VonJulian Baumannschließen
Ein Klimaforscher kritisiert Autobauer Mercedes-Benz, da der Konzern vorrangig auf große Modelle setzt. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann hatte diesbezüglich bereits Kritik geäußert.
Stuttgart - Seit Autokonzern Mercedes-Benz im Mai 2022 die erweitere Luxus-Strategie verkündet hat und sich seitdem auf große und vor allem auch teure Limousinen und SUVs spezialisiert, gibt es von verschiedenen Seiten Kritik an der Ausrichtung. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte kritisiert, dass Mercedes „nur noch Autos für Scheichs und die Reichen“ produziere. Im BW24-Interview hatte dagegen Mercedes-Strategiechefin Carolin Strauß im vergangenen Jahr auf die Kritik angesprochen erklärt, dass die Luxus-Strategie keine Nischenstrategie darstelle.
Da sich der älteste Autohersteller der Welt inzwischen deutlich auf die E-Mobilität konzentriert, setzt der Konzern auch bei den elektrischen Modellen eher auf große Fahrzeuge wie dem zuletzt veröffentlichten EQE SUV. In einem Doppelinterview mit Winfried Hermann in den Stuttgarter Nachrichten kritisierte Klimaforscher Mojib Latif Mercedes-Benz erneut aufgrund des Fokus auf große und schwere Fahrzeuge und nannte diese Ausrichtung ein schlechtes Signal vom großen Autokonzern aus Baden-Württemberg.
Mercedes-Benz baut keine kleinen Autos – Klimaforscher hält das für ein schlechtes Signal
Im Zuge der Transformation zur E-Mobilität wird oftmals kritisiert, dass die Hersteller weltweit nicht wirklich günstige E-Autos anbieten. Auch Platzhirsch Tesla hat trotz Versprechungen noch kein solches Modell auf den Markt gebracht, jüngst aber angekündigt, ein solches in Grünheide produzieren lassen zu wollen. Bei der elektrischen Baureihe Mercedes-EQ ist das kleinste Modell der EQA, der in der aktuellen Basisversion stolze 50.000 Euro kostet. „Mercedes produziert kein einziges kleines Auto“, kritisierte Klimaforscher Mojib Latif im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten. „Das sind schlechte Signale, die da aus Baden-Württemberg kommen. Haben Sie da keinen Einfluss?“
| Name | Mercedes-Benz Group AG |
|---|---|
| Gründung | 17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück) |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilindustrie, Finanzdienstleistungen |
| Produkte | Premium-Automodelle, Vans, Finanzdienstleistungen |
| Leitung | Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiter | 171.382 (2022) |
| Umsatz | 150 Milliarden Euro (2022) |
Der angesprochene Verkehrsminister Winfried Hermann entgegnete zum einen, dass er diesen Kritikpunkt bereits mehrfach angebracht habe und es zudem bei den anderen großen Autoherstellern – VW, BMW und Audi – ebenso sei. „Ich habe mir vor Kurzem ein Elektroauto gekauft, weil ich berufsbedingt viel zwischen Kiel und Hamburg hin- und herfahre“, berichtete daraufhin Latif. „Beim Kauf des Elektroautos habe ich mich gefragt: Wer soll sich das leisten können, wenn man nicht Uniprofessor ist?“ Man würde in Deutschland den Umstieg auf E-Autos forcieren, es den Menschen aber nicht leicht machen.
Klimaforscher befürchtet, dass sich deutsche Hersteller durch Ausrichtung abhängen lassen
Dass es bisher kaum kleine und günstige E-Autos gibt, wird seit langem kritisiert. Der ADAC nannte die E-Auto-Modelle beispielsweise „Nischenprodukte für Gutverdiener“. Auf der anderen Seite zeugt zum einen der Umstand, dass sowohl Mercedes-Benz als auch Dauerkonkurrent BMW den E-Auto-Absatz deutlich erhöhen konnten und zum anderen, dass VW die Produktion der kleineren ID-Modelle in Zwickau massiv drosseln musste, dass auch die Nachfrage eher auf große und kostspielige Fahrzeuge abzielt. Für große Teile der Bevölkerung ist ein E-Auto mit den aktuellen Preisen aber wohl eher nicht erschwinglich.
Klimaforscher Mojib Latif sieht in dem Mangel an kleinen E-Autos der deutschen Hersteller sogar die Gefahr, von Konkurrenten abgehängt zu werden. „Die Deutschen bauen vorwiegend große Elektroautos, die sich die meisten nicht leisten können, also machen jetzt andere dieses Geschäft“, sagte er. Mercedes-Benz wird allein durch die Luxus-Ausrichtung wohl auch in Zukunft keine kleinen und preiswerten E-Autos herstellen, hat jedoch auf der diesjährigen IAA in München ein elektrisches Einstiegsmodell vorgestellt. Extrembeispiele für kleine E-Autos sind dagegen die Microlinos, die jedoch das Netz spalten.
Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG Communications

