VonDominik Grillschließen
Bahnfahren stellt für Rollstuhlfahrer oft eine große Herausforderung dar. Werden sie dann auch noch vom Personal schikaniert, ist das kaum zu ertragen.
Stuttgart - Die Deutsche Bahn wirbt gerne für barrierefreies Reisen. Neben Vergünstigungen bei der Fahrkarte gibt es ein Servicetelefon für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und einen Hublift für Rollstühle samt geschultem Personal. Dass die Realität oft anders aussieht, zeigt der Fall einer Rollstuhlfahrerin, die auf dem Weg von Stuttgart nach Berlin war.
Wie deren Ehemann auf der Onlineplattform „X“ berichtet, fingen die Probleme bei dem erwähnten Hublift an. Von diesen gibt es zwei Varianten: den Bahnhofshublift und den internen Hublift des Zuges. Mit letzterem wäre alles schneller vonstattengegangen, stattdessen nutzten die Zugbegleiter den stationären Lift. Darauf angesprochen seien diese „sofort ungemütlich geworden“ und es sei zu einem Streit gekommen.
Rollstuhlfahrerin wird schikaniert: „Ich kann Sie auch wieder aus dem Zug werfen“
Daraufhin drohte einer der beiden Zugbegleiter offenbar: „Ich kann Sie auch wieder aus dem Zug werfen, wenn Sie weiter diskutieren wollen.“ Er benutze außerdem niemals den internen Hublift, eher würde er die Rollstuhlfahrerin und ihren Mann auf dem Bahnsteig stehen lassen.
Zugbegleiter wollte uns eben aus dem ICE 698 von Stuttgart nach Berlin werfen!
— Frankyman (@DerFrankyman) September 7, 2023
Und wir wurden schikaniert!
Meine Frau wurde eben mit dem Bahnhofshublift in den ICE 698 gehoben, es hat gedauert, weil die Dame vom Bahnhofspersonal den Hublift direkt vor der Sitzbank auf dem…
Als es die beiden schließlich in den Zug geschafft hatten, war die Schikane aber noch nicht vorbei. Zunächst soll der ältere Zugbegleiter nach dem Fahrausweis verlangt haben, ehe der jüngere wenige Minuten später erneut dieselbe Forderung stellte. Doch der Begleiter der Rollstuhlfahrerin weigerte sich, das Ticket vorzuzeigen, da sie das bereits getan hätten. Daraufhin drohte das Zugpersonal erneut, die beiden des Zuges zu verweisen und sogar die Bundespolizei zu rufen. Daraufhin zeigte der Begleiter erneut seine BahnCard100. Es sei ihm „zu viel Kindergarten“ gewesen. Der Post endet mit den Worten: „Mal sehen, ob die uns weiter schikanieren wollen.“
Zugchef entschuldigte sich bei den Betroffenen
Unter dem Beitrag finden sich zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Es sei unglaublich, wie man in einem Staatsbetrieb mit behinderten Menschen umginge. Dem schließen sich mehrere User an, von denen einer ergänzt, solche Personen hätten in ihrer Position nichts verloren. Einem anderen Nutzer ist es völlig unverständlich, wie es heutzutage derart schwer sein kann, mit einem Rollstuhl in einen Zug zu kommen, während man Menschen ins All schieße. Zynisch schreibt ein weiterer User: „Ich versuche gerade, mir den Rauswurf aus dem Zug vorzustellen, wenn sie den Hublift nicht benutzen wollen oder können.“
Immerhin habe sich der Zugchef im Nachgang noch bei den beiden Betroffenen entschuldigt. Um dem Motto des barrierefreien und toleranten Reisens gerecht zu werden, gibt es aber offensichtlich noch Nachholbedarf – beispielsweise bei Schulungen für den Umgang mit Rollstühlen und deren Fahrern.
