Aus eigenem Antrieb

Batteriekonzern Varta startet „Freiwilligenprogramm“ für Stellenabbau an Hauptsitz in Baden-Württemberg

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Der Batteriehersteller Varta wird auch am Hauptsitz in Ellwangen Stellen abbauen. Dafür setzt das Unternehmen auf ein Freiwilligenprogramm.

Ellwangen - Der Batteriekonzern Varta mit Hauptsitz in Ellwangen (Baden-Württemberg) ist durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in die roten Zahlen gerutscht. Ein Restrukturierungsprogramm soll das Traditionsunternehmen wieder auf Kurs bringen. Neben Investitionen in Zukunftsfelder wie die E-Mobilität – Varta baut unter anderem Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos – sieht das Programm auch Sparmaßnahmen vor. Ende April wurde bekannt, dass das schwäbische Traditionsunternehmen weltweit 800 Vollzeitstellen abbauen will.

Wie Varta Ende Juni in einer Pressemitteilung erklärte, konnte ein Großteil der 800 Stellen bereits durch auslaufende Verträge und der gezielten Reduzierung an internationalen Standorten abgebaut werden. Der Konzern hatte bereits bei der Verkündung des Stellenabbaus erklärt, diesen möglichst sozialverträglich gestalten zu wollen. Die Sparmaßnahmen betreffen allerdings auch den Hauptsitz von Varta im schwäbischen Ellwangen (Ostalbkreis), für den der Konzern auf ein Freiwilligenprogramm setzt.

Varta will Abbau von 88 Arbeitsplätzen am Hauptsitz in Baden-Württemberg „einvernehmlich umsetzen“

Im Zuge der Restrukturierung will Varta nach eigenen Angaben insgesamt 88 Arbeitsplätze am Hauptsitz in Ellwangen und an der Gigafactory im nahen Neunheim abbauen und hat sich dafür mit der Unternehmensleitung und den Arbeitnehmervertretern auf ein Freiwilligenprogramm geeinigt. „Wir haben in intensiven und vertrauensvollen Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern eine gute Lösung gefunden, die es uns ermöglicht, die notwendigen Kosteneinsparungen im Personalbereich einvernehmlich umzusetzen“, sagt Michael Giesswein, Chief Restructing Officer (CRO) bei Varta. Giesswein ist erst seit Mitte Juni im Varta-Vorstand und soll als Teil der Vereinbarung mit den Banken die Restrukturierung vorantreiben.

NameVarta AG
Gründungsjahr1887
HauptsitzEllwangen, Baden-Württemberg
BrancheElektrotechnik
ProdukteBatterien, Akkus und Energiespeichersysteme
Umsatz902,9 Millionen Euro (2021)
Mitarbeiter4.666

Das Freiwilligenprogramm für den Stellenabbau am Hauptsitz von Varta basiert auf einer doppelten Rolle. Demnach müssen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber gemeinsam einem Aufhebungsvertrag zustimmen. Als Gegenleistung verspricht der Batteriehersteller neben einer Grundabfindung Steigerungsbeiträge für bestehende Unterhaltspflichten gegenüber Kindern und Menschen mit Behinderungen. Zudem soll eine Prämie einen weiteren Anreiz bieten. Auch Autokonzern Mercedes-Benz, damals Daimler AG, hatte 2021 den Mitarbeitern hohe Abfindungen gezahlt, damit sie den Konzern verlassen. Viele wollten dennoch nicht gehen. Betriebsrat und Unternehmensleitung von Varta haben über genauere Details zum Freiwilligenprogramm Stillschweigen vereinbart.

Varta: Nach IG Metall-Kritik gibt es endlich Gewissheit – Großteil der Stellen schon abgebaut

Daraus, dass die Restrukturierung mit einem Stellenabbau verbunden sein wird, machte Varta von Anfang an kein Geheimnis. „Uns ist bewusst, dass die Restrukturierung leider mit harten Einschnitten verbunden sein wird“, hatte Vorstandsprecher Markus Hackstein Ende April erklärt. „Wir sind uns unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und haben den Betriebsräten bereits unsere Zusammenarbeit bei der Suche nach konstruktiven Lösungen zugesichert.“ Teil dieser Lösung ist offenbar auch das Freiwilligenprogramm in Ellwangen. Da ein Großteil der insgesamt 800 Vollzeitstellen laut Varta bereits durch gezielte Maßnahmen abgebaut werden konnte, sind vergleichbare Maßnahmen an anderen Standorten aktuell nicht erforderlich.

Der Batteriekonzern Varta hat für den Stellenabbau am Hauptsitz in Ellwangen ein Freiwilligenprogramm gestartet.

Nach der Verkündung des Stellenabbaus hatte Varta über längere Zeit keine genaueren Angaben zu Umfang und Ablauf gemacht. Die IG Metall übte deutliche Kritik, da die Varta-Mitarbeiter weiter bangen mussten. Mit der Erklärung, viele Stellen bereits abgebaut zu haben und dem Start des Freiwilligenprogramms in Baden-Württemberg, kehrt zumindest Licht ins Dunkel. „Wir haben bereits Fortschritte bei der Restrukturierung der Varta AG gemacht und das Freiwilligenprogramm ist ein wichtiger Schritt, den Konzern wieder auf einen stabilen Kurs zu bringen“, sagt CRO Michael Giesswein. „Wir arbeiten weiter daran, gemäß der wirtschaftlichen Anforderungen Potenziale zu finden, um die Restrukturierung erfolgreich umzusetzen.“

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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