VonHanna von Prittwitzschließen
25 Prozent niedrigere Reisekosten bei 40 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch – mit diesen Daten werben die Entwickler von „Maeve“, einem neuen Regionalflugzeug. Das Unternehmen Maeve Aerospace wurde 2021 erst gegründet und sitzt im Airtech-Campus am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen.
Weßling – Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bleibt ein Entwicklungszentrum für die Luftfahrt. Manche Träume wie der von Fairchild-Dornier freilich platzten, doch am Standort geht es weiter. Lilium entwickelt elektrisch betriebene Lufttaxis, Die Deutsche Aircraft will die Dornier 328 wiederbeleben. Nebenan baut Maeve Aerospace an einem neuen Regionalflugzeug mit 80 Sitzen. Das Besondere: Es soll teils elektrisch, teils mit Treibstoff betrieben werden – bei weniger Kosten, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärt.
2021 erst haben Absolventen der Technischen Universität Delft das Unternehmen Maeve Aerospace in Delft, Niederlande, gegründet. Sie entwickelten einen Flieger mit 40 Plätzen, genannt Maeve 01. Wegen der schweren Batterien kam dieser aber nur rund 370 Kilometer (200 nautische Meilen) weit. Die Entwicklung wurde eingestellt. Das war die Geburtsstunde der M80. Die Maschine bietet bis zu 84 Passagieren Platz und schafft knapp 1500 Kilometer. Für hoch frequentierte Strecken in Europa würde das reichen. Nachhaltiger Flugtreibstoff und elektrische Batterien sollen das Flugzeug in die Luft bringen und dort versorgen. Dabei soll die elektrische Energie für den Start und den Steigflug genutzt werden, in diesen Flugphasen verbrauchen Flugzeuge die meiste Energie.
Im Sinkflug oder den Pausen könnten die Batterien aufgeladen werden. All dies soll aber weder auf Kosten der Flughöhe noch der Schnelligkeit gehen – die Maeve fliegt so hoch und schnell wie Airbus-Jets. Und das bei 40 Prozent weniger Treibstoffverbrauch und 20 Prozent geringeren Kosten pro Sitzplatzkilometer als bei einer gleichgroße Turboprop-Maschine. Gelagert werden sollen die zehn nötigen Akkupacs unter dem Zwischenboden für die Passagierkabine.
Nun werden Investoren gesucht. In Oberpfaffenhofen hat der Vorstand des Unternehmens mit dem Aufbau einer Entwicklungsabteilung begonnen. 2026 soll die industrielle Fertigung beginnen. Wo die Maschine gebaut wird, ist noch nicht entschieden. Schon 2028 soll die Maeve abheben und 2031 an Kunden ausgeliefert werden.
Das Team von Maeve Aerospace besteht aus Gründer Jan Willem Heinen, Finanzchef Erwin Koenraads und Technik-Vorstand Martin Nüsseler. „Die Maeve M80 ist vollständig für den Betrieb von zu 100 Prozent wasserstoffbasierten Power-to-Liquid-Kraftstoffen zertifiziert und eliminiert darüber hinaus CO2“, wirbt das Unternehmen auf seiner Seite für das Projekt. Der hybridelektrische Antrieb reduziere beim Start- und Steigflug die Lärmemissionen in der Umgebung der Flughäfen. Schnell ist das Flugzeug mit 400 Knoten dennoch. Die Rede ist von einem „neuen Maßstab in der nachhaltigen Luftfahrt“.
Oberpfaffenhofen hat gute Chancen, auch Entwicklungsstandort für die Maeve M80 zu werden. „Wir sehen, dass wir in kurzer Zeit ein hochrangiges Team aufbauen müssen. Wir sehen auch, dass es in München einen Talentpool gibt, sodass es für uns Sinn macht, dort ein Büro zu eröffnen“, zitiert die Flug-Revue Jan Willem Heinen, Mitgründer und CEO von Maeve Aerospace. Martin Nuesseler sagt in der Presseerklärung: „Meines Wissens gibt es derzeit keine Alternativen in der Entwicklung, die gleichermaßen nachhaltig und kosteneffizient sind und den betrieblichen Anforderungen von Fluggesellschaften und Flughäfen entsprechen. Wenn ja, würde ich ihnen applaudieren, denn wir brauchen mehr dieser realistischen Lösungen, um nachhaltig zu werden.“ Oberpfaffenhofen sei ein Nährboden für Innovationen und Sitz zahlreicher Luftfahrtunternehmen. Maeve wird von privaten Investoren, der niederländischen Regierung und dem Europäischen Investitionsrat (EIC) unterstützt.
