Wenn es um Frauen in der Arbeitswelt geht, hat Trigema-Chef Wolfgang Grupp offenbar noch erzkonservative Vorstellungen. Statt in „Männerjobs“ sieht er Frauen lieber in traditionell weiblichen Berufen.
Burladingen - Dass er in vielerlei Hinsicht sehr konservativ eingestellt ist, hat Trigema-Chef Wolfgang Grupp schon häufig verdeutlicht. Nun lassen erneut Aussagen von ihm aufhorchen, in denen er ein nicht mehr zeitgemäßes Frauenbild offenbart. Im Podcast Biz & Beyond von RTL befürwortet der Unternehmer eine klassischeRollenverteilung zwischen Mann und Frau – und tätigt Statements, die durchaus irritieren.
Zunächst arbeitet sich Grupp an alleinerziehenden Müttern ab. „Kinder, die auf sich alleine gestellt sind, darf es normal nicht geben“, erklärt er. „Mich wundert ja, dass es heute so viele alleinerziehende Frauen gibt.“ Inzwischen sei das seiner Beobachtung nach „jede zweite“. Die Väter sieht er hier offensichtlich nicht in der Verantwortung – sondern gibt die Schuld alleine den Müttern: „Ich frage mich, was die Frauen alles machen, dass ihre Männer davonlaufen.“
Wolfgang Grupp: „Wenn heute Frauen die Jobs wollen und die Männer sollen den Haushalt machen, dann ist die Welt verkehrt geworden“
Auch, wenn es um die Kindererziehung geht, schlägt Grupp seltsame Töne an. So sei „in der Natur da draußen“ das Muttertier für die Kinder zuständig. „Ich habe noch nie einen Hirsch mit einem Kalb herumlaufen sehen. Nur eine Hirschkuh“, sagt er. Seine Schlussfolgerung: „Die Kinder gehören zur Mutter.“ Sich um Probleme der Sprösslinge zu kümmern, sei nicht die Aufgabe des Mannes. „Wenn meine Kinder früher wegen kleinen Wehwechen zu mir gekommen wären, dann hätte ich mich gefragt: Was ist mit meiner Frau los, warum gehen die nicht zu ihrer Mutter?“
Für den 81-Jährigen steht fest: „Die Männer sind zuständig für das Einkommen, die Mütter sind verantwortlich für die Kinder.“ Früher habe die Familie noch funktioniert. „Aber wenn heute Frauen die Jobs wollen und die Männer sollen den Haushalt machen, dann ist die Welt verkehrt geworden.“ Noch vor 30 Jahren sei es ganz normal gewesen, dass Frauen den Haushalt und die Kinderbetreuung übernommen hätten.
Trigema-Chef über Berufswahl von Frauen und Männern
„Die Frauen wollen heute die Jobs der Männer“, so Grupp. „Aber ich sag‘ mal: Ich will ja auch nicht unbedingt Hebamme werden. Das war immer ein Frauenberuf! Die Frau hat ja ein feineres Gespür, der Mann ist gröber. Die Natur darf man nicht vergewaltigen.“ Während er es für sinnvoll hält, dass Männer in Firmen das Sagen haben, sollen Frauen seiner Ansicht nach Zuhause über das Familienleben bestimmen. Auch seine eigene Frau sage ihm zuhause „wo‘s langgeht“.
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Grupp sieht die Familie als „Basis des Zusammenlebens“. Er fordert, die Familie „wieder in den Mittelpunkt zu bringen“. Harmonie ist ihm wichtig. „Ich selbst bin 36 Jahre verheiratet. Und ich sag‘ mal, man muss Verständnis für seine Frau haben. Man muss zusammenleben. Und für mich wäre es fatal, wenn ich mit meiner Frau irgendeine Auseinandersetzung hätte. Weil das geht dann auch auf die Kinder über.“
Wolfgang Grupp über Frauenquote bei Trigema: „Wäre fatal“
In Anbetracht der obigen Aussagen überrascht es wenig, dass Grupp eine Frauenquote in seinem Unternehmen strikt ablehnt. Zwar gebe es bei Trigema mehr Frauen als Männer in Führungspositionen. Das liege allerdings nicht an einer Quote, sondern an ihrer Leistung. Die 700 Näherinnen, die überwiegend weiblich seien, hätten häufig in ihren Teams auch weibliche Vorgesetzte. „Wenn man mir sagen würde, meine Kinder kommen nur durch die Quote in eine Position, wäre das fatal!“, so Grupp. „Die müssen durch Leistung und das, was sie den anderen zeigen, in die Position kommen, und nicht durch Quote.“