Heller oder Dunkler?

Maschinenbauer aus Baden-Württemberg kämpft um seine Zukunft – Transformation lange ignoriert

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Die Maschinen von Heller sind für die Autoindustrie noch unverzichtbar. Die Transformation hat das Familienunternehmen aber lange ignoriert.

Stuttgart/Nürtingen - Die Transformation der Autoindustrie ist selbst für die größten Unternehmen eine nicht unerhebliche Herausforderung. Während die Autohersteller Mercedes-Benz und Porsche ihren Fuhrpark nach und nach auf E-Auto-Modelle umrüsten, stehen gerade die Zulieferer vor größeren Problemen. Deshalb haben die Betriebsräte von Bosch, ZF und Mahle bereits in Berlin um Staatshilfen gebeten.

Der Maschinenbauer Heller mit Stammsitz in Nürtingen bei Stuttgart produziert CNC-Werkzeugmaschinen und Fertigungssysteme, ohne die auch die mächtige schwäbische Autoindustrie nicht auskommt. Dadurch ist das Familienunternehmen aber von der Autoindustrie abhängig und hat die Transformation lange schlicht ignoriert. Ein Interims-CEO soll den schwäbischen Hidden-Champion in die Zukunft führen, doch die Belegschaft ist laut dem Betriebsratschef skeptisch.

Maschinenbauer Heller: Interims-CEO soll Traditionsunternehmen in die Zukunft führen

Der bereits in vierter Generation geführte Maschinenbauer Heller gehört zwar nicht zu den größten Familienunternehmen in Baden-Württemberg, ist in der Autowelt aber für seine hochwertige Technologie und Zuverlässigkeit bekannt. Wie das Manager Magazin berichtet, hat das Unternehmen den beginnenden Wandel zur E-Mobilität aber lange ignoriert und auch die Corona-Pandemie setzte Heller ordentlich zu. Im Krisenjahr 2020 hatte der Maschinenbauer 27 Millionen Euro Verlust zu verkraften, obwohl die Mitarbeiter freiwillig auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet hatten.

Name HELLER Gruppe (Heller Holding SE & Co, KGaA
Gründung 1894
Hauptsitz Nürtingen, Baden-Württemberg
Branche Werkzeugmaschinenbau
Leitung Thorsten Schmidt (CEO)
Mitarbeiter 2.600 (2022)
Umsatz 435 Millionen Euro (2022)

Nach der Corona-Pandemie ging es für die Wirtschaft bekanntlich nicht wieder bergauf, da die Energiekrise durch den Ukraine-Krieg nahtlos anknüpfte. Dadurch, dass sich Weltkonzern Mercedes-Benz – einer der wichtigsten Kunden von Heller – und andere Unternehmen der Autoindustrie zunehmend auf die E-Mobilität fokussieren, werden die hochpräzisen Maschinen des Traditionsunternehmens aus Nürtingen wohl nicht mehr allzu lange benötigt. Interims-CEO Thorsten Schmidt soll deshalb Märkte außerhalb der Automobilbranche erschließen und Heller in die Zukunft führen.

So skeptisch die Heller-Geschäftsleitung ursprünglich gegenüber der aufkommenden E-Mobilität war, ist die Belegschaft des Maschinenbauers offenbar auch in Bezug auf den neuen CEO. „Der größte Teil der Belegschaft war und ist skeptisch“, sagte Betriebsratschef Stefan Haag dem Manager Magazin. „Alle dachten, wir seien auf einem guten Weg. Und dann das.“ Grund für die Skepsis ist offenbar der für das Traditionsunternehmen ungewöhnliche Führungsstil von Schmidt, der bereits einiges über den Haufen geworfen hat.

Heller-Betriebsratschef kündigt im Falle eines drohenden Stellenabbaus Widerstand an

Damit, dass beim schwäbischen Maschinenbauer Prozesse optimiert und verschlankt werden, geht der Aufsichtsratschef nach eigenen Angaben mit – zumindest wenn dieser Prozess nicht zulasten der Arbeitsplätze geht. Heller habe bereits jetzt rund 300 Mitarbeiter weniger als vor der Krise, aktuell sieht Haag die Stellen aber nicht in Gefahr. Sollte Schmidt aber weiteres Personal abbauen wollen, „werden wir kämpfen, mit allem, was wir haben“, erklärte er.

Der Maschinenbauer Heller aus Nürtingen hat die Transformation lange ignoriert, rüstet sich jetzt aber für die Zukunft.

Aktuell wird das Geschäft von Heller nach wie vor von der Autoindustrie getragen, da die Hersteller derzeit ihre finalen Verbrenner-Modelle präsentieren. Auf lange Sicht will Schmid den Maschinenbauer aber breiter aufstellen, weswegen das Unternehmen laut dem Manager Magazin noch im laufenden Monat eine neue Maschine präsentieren will, die Getriebe für Windräder ebenso schnell und präzise fräsen können soll, wie Flugzeugturbinen, Pumpen für Pipelines und auch Motorblöcke für Autos. Zudem will der Interims-CEO auch im immer wichtiger werdenden asiatischen Markt weiter wachsen.

Rubriklistenbild: © Heller

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