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Laut übereinstimmenden Medienberichten hat Maschinenbauer Stihl Mitarbeiter an zwei Standorten in die Kurzarbeit geschickt. Als Grund werden die weltwirtschaftlichen Probleme angeführt.
Stuttgart/Waiblingen - Der Maschinenbauer Stihl, der weltweit vor allem für seine Motorsägen und Gartengeräte bekannt ist, plant trotz eines herausfordernden Geschäftsjahres ein weiteres Wachstum. So hieß es zumindest in einer Pressemitteilung vom September vom Familienunternehmen aus Waiblingen, die weltwirtschaftlichen Probleme hätten auch den Vorzeigekonzern eingeholt. Wie mehrere Medien aktuell übereinstimmend berichten, hat Stihl am Hauptsitz in Waiblingen und in Weinsheim (Rheinland-Pfalz) für Teile der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet.
Die Kurzarbeit wird oftmals als Maßnahme angewandt, um schlimmere Konsequenzen wie einen Stellenabbau aufgrund eines Kostendrucks zu vermeiden. Dennoch wird das Vorgehen immer wieder stark kritisiert. Mercedes-Benz wurde beispielsweise im vergangenen Jahr kritisiert, weil der Konzern trotz eines Milliardengewinns Kurzarbeit anmeldete. Bei Stihl ist der Grund für die Maßnahme auf die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal zurückzuführen, mit denen aktuell viele Unternehmen aus Baden-Württemberg zu kämpfen haben.
Kurzarbeit
Was ist Kurzarbeit? Kurzarbeit ist eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, die dazu dient, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Beschäftigung zu sichern und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Dabei wird die reguläre Arbeitszeit vorübergehend reduziert.
Ziel: Das Hauptziel von Kurzarbeit ist es, Arbeitsplätze zu erhalten und die wirtschaftliche Stabilität von Unternehmen zu sichern, indem die Lohnkosten in Zeiten geringer Auftragslage oder wirtschaftlicher Unsicherheiten angepasst werden.
Ablauf: In der Regel wird die Arbeitszeit vorübergehend verkürzt, oft aufgrund von Auftragsmangel oder anderen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die betroffenen Arbeitnehmer erhalten während der Kurzarbeit weiterhin einen Teil ihres Gehalts, wobei die Differenz durch staatliche Unterstützung, oft in Form von Kurzarbeitergeld, ausgeglichen wird.
Stihl: Kurzarbeit beim schwäbischen Familienunternehmen auch wegen nachlassender Kaufkraft
Den Berichten zufolge gilt die Kurzarbeit bei Stihl in Waiblingen und Weinheim für Teile der Belegschaft in produktionsnahen Bereichen auf vorerst unbestimmte Zeit. Neben den angesprochenen hohen Kosten im Rahmen der Inflation kommt laut der Stuttgarter Zeitung beim Familienunternehmen aus Waiblingen noch eine nachlassende Kaufkraft hinzu. In der Corona-Pandemie hätten sich viele Menschen notgedrungen auf den eigenen Garten oder auf die Waldarbeit fokussiert, wodurch die Nachfrage nach Stihl-Geräten stieg. Stihl hatte mitten in der Pandemie auch eine Beschäftigungsgarantie bis 2025 vereinbart.
Inzwischen stecken die Kunden ihre Kaufkraft aber vorrangig in Bereiche, die während der Pandemie nicht möglich waren. Dazu gehört etwa die Gastronomie und touristische Aktivitäten. „Vor diesem Hintergrund haben wir an unserem Standort in Weinsheim und für einen Teil der Belegschaft aus dem Produktionsbereich in bestimmten Strukturen in Waiblingen seit Oktober für begrenzte Zeit Kurzarbeit eingeführt“, erklärte Stihl-Personalvorstand Michael Prochaska. Wie viele Mitarbeiter genau von der Maßnahme betroffen sind und wie lange diese andauern soll, kommunizierte das Familienunternehmen nicht.
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