Was hinter den Kunstwerken in Straßdorf steckt

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Informationen zu den Skulpturen der "Wege zur Kunst": Werner Nussbaum empfängt die Gäste vor dem Werk von Jakob Wilhelm Fehrle. Foto: hoj
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Beim Rundgang durch die Wege zur Kunst erfahren Interessierte Insiderwissen.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf. Künstler Andreas Futter ist überrascht, freut sich an diesem fast noch sommerlauen Abend über das große Interesse an den Wegen zur Kunst in Straßdorf. Vielleicht 50 Interessierte schätzen das Angebot, mehr über die Skulpturen zu erfahren. Diesmal ist der westliche Teil des Kunstpfades an der Reihe, dort empfängt nicht nur Ortsvorsteher Werner Nussbaum die Gäste: Thomas Schmid vom Musikverein Straßdorf schickt seine Drehorgel-Klänge in den Abendhimmel, lässt keine Zweifel daran, dass Besonderes auf die Anwesenden wartet.

Künster schafft Werke fast erblindet

Dieses Besondere beginnt mit der klassischen Version einer Skulptur. Gleich zu Beginn der Tour steht „Das Mädchen“, 1952 von Jakob Wilhelm Fehrle geschaffen. Tochter Cornelia Fehrle-Choms gibt einen kurzen Einblick in das Leben des Künstlers, seine Zeit in Rom oder Paris, den Einschnitt durch den Ersten Weltkrieg, das Schaffen im eigenen Atelier in Schwäbisch Gmünd. Wege-zur-Kunst-Initiator Wolfgang Hämmerle führt die Gruppe weiter zum Kunstwerk von Rolf Haug. „Ein besonderer Künstler“, sagt er, weil Rolf Haug fast erblindet schafft, weil er sein Werk nie an die große Glocke hängen will. Zeitlebens verzichtet er auf eine Ausstellung. Erst nach seinem Tod 2001 kommt es 2005 zu einer Präsentation seiner Werke im Prediger. 2006 erhalten die Wege zur Kunst die „Stele“ von Rolf Haug als Schenkung aus seinem Nachlass. Das Original steht heute nicht mehr an seinem Platz. Trotz der weiträumigen Örtlichkeit sind die Skulpturen nicht ganz ungefährdet. Die „Stele“ wird einmal von einem Baufahrzeug umgefahren, durch das erneute Engagement der Familie kommt ein stabiler Abguss an den heutigen Standort.

Traktor touchiert Hirtin

Unweit davon steht „Die Hirtin“ von Professor Fritz Nuss, auch dieses Kunstwerk am Rand einer landwirtschaftlichen Fläche muss in der Vergangenheit repariert werden. Ein Traktor hat wohl den Stab der Hirtin touchiert. Die Besucher erfahren, weshalb die Skulpturen von Jakob Wilhelm Fehrle, Fritz Nuss, und Rolf Haug gerade dort stehen. Es sind Standorte in der Nähe des ehemaligen Wohnhauses und Ateliers von Paul Mahringer. Diese Bildhauergeneration wie Mahringer sind eng mit der Staatlichen Höheren Fachschule, der heutigen Hochschule für Gestaltung, verbunden. „So entsteht im Gewann Käppelesäcker am nordwestlichen Rand von Straßdorf ein eigener und besonderer kunsthistorischer Akzent“, sagt Wolfgang Hämmerle.

Eine Portion Ironie

Einer ganz anderen Künstlergeneration gehört Andreas Futter an, dessen „Weitblick“ den Weg zurück zum Ort markiert. Die mehr als drei Meter hohe Skulptur bietet formale Reize, vor allem aber verpackt sie eine Portion Ironie. So werden Kunstfreunde zunächst mit teleskopartigen Beinen eines Pferdes konfrontiert. Weit oben sitzt der König, blickt in die Landschaft. Abgehoben ist er, auf hohem Ross und mit geringem Bodenkontakt. In der Entstehungsphase beschäftigt sich der Künstler mit Reiterstandbildern der Geschichte. Die Bedeutung dieser Herrscher hoch oben auf dem Pferd relativiert Andreas Futter: „Schließlich sind wir alle wichtig und jeder trägt eine imaginäre Krone auf dem Kopf.“ 

Neu: "Teamwork"

Zum Abschluss treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Areal der Limes-Steuerberatung. Auch dort wartet seit Kurzem ein Andreas-Futter-Werk. „Teamwork“ nennt es sich und steht für die drei Geschäftsführer des angrenzenden Unternehmens. Drei Herren aus Bronze, die sich in abenteuerlicher Manier aufeinander festhalten. Sie stehen für eine „Metapher des menschlichen Miteinanders und Handelns“, wie der Künstler es ausdrückt. 

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