VonJulian Baumannschließen
SAP hat bereits im vergangenen Jahr den „Focus Friday“ eingeführt, will aber auch darüber hinaus gegen sinnlose Meetings vorgehen.
Walldorf - In der Arbeitswelt ist aktuell einiges im Wandel. Themen wie eine Work-Life-Balance oder die Debatte um die Einführung einer 4-Tage-Woche zeugen davon, dass die Arbeitnehmer Job und Freizeit besser in Einklang bringen wollen. Ein Unternehmen aus Baden-Württemberg hat bereits auf eine 4-Tage-Woche umgestellt, mit positiven Effekten. Neben der Vereinbarung zwischen Job und Privatleben versuchen Unternehmen aber auch, die Arbeitszeit an sich effektiver und für die Mitarbeiter angenehmer zu gestalten. Der Softwarekonzern SAP aus Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis) hat dafür bereits im vergangenen Jahr eine Maßnahme als Pilotprojekt gestartet.
Am Wandel in der Arbeitswelt ist nicht zuletzt auch die Erfahrung aus der Corona-Pandemie beteiligt. SAP-Personalchef Cawa Younosi erklärte, „die Pandemie vermenschlicht die Arbeitswelt“. Doch auch wenn Meetings und Besprechungen zunehmend per Webcam aus den eigenen vier Wänden abgehalten werden, sind beileibe nicht alle auch wirklich sinnvoll. Zudem kosten unnötig angesetzte Besprechungen die Unternehmen unter Umständen viel Geld und führen zum Unmut der Mitarbeiter. SAP hat deshalb bereits im vergangenen Jahr den „Focus Friday“ als Pilotprojekt eingeführt und will die Maßnahme auf den gesamten Konzern ausweiten.
SAP-Personalchef: Sinnlose Meetings sind teuer und machen Mitarbeiter unglücklich
Besprechungen gehören natürlich zum Arbeitsalltag und sind gerade in Unternehmen mit größeren Teams für die Koordination unabdingbar. Doch offenbar gibt es selbst beim größten Softwarehersteller Europas manche Meetings, die nicht zielführend sind und die Teilnehmer nicht auf ein gemeinsames Ergebnis hinarbeiten. Solche unproduktiven Besprechungen seien teuer und würden die Mitarbeiter unglücklich machen, sagte Cawa Younosi dem Handelsblatt. Das hat man bei SAP bereits erkannt und im Mai 2022 den „Focus Friday“ in Deutschland eingeführt. Konkret bedeutet das, dass es an Freitagen keinerlei Besprechungen oder Meetings gibt und den Mitarbeitern somit mehr Freiraum vor den Wochenenden eingeräumt wird.
| Name | SAP (Systems, Applications, and Products in Data Processing) |
|---|---|
| Gründung | 1972 |
| Hauptsitz | Walldorf, Baden-Württemberg |
| Branche | Unternehmenssoftware, ERP-Systeme, Cloud Computing |
| Gründer | Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira |
| Leitung | Christian Klein (CEO) |
| Mitarbeiter | 111.961 (2022) |
| Umsatz | 30,9 Milliarden Euro (2022) |
„Wir haben vergangenes Jahr unsere Meetingkultur hinterfragt und überarbeitet, da unsere Belegschaft uns zurückgemeldet hat, sich häufig überwältigt, überfordert und übermüdet von den vielen virtuellen Meetings zu fühlen“, führte der SAP-Personalchef für Deutschland aus. Auch über den „Focus Friday“ hinaus, will der Softwarekonzern aus Baden-Württemberg gegen sinnlose Meetings vorgehen und hat bereits die Standardzeit für Besprechungen von ehemals einer Stunde auf 50 beziehungsweise von einer halben Stunde auf 25 Minuten verkürzt. Zudem sollen künftig nur noch diejenigen Mitarbeiter an einem bestimmten Meeting teilnehmen, die auch etwas zum Thema beitragen können.
Meetingkultur in der Arbeitswelt: Wichtig ist nur, wer viele Termine im Kalender hat
Um zu gewährleisten, dass nur Mitarbeiter an Meetings teilnehmen, die auch auf das Thema vorbereitet sind, empfiehlt der SAP-Personalchef „das Teilen von Informationen im Vorfeld“. Dass es überhaupt noch solche Besprechungen gibt, die nicht zielführend sind und bei denen viele Teilnehmer anwesend sind, die nichts beitragen können, führt Cawa Younosi laut dem Handelsblatt auf eine problematische Annahme zurück. Demnach würden viele Mitarbeiter glauben, sie seien nicht wichtig, wenn ihre Kalender nicht voller Termine seien.
Zudem würden auch unklare Zuständigkeiten und nicht festgelegte Ziele zu sinnlosen Besprechungen führen. „In einer wertschätzenden und transparenten Arbeitskultur hat all das meiner Meinung nach nichts verloren“, so der SAP-Personalchef. Neben dem „Focus Friday“, der auch auf die Standorte von SAP im Ausland ausgeweitet werden soll, bietet der Konzern aus Walldorf den Mitarbeitern noch weitere Benefits. Das Unternehmen zahlt Millionen für den Arbeitsweg der Mitarbeiter, egal ob sie mit dem Auto, mit dem Zug oder mit dem Rad zur Arbeit kommen. Zudem können sich auch die Gehälter bei SAP mehr als sehen lassen.
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