickler einem Programm Aufgaben vorgibt, dieses Programm aber die Arbeit eines ganzen Teams erledigen kann, würden in Zukunft dennoch deutlich weniger Mitarbeiter benötigt. Das will Klein für den Softwarekonzern aus Baden-Württemberg aber nicht bestätigen. „Ich will nicht spekulieren, wie sich dies in Summe in Beschäftigtenzahlen ausdrückt“, sagte er.

KI wird laut SAP-Chef Klein niemals ein Unternehmen leiten können – „Da kommt es auf Empathie an“

Tesla-Chef Elon Musk, der selbst an ChatGPT-Entwickler OpenAI beteiligt ist, hatte im Mai gesagt, dass KI die Menschen in Zukunft kontrollieren könnte, um sie vor sich selbst zu schützen. Eines der wichtigsten Gegenargumente, dass Künstliche Intelligenz die Aufgabe von Menschen übernehmen könnten, ist die fehlende Empathie. „Wenn ein Vorstand ein Unternehmen transformiert, wie wir es bei SAP in den vergangenen Jahren getan haben, muss man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugen und Kunden mitnehmen“, sagte Christian Klein gegenüber dem Handelsblatt. „Da kommt es auf Empathie an – die hat Künstliche Intelligenz nicht.“

Laut dem Chef von Europas größtem Softwarekonzern SAP kann eine KI aufgrund des Mangels an Empathie niemals ein Unternehmen leiten. (Symbolfoto)

Dennoch werden KI-Anwendungen die Arbeitswelt in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Schraubengigant Würth will beispielsweise bis 2030 drei Viertel der Arbeit in der Logistik von Robotern ausführen lassen und somit einen Automatisierungsgrad von 75 Prozent erreichen. Dass beim Familienunternehmen aus Künzelsau dadurch Stellen abgebaut werden, wies Würth dagegen zurück. „Neue Berufsfelder werden entstehen, alte verschwinden“, machte auch SAP-Chef Klein deutlich. „Es braucht ein tiefes Verständnis des eigenen Fachs, auch künftig.“

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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