VonJulian Baumannschließen
Zeppeline werden bis heute in Baden-Württemberg gebaut. Vor bald 124 Jahren flog der erste Prototyp seine Jungfernfahrt im Bundesland.
Friedrichshafen - Baden-Württemberg ist allgemein als Wiege des Automobilbaus bekannt, im heutigen Bundesland fuhr allerdings auch die erste motorisierte Straßenbahn und das erste Motorrad. Nur wenige Jahre nach diesen Erfindungen wurde im Süden Baden-Württembergs zudem ein Fluggefährt entwickelt, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg den Himmel dominierte und heute bereits als Mythos gilt: der Zeppelin. Benannt nach seinem Erfinder, dem in Konstanz geborenen Graf Ferdinand von Zeppelin, startete ein erster Prototyp am 2. Juli 1900 in der Bucht von Manzell bei Friedrichshafen den ersten Zeppelinflug der Geschichte.
Luftschiffe, also lenkbare Luftfahrzeuge, deren Auftrieb auf aerostatischen Kräften beruht, gab es schon zuvor. Die Starrluftschiffe aus Friedrichshafen wurden aber derart erfolgreich, dass der Name Zeppelin heute synonym als Gattungsname für die Art von Luftfahrzeug verwendet wird. Mit dem von Ferdinand von Zeppelin in einer Bodenseebucht gebauten Prototyp „LZ 1“ begann die Geschichte der Zeppeline, die 1937 mit dem Absturz der Hindenburg endete. In der „Zeppelinstadt“ Friedrichshafen befindet sich heute ein viel besuchtes Museum zur Geschichte der Starrluftschiffe.
Juli 1900: Der erste Zeppelin der Weltgeschichte fliegt über den Bodensee
Im Jahr 1890 war Ferdinand von Zeppelin aus dem Armeedienst ausgeschieden und wandte sich anschließend der Entwicklung eines Luftschiffes zu. Da eine Expertenkommission seine ersten Entwürfe mit wenig Interesse abgetan hatte, war der Graf weitgehend auf sich allein gestellt. Mit der technischen Umsetzung seines Entwurfes beauftragte er aber den Stuttgarter Ingenieur Theodor Kober, der damit zu seinem ersten Mitarbeiter wurde. Erste Teile des späteren Zeppelins wurden in einer Fabrik in Lüdenscheid produziert. Die Montage geschah aber in Manzell am Bodensee in einer Halle, die für den schwierigen Startvorgang in den Wind gedreht werden konnte.
Der erste Zeppelin der Geschichte, der LZ 1, war 128 Meter lang und wurde von zwei Daimler-Motoren angetrieben. Wie die Bildungssendung Planet Wissen berichtete, startete eine Besatzung von fünf Mann am 2. Juli 1990 einen ersten Flug über den Bodensee, der allerdings nicht allzu lange andauerte. Nach etwa 18 Minuten war mit der ersten Zeppelin-Fahrt der Geschichte nämlich schon wieder Schluss, da ein Hebel des Laufgewichts gebrochen war und das Luftschiff notlanden musste. Dennoch war der von rund 12.000 Menschen am Bodenseeufer verfolgte Start ein Meilenstein, der weitere Konstruktionen ermöglichte.
„Wunder von Echterdingen“ rettet Zeppelin-Pläne und legt Grundstein für heutigen Konzern
Mit der Unterstützung des Ingenieurs und Managers Alfred Colsman, sowie mit Spenden, konnte Ferdinand von Zeppelin nach dem LZ 1 weitere, verbesserte Prototypen des Zeppelins bauen. Am 4. August 1908 startete der LZ 4, mit dem von Zeppelin die Armee von der Tauglichkeit seines Luftschiffs überzeugen wollte, zu einer 24-Stunden-Fahrt in Friedrichshafen. Noch am selben Tag musste er aber in Südhessen notlanden, da ein kleiner Motorschaden aufgetreten war. Anschließend konnte der Zeppelin weiterfliegen, musste aber auf der Rückfahrt erneut in der Nähe von Echterdingen bei Stuttgart notlanden.
Bei dieser Landung riss ein aufkommender Sturm den Zeppelin aus seiner Verankerung, der zu Boden stürzte und anschließend Feuer fing. Mit dem erneuten Rückschlag wäre es für die Luftschiff-Pläne des Grafen von Zeppelin aus wirtschaftlicher Sicht wohl aus gewesen, einer der zahlreichen Zuschauer hatte aber spontan die Idee für eine Spendenaktion. Durch die „Zeppelinspende des deutschen Volkes“, auch „das Wunder von Echterdingen“ genannt, kamen mehr als 6 Millionen Mark zusammen. Dadurch war nicht nur der Bau weiterer Zeppeline gesichert, sondern auch der Grundstein für den Zeppelinkonzern gelegt.
Ende der Zeppelin-Hochphase: Die Hindenburg fängt über New York Feuer und explodiert
Mit den Spenden des Volkes gründete Ferdinand von Zeppelin im Jahr 1908 die Luftschiffbau Zeppelin GmbH und die Zeppelin-Stiftung, den Vorgänger der heutigen gleichnamigen Stiftung, die den Großteil der Aktien des Autozulieferers ZF Friedrichshafen hält. In den folgenden Jahren wurden mehrere weitere Starrluftschiffe konstruiert, die im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Damals waren die Zeppeline sogar den Flugzeugen technisch überlegen, da sie deutlich größere Höhen erreichen konnten. Als Blütezeit der Zeppelin-Luftfahrt gilt heute vor allem die Zeit von 1926 bis 1932.
Im Jahr 1933, während der Zeit des Nationalsozialismus, wurde der heute wohl bekannteste Zeppelin, die LZ 129 „Hindenburg“, in der Werft in Friedrichshafen fertiggestellt. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff LZ 300 „Graf Zeppelin“ gilt die Hindenburg als größtes jemals gebautes Luftschiff. Das vorläufige Ende der Zeppelin-Zeit wurde im Jahr 1937 eingeleitet, als die Hindenburg beim Landeanflug auf Lakehurst bei New York City in Flammen aufging und schließlich explodierte. Das kostete 36 Menschen das Leben.
Inzwischen sind die Zeppeline in weiten Teilen der Welt nur noch ein Mythos. In ihrer Ursprungsstadt und in anderen Teilen Deutschlands können bestimmte Modelle aber noch immer am Himmel entdeckt werden. In nach wie vor in Friedrichshafen gebauten Zeppelin NT (neue Technologie) können Touristen nämlich über den Bodensee und Teile der Region Stuttgart sowie einzelne andere Gebiete fliegen. Laut der Seite sind ab April 2024 zudem Rundflüge über die Region München und ab Mai über das Ruhrgebiet geplant.
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