Düstere Aussichten

„Werden deutlich weniger sein“: Mahle-Chef erwartet Stellenabbau

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Studien gehen davon aus, dass die Transformation in der Autoindustrie einen deutlichen Arbeitsplatzabbau nach sich ziehen wird. Davon ist auch der Stuttgarter Autozulieferer Mahle nicht gefeit.

Stuttgart - Autozulieferer Mahle hatte in den vergangenen Jahren mit deutlichen Problemen zu kämpfen, ist inzwischen aber wieder deutlich besser auf Kurs. Die Stuttgarter haben Felder der E-Mobilität erschlossen, setzen prominent auf das Thermomanagement, wollen aber auch weiterhin ein zuverlässiger Lieferant für Verbrenner bleiben. Dennoch ist die groß angelegte Transformation für den Kolbenspezialisten nicht ganz einfach zu stemmen, weswegen Mahle-Chef Arnd Franz bereits erklärt hatte, dass nicht alle deutschen Standorte den Wandel überstehen werden.

Studien gehen im Rahmen der Transformation davon aus, dass in der Autoindustrie rund 40 Prozent der Arbeitsplätze entfallen könnten. Während die IG Metall beim weltgrößten Autozulieferer Bosch, zumindest für die deutschen Standorte, eine Beschäftigungsgarantie bis 2027 aushandeln konnte, gibt der angekündigte drastische Stellenabbau bei Konkurrent Continental einen ersten Eindruck von den großen Herausforderungen der Zukunft. Im Interview mit Welt erklärte Mahle-CEO Franz, dass auch beim schwäbischen Konzern bis 2035 deutlich weniger Mitarbeiter angestellt sein werden.

Der Autozulieferer Mahle wird laut CEO Arnd Franz in Zukunft deutlich weniger Personal beschäftigen.

Mahle-Chef erwartet, dass Europa in Zukunft kleinere Rolle spielen wird

Mahle spricht sich seit langem vehement dafür aus, neben der E-Mobilität auch am Verbrenner festzuhalten und profitiert aktuell von dieser Einstellung. „Im Premium- und Sportwagenbereich erleben wir derzeit Rekordabsätze“, erklärte Arnd Franz. Zugleich würde der Autoabsatz, ungeachtet des Antriebs, in Europa weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau liegen und sich laut dem Mahle-Chef so schnell auch nicht erholen können. Im globalen Maßstab werde Europa in Zukunft eine kleinere Rolle spielen, weswegen es aktuell bereits eine Überkapazität gebe.

Name Mahle GmbH
Gründung 1. Dezember 1920
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Produkte Motorenkomponenten, Filtersysteme, Klimatisierung, Elektrifizierungstechnik, Thermomanagement, Kolbentechnik, Ventilsteuerung, Motorsteuerung, Antriebsstrangtechnik, Prüfsysteme
Leitung Arnd Franz (CEO)
Mitarbeiter 71.947 (2022)
Umsatz 12,4 Milliarden Euro (2022)

„Da der Verbrenner wesentlich beschäftigungsintensiver ist als das Elektroauto, wird man in Verbindung mit dem sinkenden Marktvolumen in Europa massive Auswirkungen auf die Beschäftigung in der Zulieferindustrie sehen“, machte der Mahle-Chef im Gespräch mit Welt deutlich. Das gilt auch für den Stuttgarter Autozulieferer selbst. Arnd Franz geht nach eigener Aussage davon aus, auch in Europa in den kommenden Jahren ein stabiles Bild bei der Beschäftigung zu haben. „Aber in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wird viel passieren, an allen Standorten in Europa.“

Mahle wird laut CEO 2035 deutlich weniger Mitarbeiter in Europa beschäftigen

Eine Studie kam zum Ergebnis, dass die Qualifizierung der Mitarbeiter die beste Möglichkeit ist, einem drastischen Stellenabbau in der Autoindustrie entgegenzuwirken. Auch Mahle ist dabei, Standorte entsprechend umzurüsten und Mitarbeiter zu qualifizieren. „Aber ich glaube nicht, dass Mahle seine aktuell rund 30.000 Mitarbeitenden in Europa im Jahr 2035 noch haben wird“, so Franz. „Es werden deutlich weniger sein.“ Eine ähnliche Prognose hatte auch Bosch-Chef Stefan Hartung in Bezug auf die Auswirkungen der Transformation auf die Beschäftigungszahlen gemacht.

Laut dem Mahle-CEO wird der angeschlagene Konzern in Zukunft mehr Umsatz machen, die Wertschöpfungsketten werden sich jedoch so verschieben, dass es Auswirkungen auf die Anzahl der Beschäftigten hat. „Unsere Verantwortung ist es, dass möglichst viele in den neuen Technologien ein berufliches Zuhause finden“, erklärte er. So würde aus der Dieselentwicklung beispielsweise eine für die Entwicklung elektrischer Antriebe werden. „Gleichzeitig werden Beschäftigte qualifiziert für Berufe außerhalb von Mahle.“ Aktuell kämpfen Mahle-Mitarbeiter in Brandenburg um den Standort und um ihre Arbeitsplätze.

Rubriklistenbild: © Wolfram Scheible

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