- VonAndrea Rohrbachschließen
Auf den Heimattagen in Neresheim wird der Verein Staufersaga die älteste Stauferstadt repräsentieren. Was dazu im Vorfeld getan werden muss.
Schwäbisch Gmünd. Es ist ein Labyrinth aus Stoffballen, Perücken, Schuhen, Accessoires und historischen Gewändern. Die Gewandmeisterei des Vereins Staufersaga am Uniparkgelände beherbergt „Tausende an historisch originalgetreuen Gewändern“.
Kein Gewand kommt allein daher, jedes werde durch mindestens vier, wenn nicht sogar sieben Teile ergänzt, erklärt Gundi Mertens gut gelaunt. Die genaue Zahl sei nicht bekannt, meint die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Staufersaga. Aber 8000 Einzelteile werden in der Gewandmeisterei sicher gelagert, denn die Darsteller der verschiedenen Aufführungen seien „bis unten herum“ original gewandet.
Gewichtiges Auftreten
Und die Darsteller haben ordentlich zu schleppen: Allein die Gewänder von Heinrich VI und seiner Gattin Konstanze von Sizilien bringen rund acht Kilogramm Samt auf die Waage. Bis zu 15 Meter Samt wurden für die prachtvollen Roben verwendet.
Aktuell bereitet sich der Verein auf das große Festwochenende der Heimattage Neresheim am Sonntag, 8. September, vor. Der große Landesfestumzug mit über 100 Gruppen aus ganz Baden-Württemberg wird sich durch die Neresheimer Innenstadt bewegen. Als einzige Gruppierung in staufischen Gewändern wird die Staufersaga ganz vorne dabei sein.
Einladung kam vom Bürgermeister
Die Einladung sei vom Neresheimer Bürgermeister Thomas Häfele ausgesprochen worden, erzählt Gundi Mertens. Die geschichtsträchtige Stauferfamilie wird den Umzug begleiten, angefangen mit Friedrich von Büren, der als Stammvater des mächtigen Adelsgeschlechts der Staufer im 11. Jahrhundert gilt, bis hin zu Konradin, mit dessen Enthauptung am 29. Oktober 1268 der letzte legitime männliche Erbe aus der Dynastie der Staufer hingerichtet wurde.
Die staufischen Gewänder und Schmuckstücke in Bildern




Natürlich ist auch Barbarossa dabei
Alle gekrönten Häupter aus der rund 220-jährigen Hochzeit der Staufer sind zu bewundern, mit dabei der wohl weltbekannte Barbarossa, Friedrich II, der „Freigeist“ der Staufer, der sich nicht nur mit seinem Zug über die Alpen in den Geschichtsbüchern verewigt, sondern auch alle Religionen akzeptiert habe.
Jedes der gekrönten Häupter wird den Zuschauern durch einen Schildträger nahegebracht, ein Hofstaat begleitet Könige, Kaiser, Geistliche und andere Würdenträger. Den Abschluss des staufischen Spektakels bildet die Reitergruppe mit ihren rot-weißen Stadtgewändern und Knappen.
Jede Menge Vorarbeit muss geleistet werden
Rund 200 Personen werden für den großen Neresheimer Auftritt benötigt, dafür muss jede Menge Vorarbeit geleistet werden. Gundi Mertens ist sehr froh und stolz auf ihre Mitgewanderinnen, die Gewandmeisterin Christine Zorniger und Michaela Schneele sowie Ursel Elrefaey.
Die Gewandausgabe sei eine Herkulesaufgabe: 200 Gewandete benötigen gereinigte Kleidung, die auch auf Beschädigungen untersucht werden muss. Nicht jeder Darsteller trägt stets die gleiche Robe, somit sind die Kleidungsstücke anzupassen und Schuhe und Accessoires zuzuordnen. Die ehrenamtliche Arbeitsleistung nötigt Mertens größten Respekt ab.
Auch die Gmünder Ehrenamtskoordinatorin Carmen Bäuml habe viel dazu beigetragen, dass der Verein Gmünd standesgemäß repräsentieren könne: Alle geplanten Figuren konnten nicht nur besetzt werden, für nahezu alle Darsteller gebe es Ersatzpersonen.
Wer denkt, damit hat der Verein seine große jährliche Veranstaltung absolviert, der täuscht sich. Bereits jetzt „werkeln“ Näherinnen und Handwerksabteilungen für den kommenden Weihnachtsmarkt. Gundi Mertens spricht mit einem Strahlen im Gesicht für ihre vielen Mitstreiter: „Es hört nie auf“.
Der große Festumzugzu den Heimattagen in Neresheim findet am Sonntag, 8. September, um 14 Uhr statt und wird rund zwei Stunden dauern. Um 13.45 Uhr wird der Verein Staufersaga im Rahmen eines kleinen Rollenspiels vor der Tribüne die wichtigsten Persönlichkeiten präsentieren und die Gmünder Stadtfahne an die Stadt Neresheim übergeben.