Trotz Rücktritt: Ricarda Lang führt Grüne erneut in die Bundestagswahl

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Ricarda Lang bei der Nominierungsversammlung der Grünen im Kulturwerk in Schwäbisch Gmünd.
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Die ehemalige Parteivorsitzende der Grünen wird erneut zur Spitzenkandidatin der Grünen für den Wahlkreis Backnang – Schwäbisch Gmünd gewählt. Auch ein Gegenkandidat kann Stimmen gewinnen.

Schwäbisch Gmünd. Die Grünen gehen mit Ricarda Lang als Kandidatin im Wahlkreis Backnang – Schwäbisch Gmünd in die nächste Bundestagswahl. Die 30-Jährige ist am Samstag bei der Nominierungsversammlung im Kulturwerk in Gmünd mit großer Mehrheit von 91 Prozent der Mitglieder gewählt worden.

Die Bundestagsabgeordnete bekam 42 der 46 abgegebenen Stimmen. Als Gegenkandidat war der in der Partei weitgehend unbekannte 32-jährige Daniel Engel aus Schwäbisch Gmünd angetreten, auf ihn entfielen drei Stimmen; es gab eine Enthaltung. Der aus Lorch stammende Engel ist erst seit April dieses Jahres Mitglied bei den Grünen.

Zweieinhalb Wochen nach ihrem Rücktritt als Bundesvorsitzende stellt Ricarda Lang bei ihrer Nominierungsrede klar, dass es nur ein Teil-Rückzug war; dass sie erneut für den Bundestag kandidieren will: „Ich stehe voller Überzeugung hier. Ich habe unfassbar viel Kraft und unfassbar viel Zuversicht, um mich für den Wahlkreis einzusetzen.“

Der Gegenkandidat: Daniel Engel aus Schwäbisch Gmünd.

"Habe Politik nie wegen Ämtern gemacht"

Wieso dann der Rücktritt vom Bundesvorsitz? „Ich will erklären, wieso ich das gemacht habe“, sagt Lang. Sie habe nach den jüngsten Wahlniederlagen für ein Video der Partei vor der Kamera gestanden. Und sie habe das in diesem Moment nicht gekonnt: „Etwas zu sagen wie: Alles wird gut, wir müssen nur eins, zwei und drei machen.“

Sie habe Politik nie wegen Ämtern gemacht, sondern um mich einzusetzen, meinen Beitrag zu leisten“, sagt Lang. „Diesmal hatte ich das Gefühl, dass mein Rücktritt der richtige Beitrag in dieser Situation ist.“ Auch mit Blick auf die Bürger: „Wenn der Eindruck entsteht, dass die da oben einfach weitermachen, als ob nichts gewesen wäre, das kostet Vertrauen, dann setzt Entfremdung.“

Mehr Zeit für die Basis

Ricarda Lang will wieder mehr an die Basis, so signalisiert sie den Parteimitgliedern bei der Versammlung: „Wir müssen mit den Menschen im Wahlkreis reden und dafür möchte ich mich engagieren.“ Wie in der Vergangenheit auch: „Wir haben ein Grünes Wohnzimmer in Gmünd eingerichtet, hunderte Bürger-Sprechstunden gemacht, viele Treffen und Termine. Wichtig ist, das Wissen, das es hier vor Ort gibt, mit nach Berlin zu nehmen.“ Nun, nach dem Rücktritt vom Vorsitz, werde sie dafür noch mehr Zeit haben: „Die will ich nutzen.“

Der Klimaschutz bleibt ein zentrales Ziel ihrer Politik, das stellt Lang klar: „Echten Klimaschutz gibt es nur mit uns Grünen.“ Wobei das „eigentlich ein falscher Begriff“ sei. „Dem Klima sind wir Menschen ziemlich egal. Eigentlich reden wir darüber, dass wir unsere Großeltern und unsere Kinder schützen. Am Ende ist Klimaschutz nichts anderes als Menschenschutz.“

Weg mit der Schuldenbremse – und Besteuerung von Vermögen

Um mit Deutschland im internationalen Wettbewerb um moderne, klimafreundliche Technologie zu bestehen, muss investiert werden, so sieht es Ricarda Lang: „Wenn ich so ein Wettrennen führe, ziehe ich die schnellsten Rennschuhe an. Stattdessen tun wir das Gegenteil: mit der Schuldenbremse.“ Die abzuschaffen, „dafür will ich mich einsetzen in der nächsten Legislaturperiode. Das sind wir der nächsten Generation schuldig.“ Zudem müsse vererbtes Vermögen gerechter besteuert werden: „Und dieses Geld investieren wir zu 100 Prozent in unser Bildungssystem. Damit Deutschland ein Land wird, in dem jedes Kind die gleichen Chancen hat.“

Beginnt der Wahlkampf jetzt schon?

Und wann beginnt der Wahlkampf? Ab sofort, angesichts der vielen Konflikte in der Ampel-Koalition? „Wir müssen ab sofort vorbereitet sein“, sagt Ricarda Lang. „Bisher gehe ich vom 28. September 2025 aus.“ Es ist, sofern die Koalition aus SPD, Grünen und FDP nicht vorher zerbricht, der Tag der nächsten Bundestagswahl.

Wobei das nicht bedeute, dass sie erst in den Monaten vor der Wahl Kontakt mit den Menschen suche: "Wir werden immer mit Info-Ständen präsent sein. Wenn man das nur im Wahlkampf macht, dann fühlen sich die Leute nicht ernstgenommen."

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