VonJulian Baumannschließen
Der zweitgrößte deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat eine neue Personalchefin berufen. Die 34-Jährige tritt das Amt in einer turbulenten Zeit an.
Friedrichshafen - Die Transformation zur E-Mobilität stellt sogar die größten Unternehmen Baden-Württembergs vor nie gekannte Herausforderungen. Wie ernst die Lage bereits ist, zeigt ein Bündnis der drei größten Zulieferer im Südwesten. Bosch, ZF und Mahle flehen um Staatshilfen, da der Wandel nicht aus eigener Kraft zu bewältigen ist und sowohl von Regierungsseite als auch von EU-Seite vorrangig strukturschwächere Regionen unterstützt werden. Befürchtet wird durch die hohen Kosten der Transformation und dem Gewinnrückgang durch die anhaltenden weltwirtschaftlichen Krisen, dass die großen Zulieferer auch massiv Personal abbauen werden.
Bei der ZF Friedrichshafen droht laut dem Betriebsrat in den kommenden Jahren ein radikaler Kahlschlag, rund 9.000 Stellen sollen allein in Deutschland auf dem Spiel stehen. In dieser turbulenten Zeit wechselt der zweitgrößte schwäbische, und inzwischen auch deutsche, Autozulieferer die Personalvorständin aus. Wie der Stiftungskonzern vom Bodensee in einer Pressemitteilung erklärt, wird Lea Corzilius den Posten ab 1. August 2023 bekleiden, da die jetzige ZF-Personalchefin Sabine Jakula das Unternehmen bereits Ende Juli auf eigenen Wunsch verlässt.
ZF Friedrichshafen: Neue Personalchefin übernimmt Posten in turbulenten Zeiten
Für die mit 34 Jahren, dem Handelsblatt zufolge, jüngsten Vorständin eines deutschen Großunternehmens, gibt es viel zu tun. Die ZF befindet sich in der größten Umbauphase der Firmengeschichte und muss aufgrund von Zukäufen bis 2027 fast zehn Milliarden Euro tilgen. Die neue Personalchefin des Traditionskonzerns übernimmt den Posten demnach in einer mehr als turbulenten Zeit, ZF-Aufsichtsratschef Heinrich Hiesinger ist von der Kompetenz von Lea Conzilius allerdings überzeugt. „Sie kennt die Zulieferindustrie und ihre aktuellen Herausforderungen bestens und kann daher ohne Anlaufzeit das Vorstandsteam um Dr. Holger Klein ergänzen und eigene Impulse setzen“, erklärt er.
Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin Conzilius war zuletzt beim Autozulieferer Hella tätig und bekleidete seit 2020 die Position der Geschäftsführerin Personal und Arbeitsdirektorin und verantwortete zudem seit Februar 2022 das Geschäftsfeld Lifecycle Solutions, das die Aktivitäten des Aftermarkts sowie des Special Original Equipments bündelt. „Dr. Lea Corzilius hat ausgewiesene Expertise in der Zulieferbranche und ist mit den HR-Themen bestens vertraut“, sagte Andreas Brand, Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen als Vertreter der Zeppelin-Stiftung, die 93,8 Prozent der Anteile an der ZF hält. „Mit ihr werden wir den Weg der Transformation fortsetzen und dabei die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets im Auge behalten.“
Zwischen Konzern und Stadt: Besitzverhältnis der ZF macht Mission besonders heikel
Dass der Bürgermeister in der Transformation des Großkonzerns die Interessen der Mitarbeiter im Blick hat, verwundert wenig. Als Politiker ist er schließlich auf die Gunst der Bevölkerung angewiesen und die ZF ist mit Abstand der größte Arbeitgeber der Region. Heikel macht die Sache jedoch der Umstand, dass hinter dem Autozulieferer nicht wie etwa bei Mercedes-Benz eine Aktionärsstruktur oder wie bei Bosch eine Familie, sondern letztendlich die Stadt Friedrichshafen steht. Das dürfte es der neuen Personalchefin schwieriger machen, notwendige Einsparungen im Personalbereich zu rechtfertigen.
Die ZF Friedrichshafen hat sich jahrzehntelang auf die Produktion von Komponenten für den Verbrennungsmotor konzentriert, setzt inzwischen aber auf E-Mobilität und Fahrzeugsoftware. Dass eine so umfassende und auch kostenintensive Transformation nicht ohne Einsparungen auskommen wird, ist verständlich. Auch bei Bosch geht derzeit die Sorge um einen drastischen Stellenabbau um und Mahle-Chef Arnd Franz hatte erklärt, dass nicht alle deutschen Standorte die Transformation überstehen werden. Bosch und die ZF stehen aktuell zudem auch deshalb in der Kritik, da die Großkonzerne die Ansiedlung von Zukunftstechnologien - und damit auch von Arbeitsplätzen - zunehmend ins europäische Ausland verlagern.
Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen & Felix Kästle/dpa (Fotomontage: BW24).

