VonGerhard Königerschließen
Der Vorstoß der Kreisratsfraktion der Grünen versetzt die Kindermediziner in Aufruhr. Und wieder droht dem östlichen Teil des Landkreises das Nachsehen.
Ellwangen . Die Kinderärztin Dr. Margit Krombholz bringt ihr Anliegen mit einem Satz auf den Punkt: „Ich übe meinen Beruf gerne aus, er ist mein Herzblut. Aber ich brauche dafür eine Kinderklinik.“
Aktuell gibt es noch zwei im Ostalbkreis: die Kinderklinik in Aalen und die in Mutlangen. Aus Kostengründen und aus Personalnot schlagen die Grünen im Kreisrat vor, beide Abteilungen zu einer zu verschmelzen, wo ist offen. Entschieden werden solle am 26. Februar im Klinikausschuss.
Ende Februar soll die Entscheidung zum Standort des neuen Regionalversorgers im Ostalbkreis fallen. Dass an diesem Regionalversorger langfristig auch eine große Kinderklinik sein wird, ist für die niedergelassenen Ärzte vernünftig. Sie fürchten aber die Reduzierung der Versorgung interimsweise bis die neue große Klinik arbeitet.
Pädiatrie und Geburtshilfe sind nach Ansicht von Margit Krombholz in Verbindung zu betrachten. Derzeit 1700 Geburten pro Jahr in Mutlangen und 1900 in Aalen seien ohne Kinderklinik vor Ort undenkbar.
Kinderklinik-Standort: "Super-Gau" für den Osten
Eine ganz spezielle Situation ergebe sich für den östlichen Teil des Landkreises. Mutlangen als Standort wäre für Margit Krombholz „der Super-Gau“ und das begründet sie so:
Schon jetzt ist der Osten des Landkreises in Sachen Pädiatrie unterversorgt, weil es in Ellwangen zwar eine Entbindungsabteilung, aber keine Kinderklinik gibt. In Dinkelsbühl wurde die Entbindungsstation geschlossen, weshalb viele Frauen zur Entbindung und zum Kinderarzt in den Ostalbkreis kommen. Mit einem kranken Kind bis nach Mutlangen zu fahren, hält Dr. Krombholz für eine Zumutung.
Die Kinderärztin hält die vorgeschlagene Zusammenlegung der beiden Kinderkliniken auch im Grundsatz für falsch, weil das zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Pädiatrie im Ostalbkreis führen würde.
„Die Bettenkapazität würde reduziert, die Personalausstattung auch. Im Winter, wenn die Zahl der zu behandelnden Kinder regelmäßig hochschnellt, würde es für die betroffenen Eltern noch schwieriger, ein freies Klinikbett zu finden.“
Dass der Sparvorschlag der Grünen ausgerechnet auf die Kinderkliniken zielt, versteht Margit Krombholz nur zu gut: „Weil Kinder keine Lobby haben und sich nicht wehren können. Und weil man mit der Pädiatrie kein Geld verdient.“ In der Kinderheilkunde gebe es nur selten Operationen, die von den Krankenkassen üppig bezahlt werden. Häufig kämen Kinder wegen Infekten in die Klinik. Dafür an sieben Tagen die Woche Spezialisten, Ärzte, Pflegepersonal vorzuhalten koste Geld. „Die Pädiatrie war schon immer ein Zuschussbetrieb, an dem man nicht sparen kann, ohne die Qualität zu beeinträchtigen. Die öffentliche Hand sollte sich überlegen, ob man nicht eine alternative Finanzierung schaffen kann, etwa die Zuckersteuer, die gezielt für Kinderkliniken eingesetzt wird.“
Der Personalnot mit einer Verkleinerung der Bettenzahl in der Pädiatrie zu begegnen, sei eine Milchmädchenrechnung. Seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung wurde ein Pflichtprogramm von 120 Stunden in der Kinderabteilung für alle Krankenpflege-Azubis eingeführt. „Der pädiatrische Pflichteinsatz könnte zum Flaschenhals der gesamten Krankenpflegeausbildung im Ostalbkreis werden, warnen die niedergelassenen Kinderärzte in einem offenen Brief an Landrat Dr. Joachim Bläse.
Dr. Margit Krombholz hat einen ganz anderen Vorschlag: die vakante Stelle eines Chefarztes der Pädiatrie besetzen und die vor Jahren noch üblichen Kolloquien und Fortbildungen in der Kinderheilkunde wieder aufnehmen. Durch würde die Kinderklinik wieder interessanter für Ärzte und Pflegekräfte.
Nahezu alle niedergelassenen Kinderärzte und -ärztinnen haben den Aufruf an den Landrat unterzeichnet, in dem er aufgefordert wird, von einer vorzeitigen Zusammenlegung der Kinderkliniken Aalen und Mutlangen egal an welchem Standort abzusehen. Parallel läuft eine Unterschriftenaktion an Praxen und Kindergärten.
Stellungnahme des Landrats
„Es ist richtig, dass uns dieser Antrag aus den Haushaltsplanberatungen auf Fusionierung der beiden Kinderkliniken vorliegt. Nicht richtig sind allerdings Mutmaßungen, dass über diesen Antrag bereits im Februar im Verwaltungsrat der Kliniken Ostalb beraten werden soll“, macht der Landrat deutlich. Es werde derzeit im Rahmen der Erarbeitung eines gesamthaften Medizinkonzepts für die Kliniken Ostalb geprüft, welche Optionen es für die klinische Versorgung von Kindern gibt. „Vor dem Einstieg in die politische Beratung werden wir selbstverständlich auch die Sprecher der niedergelassenen Kinderärzte über den Vorstand der Kliniken Ostalb in die Diskussion einbeziehen. Sie dürfen sicher sein, dass wir alle Bedenken und Anregungen sorgfältig abwägen und in die politische Diskussion einbringen. Unser gemeinsames Ziel ist schließlich die bestmögliche medizinische Versorgung aller Patienten, auch der Kleinsten“, so Bläse. Eine Entscheidung soll vom Kreistag voraussichtlich im ersten Halbjahr getroffen werden.
