Reutlingen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nachdem die Stadt sich im 19. Jahrhundert zum Industrie-Hotspot entwickelt hatte, litt sie unter den Auswirkungen der NS-Zeit. Heute ist sie vor allem aufgrund wichtiger historische Bauten ein Besuchermagnet.
- Reutlingen wurde erstmals 1089/90 schriftlich erwähnt.
- Die Stadt hat es vor allem aufgrund ihrer Maschinen- und Textilindustrie zu wirtschaftlichem Erfolg gebracht.
- Die Spreuerhofstraße gilt als die engste Straße der Welt.
Reutlingen – Die ehemalige Freie Reichsstadt (bis 1802) und spätere württembergische Oberamts- bzw. Kreisstadt Reutlingen überschritt im Jahr 1989 die Grenze von 100.000 Einwohnern. Seither ist sie ein von insgesamt neun Großstädten in Baden-Württemberg. Sie ist eine von drei europäischen Großstädten in einem UNESCO-Biosphärenreservat, das etwa 85.000 Hektar groß ist.
Reutlingen: Geografie, Lage und Stadtgliederung
Reutlingen liegt zentral in Baden-Württemberg am Fuß der Schwäbischen Alb, eingebettet zwischen Achalm und Georgenberg. Die Kreisstadt liegt im äußersten Nordwesten des Landkreises Reutlingen und gehört zur Region Neckar-Alb sowie zur Metropolregion Stuttgart. Mit einem Anteil von 17,5 Prozent seiner Gemarkung ist Reutlingen Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, weshalb Reutlingen auch als das „Tor zur Schwäbischen Alb“ bezeichnet wird.
Reutlingen besteht aus der Kernstadt Reutlingen-Mitte und weiteren zwölf Stadtteilen. Diese waren einst selbständige Gemeinden, die vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis in die 1970er Jahre hinein nacheinander eingemeindet wurden. Dabei besitzt wiederum jede Ortschaft eine örtliche Verwaltungsstelle, ein Bezirksamt und einen Ortschaftsrat. Reutlingen-Mitte ist selbst wiederum in eine Reihe kleinerer Stadtteile gegliedert.
Reutlingen: Von der Frühgeschichte bis ins Mittelalter
Ausgrabungen deuten darauf hin, dass schon in der Spätsteinzeit Menschen auf dem Stadtgebiet des heutigen Reutlingen gelebt haben sollen. Des Weiteren belegen historische Funde dauerhafte Besiedlungen in vorrömischer Zeit. Auf die alemannischen Siedlungen aus dem 4. und 5. Jahrhundert geht auch die typische Endung „-ingen“ im Stadtnamen zurück.
Reutlingen wird erstmals im Bempfinger Vertrag im Jahr 1089/90 erwähnt. Im Jahr 1240 wird Reutlingen zur Reichsstadt erhoben. 1343 wurde die Reutlinger Marienkirche fertiggestellt. Sie gilt als eines der wichtigsten gotischen Bauwerke Baden-Württembergs. Von der Reformation an bis ins 20. Jahrhundert hinein war Reutlingen allerdings eine Hochburg des Protestantismus im Südwesten des deutschsprachigen Raums.
Reutlingen: Freie Reichsstadt, NS-Zeit, Wiederaufbau
Im 16. Jahrhundert wurde Reutlingen Freie Reichsstadt, welches auch ein Asylrecht für Totschläger gewährleistete. Mit der Eingliederung Reutlingens in das Herzogtum und das spätere Königreich Württemberg im Jahr 1802 endete dieses Recht. Als Reutlingen Mitte des 19. Jahrhunderts an das Eisenbahn-Netz angeschlossen wurde, hielt die Industrialisierung Einzug. Dabei erblühte vor allem die Maschinen-, Papier- und Textilindustrie.
Nach 1933 wurde die Stadt maßgeblich vom Nationalsozialismus dominiert. 1936 wurde Reutlingen Garnisonsstadt. Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen fielen den NS-Krankenmorden zum Opfer. Zudem wurden in Arbeitslagern Menschen zu Zwangsarbeit verpflichtet. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde etwa ein Viertel des Gebäudebestandes durch Luftangriffe der Alliierten zerstört.
Der Wiederaufbau Reutlingens nach dem Krieg ist stark mit dem ersten demokratisch gewählten Bürgermeister Oskar Kalbfell verbunden. 1956 wurde Reutlingen Große Kreisstadt. Ende der 2000er wurde bekannt, dass Reutlingen ein sogenannter „Stickstoffdioxidhotspot“ ist, was die Stadt zu kreativen Maßnahmen zur Senkung der Messwerte nötigte.
Reutlingen: Wirtschaft
In der Nachkriegszeit nahm die Wirtschaft in Reutlingen aufgrund seiner bereits vorhandenen Industrie wieder rege an Fahrt auf. Die Stadt entwickelte sich aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs schnell zur „Hauptstadt der Millionäre“. Heute besitzt die Stadt zwei Gewerbegebiete, ein Industriegebiet und einen Dienstleistungspark.
Reutlingen: Kultur und Sehenswürdigkeiten
Auch in kultureller Hinsicht hat Reutlingen einiges zu bieten. Seit 2009 richtet die Stadt unter dem Motto „Kultur schafft Heimat“ die Heimattage Baden-Württemberg aus. Die Stadt fördert die klassische Musik und hat die Württembergische Philharmonie Reutlingen hervorgebracht. Auch das Kulturzentrum „franz.K“ hat sich zu einer wichtigen soziokulturellen Begegnungsstätte für Künstler aller Art entwickelt.
Ebenso beachtlich sind die zahlreichen historischen Bauten und Denkmäler der Stadt. Eine Besonderheit ist die Spreuerhofstraße. Seit 2007 ist sie im Guinessbuch der Rekorde als engste Straße der Welt gelistet. Sie ist durchschnittlich nur 40 Zentimeter breit. Sie entstand nach einem Stadtbrand aus dem Jahr 1726.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt im Überblick
- Friedrich-List-Denkmal
- Gerber- und Färberbrunnen
- Nikolaikirche mit Gerberbrunnen
- Spitalhof
- Marktplatz
- Marktbrunnen
- Rathaus
- Tübinger Tor
- Spendhaus
- Marchtaler Hof
- Spreuerhofstraße
- Marienkirche
- Gartentor



