- VonDaniel Hagenschließen
Ab dem 1. Januar 2026 tritt die Wehrpflicht in Kraft. Wer zum Jahrgang 2008 gehört, muss zur Musterung. Wie viele Leute aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz betroffen sein könnten.
Nach monatelangem Hin und Her hat der Bundestag am Freitag (5. Dezember) für die Einführung eines neuen Wehrdienstes gestimmt. Demnach sollen Männer und Frauen des Geburtsjahres 2008 bald wieder zur Musterung erscheinen. Anschließend könnte es dann zum Grundwehrdienst gehen. Das Gesetz steht stark in der Kritik, bundesweit gingen daher Kinder und Jugendliche auf die Straße. Auch in Heidelberg fand ein „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ statt, berichtet SÜDWEST24.
Ab dem 1. Januar 2026 müssen sich Volljährige – ganz wie früher – zur Musterung begeben. Die dafür benötigten Kreiswehrersatzämter gibt es jedoch nicht mehr. Daher müssen sich Bund, Bundeswehr und die Kommunen wieder auf die Wehrpflicht vorbereiten, dabei sind noch viele Fragen offen. Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stehen dann bald wieder zahlreiche 18-Jährige auf dem Kasernenhof. Nur ein Veto des Bundesrates am 19. Dezember könnte das Gesetz noch verhindern.
So funktioniert die neue Wehrpflicht in Deutschland
Wer im Jahr 2008 geboren wurde, wird daher in Zukunft ein besonderes Geschenk zum 18. Geburtstag erhalten: einen Brief von der Bundeswehr. In diesem befindet sich dann der Zugang zu einem Online-Fragebogen, der ausgefüllt werden muss. Das gilt jedoch nur für Männer. Frauen und „Personen eines anderen Geschlechts“ haben die Wahl, ob sie einen solchen Bogen freiwillig ausfüllen wollen. Sobald das System zur Musterung wieder komplett steht, soll dann erst der gesamte Jahrgang untersucht werden, bevor der Nächste folgt.
Anschließend werden die Fragen ausgewertet und man muss zur Musterung erscheinen. Die Ergebnisse sorgen dafür, ob man zum Bund darf. Natürlich ist aber auch ein Dienst im zivilen und sozialen Bereich eine Alternative. Hierzu zählen zum Beispiel der Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr - quasi der neue Zivildienst. Auch diese können die jungen Männer und Frauen in dem Befragungsbogen ankreuzen. Auch in Heidelberg werden gerade volljährige zur Musterung gerufen.
So viele potentielle neue Soldaten leben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
Wie viele junge Männer und Frauen am Ende zum neuen Wehrdienst gehen, wird sich noch zeigen. Doch wie viele potenzielle neue Soldatinnen und Soldaten finden sich eigentlich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz? Dazu gehören theoretisch alle, die im Jahr 2008 geboren wurden. Sieht man sich die Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Zensus 2022 an, kann man sich ein ungefähres Bild machen.
| Bereich | Gesamt (Jahrgang 2008) | Männer | Frauen |
| Deutschland | 792.341 | 410.051 | 382.290 |
| Baden-Württemberg | 108.631 | 55.988 | 52.643 |
| Rheinland-Pfalz | 38.875 | 20.197 | 18.678 |
Insgesamt müssten alleine im Südwesten also rund 76.000 Männer zu Musterung erscheinen. Hinzu kommen theoretisch etwa 71.000 Frauen. Natürlich ist klar, dass diese Zahlen nicht erreicht werden. Trotzdem stellt sich die Frage, wo und wann die Musterungen stattfinden werden. Denn die alten Kreiswehrersatzämter existieren nicht mehr. Das alte Personal ist zudem weitergezogen. Klare Antworten gibt es darauf noch nicht. So viele Rekruten könnten übrigens aus Ludwigshafen kommen.
Neue Musterungszentren sollen in ganz Deutschland entstehen
„Der Staat muss in einem Verteidigungsfall, den wir unbedingt verhindern wollen, wissen, wer einsatzbereit ist. Voraussetzung dafür ist die verpflichtende Musterung für Männer, die wir ab Mitte 2027 einführen werden“, betonte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Wie zu erwarten war, wird für die Einrichtung neuer Strukturen im ganzen Land etwas Zeit vergehen - auch, wenn die neue Wehrpflicht schon ab Anfang 2026 losgehen soll. So viele junge Männer sind in Mannheim davon betroffen.
Laut einer Meldung des Bundesverteidigungsministeriums werden die erforderlichen Kapazitäten allerdings erst Mitte 2027 erwartet. Dann soll es deutschlandweit 24 Musterungszentren geben. Wo diese entstehen, ist noch nicht genau geklärt. Daher könne man derzeit auch keine Auskünfte über die regionale Gestaltung geben. Wie viele junge Männer in Freiburg zur Musterung müssen. (dh)
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