VonMathias Ostertagschließen
Die Krise beim Batteriehersteller Varta mit Standorten in Ellwangen, Dischingen sowie im benachbarten bayerischen Nördlingen ebbt nicht ab. Der schon voriges Jahr eingeschlagene Sparkurs mit Stellenabbau wurde in der vergangenen Woche nochmals verschärft.
Ellwangen - Es soll zwar harmlos klingen, birgt aber ein erhebliches Maß an Brisanz: „Varta AG aktualisiert Restrukturierungskonzept“ ist die Ad-Hoc-Meldung übertitelt, die der Batteriehersteller mit Sitz im baden-württembergischen Ellwangen in der vergangenen Woche auf seiner Homepage veröffentlichte. Und doch kann, wer zwischen den Zeilen liest, sofort erkennen, dass die Faktoren Nachfrageeinbruch und ein Cyber-Angriff im Februar dieses Jahres Varta nicht nur nach wie vor stark zusetzen, sondern sogar zu weiteren Maßnahmen zwingen. Das heißt konkret: Der bereits 2023 eingeleitete Sparkurs wird noch weiter verschärft. Dabei hatte Varta erst im vergangenen Jahr angekündigt, weltweit rund 800 Stellen zu streichen, knapp die Hälfte davon in Ellwangen, Dischingen und Nördlingen.
Aktie auf Allzeit-Rekordtief
Ob die neu verkündete Hiobsbotschaft Folgen für die Belegschaft bei Varta hat, teilte das Unternehmen nicht mit. Deutliche Reaktionen gab es jedoch am Aktienmarkt: die Varta-Aktie brach nach Bekanntwerden deutlich ein. Nachdem die Aktien bereits am Freitag nach Bekanntwerden der Nachricht auf ein Rekordtief von 9,12 Euro gefallen waren, gings am Montag weiter bergab: noch nie war die Varta-Aktie so schlecht bewertet wie mit den aktuell 8,84 Euro pro Aktie. Insgesamt belaufen sich die Kurseinbußen seit Jahresbeginn bereits auf 56 Prozent. Zum Vergleich: das Allzeithoch erreichte die Varta-Aktie im Januar 2021 mit 171,90 Euro.
Fakt ist laut der Varta-Mitteilung, dass das im vergangenen Jahr erstellte Gutachten, mit dem der Konzern bis Ende 2026 saniert sein sollte, nicht ausreicht, um Varta wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Die Restrukturierungsmaßnahmen und die Unternehmensstrategie seien „der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht mehr angemessen“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Massiver Umsatzeinbruch schon 2023
In allen drei Geschäftsbereichen von Varta - kleinformatige Batteriezellen für kabellose Elektronik, Haushaltsbatterien und Energiespeichersysteme - haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert. Besonders schlecht sieht es aus bei kleinformatigen Lithium-Ionen-Rundzellen, die etwa in Kopfhörern verbaut werden. Die Sparte, einst Wachstumsmotor des Konzerns, schrieb schon im vergangenen Jahr rote Zahlen. In den ersten neun Monaten 2023 war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um mehr als 60 Prozent auf 44,4 Millionen Euro eingebrochen.
Nicht viel besser sieht es im zuvor stetig wachsenden Energiespeichersegment aus: auch hier geht die Entwicklung nicht voran. Laut Varta gibt es hier einen „unerwartet erheblichen Rückgang der Nachfrage im Bereich Energiespeicherlösungen bei Endverbrauchern“ und „aufgrund hoher Lagerbestände im Handel eine aggressive Preispolitik von Wettbewerbern sowie anhaltende Lieferkettenprobleme“.
Cyberattacke: Produktion stand still
Zu guter Letzt hat eine Cyberattacke vor wenigen Wochen das Unternehmen erheblich im Mark erschüttert und die Lage weiter verschärft: die Produktion stand an allen Standorten wochenlang still. Welche finanziellen Folgen die Hacker-Attacke mit sich brachte, lässt sich noch nicht definitiv sagen. Auch die Veröffentlichung des Konzernabschlusses, eigentlich vorgesehen für den 28. März, wurde aus diesem und anderen Gründen erstmal verschoben.
Und die Konsequenzen für die Belegschaft? Sind noch nicht absehbar. „Derzeit lässt sich noch keine verlässliche Aussage treffen hinsichtlich möglicher Anpassungen bzw. weitergehender Restrukturierungs- und daraus folgender Finanzierungsmaßnahmen“, so Varta in besagtem Schreiben.
„Weniger“ als 800 Stellen abgebaut
Konkreter wird die Heidenheimer Zeitung: Auf Nachfrage der HZ teilte Varta-Pressesprecher Dr. Christian Kucznierz mit, dass man von den im Jahr 2023 insgesamt 4700 im Konzern Beschäftigten „weniger“ als die zuvor genannten 800 Stellen abgebaut werden mussten. Aufgrund eines Freiwilligenprogramms und von Fluktuation habe man die finanziellen Einsparungen im Personalbereich im vorigen Jahr erreichen können. Im Dischinger Werk habe es so sogar so gut wie keine Personalreduzierung gegeben.
