Konstanzer Konzil

In dieser Stadt in Baden-Württemberg fand die erste Papstwahl nördlich der Alpen statt

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Eine Sehenswürdigkeit in Konstanz am Ufer des Bodensees: Die Imperia, eine Statue des Künstlers Peter Lenk, hält den Papst und den Kaiser in der Hand und erinnert an das Konzil von Konstanz.
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Die einzige Papstwahl nördlich der Alpen beendete eine jahrzehntelange Kirchenspaltung und schrieb Geschichte. Schauplatz war eine Stadt in Baden-Württemberg.

Konstanz – Es war nicht nur die erste, sondern auch die einzige anerkannte Papstwahl nördlich der Alpen: die Wahl des Konzils von Konstanz im Jahr 1417. Damals wurde in Baden-Württemberg Geschichte geschrieben, die bis heute nachwirkt. Denn das Konzil setzte die damals drei konkurrierenden Päpste ab und wählte einen neuen.

Als Konstanz zum Schauplatz der Geschichte wurde: Papstwahl im Jahr 1417

Religion ist seit jeher eines der größten Streitthemen der Menschheit. Unterschiedliche Auslegungen und Ansichten haben im Laufe der Geschichte immer wieder zu Kriegen, Gewalt und Streitereien geführt. Vor diesem Hintergrund ist das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 und dessen Papstwahl als große Leistung zu sehen. Denn die Versammlung beendete eine jahrzehntelange Spaltung der lateinischen Kirche – auch als großes abendländisches Schisma seit 1378 bekannt. Das Konzil brachte damit die Einheit der katholischen Kirche zurück.

Schauplatz der historischen Begebenheit war das Kaufhaus am Hafen in der baden-württembergischen Stadt Konstanz. Außergewöhnlich war, dass nicht nur Kardinäle an der Wahl beteiligt waren, sondern auch Nationalvertreter, heißt es auf dem Stadtportal von Konstanz. Das war kein Zufall. So wollte man sich europaweit die Unterstützung der Politik sichern. Denn zu dieser Zeit gab es drei Päpste: einen in Avignon, einen in Rom und einen in Pisa. Im Zuge der Bemühungen des Konstanzer Konzils wurden die drei Konkurrenten abgesetzt oder traten zurück, was den Weg freimachte für die Papstwahl.

Wahl unter Verschluss: Von zugemauerten Fenstern im Kaufhaus am Hafen zu „Habemus Papam“

Die Wahlberechtigten kamen am 8. November 1417 in Konstanz beim Kaufhaus am Hafen an, das als Versammlungsort für die Papstwahl diente. Die Teilnehmenden zogen jeweils in eine der speziell für diesen Anlass gebauten Zellen im Konzilgebäude ein. Dann schottete man sie für das sogenannte Konklave von der Außenwelt ab – ein Brauch, den die Kardinäle auch heutzutage noch bei der Papstwahl in Rom praktizieren. Damals wie heute bleiben die Wahlberechtigten so lange eingeschlossen, bis ein Papst gewählt ist. Beim Konstanzer Konzil wurden sogar die Fenster vermauert, wie das Portal der Stadt Konstanz schreibt.

Das Kaufhaus am Hafen, auch Konzil oder Konzilgebäude genannt, war der Schauplatz des Konstanzer Konzils im Jahr 1417.

Bis sich die Kardinäle und Nationenvertreter einstimmig auf einen Papst einigen konnten, vergingen wenige Tage. Am 11. November hieß es „Habemus papam“ – zu Deutsch: „Wir haben einen Papst“. Martin V. war gewählt und die Kirchenspaltung damit nach fast vier Jahrzehnten beendet. Insgesamt vier Jahre hatte das Konstanzer Konzil gedauert, die Papstwahl war der Höhepunkt, wie NZZ berichtet. Die Wahl als Konzilsort fiel nicht zufällig auf Konstanz: Die Lage am Bodensee und an wichtigen Wasserstraßen bot gute Grundvoraussetzungen, die wichtigen Gäste versorgen zu können. Zudem war der Ort auch ein Bistumssitz.

In Baden-Württemberg finden sich außerdem die größte Kuppel und eines der größten Skigebiete nördlich der Alpen.

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