Podcast: Ein Glas mit Lars - Staffel 3, Folge 14

Zeltlager Zimmerbergmühle feiert 75-jähriges Jubiläum - der langjährige Leiter Bernhard Ritter, alias Lupo, verrät spannende Geschichten

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Bernhard Ritter hält eine gebastelte Lupo-Maske in der Hand. 43 Jahre lang leitete er das Zeltlager "Zimmerbergmühle". Dort bekam er auch den Spitznamen Lupo.
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Wie lange Bernhard Ritter das traditionsreiche Zeltlager geleitet hat und welche Aufgabe er im Ruhestand dort noch hat.

Aalen. Das Zeltlager Zimmerbergmühle nennt er „meine Droge“. Dabei war Bernhard Ritter nie ein „Lagerkind“, wie er die Kinder des Zeltlagers nennt. Dafür war er, mit einer kurzen Pause, 43 Jahre Leiter des so genannten Abschnitts 1, also des ersten Abschnitts der Sommerferien.

Wenn in diesem Jahr am 28. Juli 2023 die Acht- bis 13-Jährigen zum Zelten zusammenkommen, kann diese Tradition auf eine 75-jährige Geschichte zurückblicken. Tradition darf wörtlich genommen. Bis auf den Zeltplatz hat sich wenig geändert. Smartphones gibt es während des Zeltlagers nicht. Die Nachtruhe ist um 22 Uhr. Lagerfeuer gibt es seit 75 Jahren, und auch das gemeinsame Singen bei Gitarrenmusik wich in all den Jahren keiner Bluetooth-Box. Die Rolle von Bernhard „Lupo“ Ritter ist aber inzwischen eine andere. Insgesamt 43 Jahre (!) lang leitete der umtriebige Ritter das Zeltlager. „Heute helfe ich noch in der Küche beim Spülen“, sagt er in der Podcastreihe „Ein Glas mit Lars“.

Kurt Früh weckte die Begeisterung

Selbst ein Lagerkind war Ritter nie. Er kam erst 1961 nach Aalen, wurde aber unter die väterlichen Fittiche des legendären Kurt Früh genommen. Die Idee eines Zeltlagers für Knaben hatte der damalige Stadtjugendpfleger Früh im Jahre 1948. Ihm und einem amerikanischen Major ist die Freiluft-Erfolgsgeschichte zu verdanken. Das anfängliche „Jungenlager für 30 Teilnehmer“ sollte die Jungs „von der Straße holen“. Sowohl Früh als auch dem Major fiel in den frühen Nachkriegsjahren eine „zunehmende Verwahrlosung“ bei den Knaben auf, zudem waren die Jungs oft vom Hunger gezeichnet, in den dreiwöchigem Zeltlager sollten die Burschen „ordentlich und mit viel Essen“ aufgepäppelt werden. Die gute und gesunde Küche ist noch heute eine Konstante der Zimmerbergmühle.

Früh weckt in Ritter die Lust aufs Zeltlager. Zehn Jahre verbringt er seine Sommerferien als Betreuer. „Ich habe vom Zeltlager unheimlich viel für meinen Beruf gelernt“, sagt Ritter. Er war Lehrer. Als Früh den Stab übergeben wollte, bat er Ritter: „Du musst das Zeltlager weiterführen; und ich wollte meinem väterlichen Freund nicht widersprechen“, sagt Ritter. 1980 übernahm er das Kommando.

Plötzlich hieß er Lupo

Fortan trug er 43 Sommer lang (mit einer Unterbrechung) die Verantwortung für 200 Jungen und Mädchen. Was bei einigen Eltern Stress auslösen dürfte, sorgte bei Ritter für Entspannung. „Ich konnte ja vollkommen anders mit den Kindern umgehen, als in der Schule“, sagt er. Die schätzten es, dass sie Lehrer Ritter plötzlich „Lupo“ nennen durften. Den Spitznamen bekam er im Zeltlager. Lupo ist eine pfiffige Comicfigur aus der Fix-und-Foxi-Reihe.

17 Tage am Waldrand, ohne Fernsehen, Streamingdienst und Handy. „Herrlich“, sagt Ritter. Und den Kindern bekommt es auch ganz gut. Heute gibt es sogar einen Begriff für eine digitale Entgiftung: „Digital Detox“ heißt das. Zumindest die Zeltlagerkinder sind schnell entgiftet und genießen Wald und Gemeinschaft.

Seit 2017 wirkt Ritter nun in der Küche. Eine Arbeitsgruppe leitet er aber auch noch. In der Mittagspause setzt sich Lupo auf sein Bänkle, das ihm zu Ehren gespendet wurde und erzählt Geschichten von der Zimmerbergmühle. Eine Geschichte in diesem Jahr könnte sein, dass das Zeltlager und Ritter im selben Jahr 75 Jahre alt werden. Eine zweite Geschichte könnte sein, warum ausgerechnet Ritter den Spitznamen Lupo trägt. Die Kinder werden es bald wissen. Wer Älter als 13 Jahre ist, muss den Podcast „Ein Glas mit Lars“ hören.

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