Zum Geburtstag

100 Jahre und topfit – dank Bridge

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Das Spiel ihres Lebens: Susanne Konrad aus Bichl mit ihren Bridge-Karten. Das Spiel erfordert höchste Konzentration und lässt sie alles vergessen, was sie belastet. Drei Jahre dauert es, bis man es einigermaßen spielen kann, sagt die 100-Jährige.
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Im vergangenen Jahrhundert hat Susanne Konrad viel erlebt: Sie fand durch Zufall ihre große Liebe und verlor sie wieder. Sie war so etwas die heimliche Ärztin von Bichl. Und sie hat etwas entdeckt, das sie bis heute jung hält.  Am 3. Juli feiert die bald elffache Urgroßmutter ihren 100. Geburtstag.

Bichl – Susanne Konrad findet früh ihren Jungbrunnen. Gerade einmal 15 Jahre ist sie alt, als sie zum ersten Mal das Kartenspiel Bridge ausprobiert – bei einem Urlaub in Mailand. Die Italiener dachten, die junge Deutsche verstehe ihre Sprache nicht. „Aber ich verstand durchaus etwas“, sagt Susanne Konrad und lacht. 85 Jahre ist diese Partie nun her – und die Bichlerin spielt noch immer das Spiel ihres Lebens. Heute feiert sie ihren 100. Geburtstag.

„Man hat wirklich das Gefühl, Bridge hält jung“, sagt die Schwiegertochter der Jubilarin, Brigitte Konrad. Seit rund 25 Jahren spielen die beiden als Partnerinnen zusammen, zeitweise in bis zu fünf Clubs. Heute sind sie regelmäßig noch in drei Vereinen aktiv, bei zweien in Bad Tölz und einem in Geretsried. Zahlreiche Mitglieder sind hochbetagt – und laut Brigitte Konrad alle „topfit“.

Bridge als Jungbrunnen? Sicher nicht ganz aus der Luft gegriffen. Bridge gilt als das schwierigste und exakteste Kartenspiel. Jede Partie erfordert höchste Konzentration. „Man braucht ungefähr drei Jahre, um einigermaßen mitspielen zu können“, sagt Susanne Konrad. Entsprechend gut spielt die Bichlerin inzwischen. Jüngere müssen sich schon anstrengen, um mit der 100-Jährigen mithalten zu können. „Ich versuche immer, einen guten Platz zu machen“, sagt Susanne Konrad und lacht.

Den Humor nie verloren

Humor scheint ebenfalls jung zu halten. Auch nach einem bewegten Leben mit etlichen Rückschlägen hat Susanne Konrad ihn nicht verloren: „Ich hab’ ganz schön alte Kinder“, witzelt die elegante alte Dame zum Beispiel mit Blick auf ihre 75-jährige Tochter und ihren 70-jährigen Sohn. Und dann sind da noch die sechs Enkel und zehn Urenkel. Der älteste Urenkel zählt bereits 23 Jahre. „Und der Jüngste ist gerade unterwegs“, freut sich die 100-Jährige. Im September soll das Baby auf die Welt kommen.

Die ganze Verwandtschaft trifft sich am Samstag zur Geburtstagsfeier in Kochel am See. Dort steht das ehemalige Ferienhaus der Eltern von Susanne Konrad. 1943 sucht die damals 24-Jährige hier Zuflucht vor dem Krieg. Ihr Mann Gerhard hatte ihr das Versprechen abgenommen, das zweite gemeinsame Kind im sicheren Kochel zur Welt zu bringen, nachdem ein Familienmitglied – eine Schwester von Susanne Konrad – ums Leben gekommen war.

Geboren wurde Susanne Konrad in Niederbayern. Aufgewachsen ist sie in München. Durch Zufall trifft sie hier ihren späteren Ehemann wieder. In Gerhard hatte sie sich bereits mit 14 Jahren beim Baden verliebt – in Speyer am Rhein. Einige Jahre später steht er vor demselben Kino in München, in das Susanne Konrad auch gehen will. Schicksal. 1941 heiratet das Paar, 1953 zieht es nach Bichl. Gerhard Konrad arbeitet als Dorfarzt, seine Frau unterstützt ihn. „Ich wollte immer Ärztin werden.“ Die äußeren Umstände gaben es nicht her, und so wird Susanne Konrad zumindest Medizinisch-Technische-Assistentin.

Ihr Mann lässt seine Frau auch mal kurz allein in der Praxis. „Das kannst du auch allein“, sagt er zu ihr. Nach seinem viel zu frühen Tod 1981 bleibt Susanne Konrad noch etliche Jahre für viele Bichler Ansprechpartnerin Nummer 1 in gesundheitlichen Fragen.

Bescheidener Wunsch zum 100. Geburtstag

Der Tod einer ihrer Schwestern und ihres Mannes bleiben nicht die einzigen Schicksalsschläge im Leben von Susanne Konrad. Vor wenigen Jahren stirbt auch einer ihrer beiden Söhne. Deshalb wünscht sich die Seniorin zu ihrem 100. Geburtstag vor allem eins: „Dass niemand von meinen Lieben mehr gehen muss, solange ich noch lebe.“ Und dass sie noch möglichst lange Bridge spielen kann.

Denn auch wenn sich Susanne Konrad mit ihren 100 Lenzen noch komplett selbst versorgen kann, nehmen die körperlichen Beschwerden zu. Das Bridge-Spielen aber hält ihren Geist fit. Und noch einen positiven Nebeneffekt gibt es: Drei Stunden lang lassen die Karten Susanne Konrad alles um sie herum vergessen. „Alles, was einen belastet, ist weg.“

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