Weniger ist mehr

4-Tage-Woche? IG Metall sagt Ja, wenn es „im Interesse der Beschäftigten ist“

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Die IG Metall fordert bundesweit die Einführung einer 4-Tage-Woche. Dabei muss aber die tägliche und wöchentliche Arbeitszeitgrenze berücksichtigt werden.

Stuttgart - Die Arbeitnehmergewerkschaft IG Metall hat die bundesweite Einführung einer 4-Tage-Woche bei vollem Gehalt gefordert und darauf hingewiesen, dass eine solche Maßnahme bereits in vielen Tarifverträgen verankert ist. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung wollen 81 Prozent der Beschäftigten eine 4-Tage-Woche, in der Industrie stellen sich einige Arbeitgeber aber dagegen. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte sich gegen die 4-Tage-Woche ausgesprochen, da angesichts des steigenden Wettbewerbs weniger Arbeit nicht zielführend sei. „Wenn unsere erste Priorität ist, bei vollem Lohnausgleich weniger zu arbeiten, gewinnen wir international kein Spiel mehr.“

Beim großen Autokonzern aus Stuttgart ist eine Arbeitszeitreduzierung in Absprache mit der Führungskraft jedoch möglich, sofern sich die Maßnahme mit der Tätigkeit vereinbaren lässt. „Es geht vor allem darum, dass die tägliche und wöchentliche Arbeitszeitgrenze berücksichtigt wird“, erklärte auch Sami Mokdad von der IG Metall Baden-Württemberg auf Anfrage von BW24. „Es gibt durchaus Tätigkeiten, wo das Arbeitspensum einer 35-Stunden-Woche auch auf 4 Tage verteilt werden kann. Es gibt allerdings sehr viele Tätigkeiten, wo 8 Stunden täglich die Grenze sind.“ Diese Frage nach einer akzeptablen Balance wird derzeit in der Stahlindustrie diskutiert.

IG Metall sieht Vorteile bei 4-Tage-Woche: „Mehr Freizeit, um persönliche Verpflichtungen zu erfüllen“

Forschern zufolge ist eine 4-Tage-Woche durchaus möglich und die positiven Effekte auf die Arbeit der Mitarbeiter wurden bereits in einer Studie nachgewiesen. Bislang haben jedoch nur vereinzelte, und vor allem kleinere, Unternehmen eine solche Maßnahme ergriffen. Ein Unternehmen aus Karlsruhe stellte auf die 4-Tage-Woche um und ist von den Vorteilen überzeugt. Diese Vorteile sieht auch die IG Metall. „Durch eine verkürzte Arbeitswoche hätten die Beschäftigten mehr Freizeit zur Verfügung, um ihre persönlichen Bedürfnisse und Verpflichtungen außerhalb der Arbeit zu erfüllen“, so Sami Mokdad.

IG Metall Baden-Württemberg

Die IG Metall Baden-Württemberg ist eine der einflussreichsten Gewerkschaften in Deutschland und vertritt die Interessen von Arbeitnehmern in einer der wichtigsten Wirtschaftsregionen des Landes. Sie ist bekannt für ihre Forderungen nach höheren Löhnen, kürzeren Arbeitszeiten und besseren Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft hat in der Vergangenheit auch erfolgreich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und gegen Werksschließungen gekämpft.

Dies könne wiederum zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen, was gerade in Zeiten, in denen die Mitarbeiter verstärkt flexible Arbeitskonzepte fordern, von Bedeutung sei. „Insgesamt ist die IG Metall für die Möglichkeit einer 4-Tage-Woche, wenn dies im Interesse der Beschäftigten ist.“ Im Interesse der Beschäftigten wird eine Reduzierung der Arbeitszeit in den meisten Fällen sein, bei den Arbeitgebern regt sich eher Widerstand. „Ich sehe die 4-Tage-Woche mit großer Sorge“, sagte Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller und erklärte, dass der deutsche Wohlstand so nicht zu halten sei.

4-Tage-Woche in Baden-Württemberg: Es gibt auch Alternativen

Auch wenn eine 4-Tage-Woche in der Industrie nicht überall umsetzbar, gibt es andere Möglichkeiten, die Mitarbeiter in der aktuell schwierigen Zeit zu entlasten. „Betriebe könnten ihren Beschäftigten flexiblere Arbeitszeiten anbieten, wie beispielsweise mehr Wahlmöglichkeiten“, erklärte Sami Mokdad unserer Redaktion. „Dadurch haben die Beschäftigten mehr Kontrolle über ihre Arbeitszeiten und können diese an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.“ Homeoffice, oder auch mobiles Arbeiten genannt, sei ebenfalls eine Möglichkeit, Arbeitszeit und Arbeitsort flexibler zu gestalten. „Im Produktionsbereich gibt es hier allerdings natürlich Grenzen“, ist sich die IG Metall Baden-Württemberg bewusst.

Maßnahmen wie eine 4-Tage-Woche oder die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten sollen die Arbeitswelt flexibler gestalten. In der Industrie ist das aber nicht überall möglich.

Dass beispielsweise in der Autoindustrie nicht in allen Bereichen mobil gearbeitet werden kann, versteht sich von selbst. Auf BW24-Anfrage hatte Mercedes-Benz im April jedoch erklärt, dass die Mitarbeiter mobil arbeiten können, wenn es ihre Tätigkeit erlaubt. Die IG Metall hat zudem die Möglichkeit geschaffen, das sogenannte „T-ZUG“ (Tarifliches Zusatzgeld) – das die tarifgebundenen Mitarbeiter der Metall- und Elektroindustrie seit 2019 erhalten – in acht zusätzliche Freitage umzuwandeln. „Im Jahr 2022 haben bundesweit über 400.000 Beschäftigte diese Option gezogen.“

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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