"Schattenreich": Museum mit besonderer Strahlkraft

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Neue Wechselausstellung im Schattentheatermuseum: im Bild von links Rainer Reusch, Tomas Sturm, Ralph Häcker und Anna Klamann. Foto: Tom
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 Mit einer Sonderausstellung erinnern die Initiatoren an das einjährige Bestehen des Schattentheater-Museums. Schon jetzt das Festival 2024 im Blick.

Schwäbisch Gmünd. Ein kleines Museum mit großer Anziehungskraft: Im „Schattenreich“, dem neuen Museum zum Thema Schattenspiel, nutzen manche Besucherinnen und Besucher die komplette Öffnungszeit von drei Stunden für ihren Rundgang. „Kurzbesuche von einer halben Stunde“, weiß Anna Klamann vom Kulturbüro der Stadt Schwäbisch Gmünd, „kommen eher selten vor. Innerhalb eines Jahres gehen 3000 Schatten-Interessierte aus und ein. Nicht nur aus der Region, auch Gäste aus München, Berlin oder der Schweiz sehen sich das Kleinod an.

Das schätzen Museums-Initiator Rainer Reusch wie Ralph Häcker, Leiter des Kulturbüros. Zum kleinen Jubiläum – vor zwei Jahren wurde das Museum eröffnet, vor einem Jahr der weitere Bauabschnitt fertig – präsentieren sie jetzt eine Sonderausstellung, die am Samstag, 7. Oktober, um 18 Uhr eröffnet wird. Regelmäßig will Rainer Reusch die Räume nutzen, um einzelne Bühnen und ihre Inszenierungen vorzustellen. Diesmal ist es das Ensemble „Puppet Players“, eine deutsch-englische Figurentheatergruppe, 1975 in London von Susanne Forster und Stefan Fichert gegründet. Das „Schattenreich“ zeigt die Arbeit der „Puppet Players“ am Beispiel der Inszenierung „Die Geschichte vom Soldaten“ nach einer Komposition von Igor Strawinsky. Der Text stammt vom Schweizer Dichter Charles-Ferdinand Ramuz und basiert auf einem Märchen. Auch in Schwäbisch Gmünd war das Stück schon einmal zu sehen: beim zweiten Internationalen Schattentheater Festival 1991 in Schwäbisch Gmünd.

Die Ausstellung führt Interessierte quasi hinter die Bühne. Zu sehen gibt’s viele Teile des Equipments, das auch für eine neue Form des Schattentheaterspiels steht. Moderne Materialien erlauben ein flüssigeres Spiel, Farben ziehen ein und anders als das klassische Schattentheater aus Fernost wird der ganze Bühnenraum ins Theaterspiel einbezogen. „Auch eine Folge der damals neu zur Verfügung stehenden Lichttechnik mit Halogenleuchten“, sagt Rainer Reusch.

Die Figuren selbst, so Anna Klamann, „sind auch ein beeindruckendes Beispiel für das Kunsthandwerk“. Viele seien aus Acrylglas gefertigt, das Beweglichkeit und Flexibilität ermögliche. Farben spielen eine große Rolle, Figuren tanzen vor Szenenbildern, zuvor nicht mögliche visuelle Effekte kommen jetzt ins Spiel.

Die Ausstellung steht für das wichtigste Anliegen des Museumsgründers Rainer Reusch. „Das fernöstliche Schattenspiel ist weltweit bekannt. Meine Aufgabe ist es, das zeitgenössische Schattenspiel zu befördern“, sagt er. In mehreren Büchern hat Rainer Reusch das Wissen ums Schattenspiel veröffentlicht, im November erscheint sein sechster Band, „mit Forschungsergebnissen aus 30 Jahren“, so Rainer Reusch.

Bis ins Detail geplant ist die aktuelle Ausstellung, die das Anliegen des Schattengurus verdeutlicht. Dafür hat er sich professionelle Unterstützung geholt. Museumsdesigner Tomas Sturm, der das „Schattenreich“ von Anfang an geplant hat, inszeniert diese Präsentation. Da erwachten die Figuren fast zum Leben, auf Bildschirmen sehen Besucherinnen und Besucher Szenen aus dem Stück, können durch eine Lupe an der gläsernen Schauwand auch das eigentlich winzige Hintergrundbild entdecken, das in der Inszenierung großformatig zu sehen ist.

Ausblick auf 2024: Ralph Häcker blickt schon aufs Schattentheater-Festival 2024. Gewöhnlich liegen drei Jahre zwischen den Festivals. Die Verschiebung wegen Corona - das letzte Festival war 2022 - wird jetzt wieder aufgeholt. Bis dahin soll der Gewölbekeller fertiggestellt sein, der dem Museum weitere Attraktivität bescheren kann. Dort stehen Sandtische für das Spiel mit Licht und Schatten; hier soll es 2024 auch Aufführungen geben.

Jubiläum und Öffnungszeiten

Die Ausstellung zum kleinen „Schattenreich“-Jubiläum wird am Samstag, 7. Oktober, um 18 Uhr im Refektorium des Predigers eröffnet. Rainer Reusch und Stefan Fichert werden dazu sprechen. Besonderheit an diesem Tag: Das Museum ist von 15 bis 21 Uhr durchgehend geöffnet und kostet keinen Eintritt.

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