VonJonas Napiletzkischließen
Ein 57-jähriger Schlierseer ist kürzlich Opfer einer Betrugsmasche geworden: Im Glauben, mit seinem Sohn zu chatten, überwies er knapp 2000 Euro auf ein fremdes Konto. Eine Nachverfolgung ist nahezu ausgeschlossen, erklärt die Polizei.
Schliersee – Ein unfreiwilliges Weihnachtsgeschenk hat ein Schlierseer einem Betrüger am Zweiten Weihnachtsfeiertag beschert. Der 57-Jährige erhielt an diesem Tag eine SMS mit dem Text „Hallo Papa, das ist meine neue Telefonnummer, bitte schreib mir eine Testnachricht auf WhatsApp“. Weil der richtige Sohn zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Probleme mit seiner neuen SIM-Karte hatte, traf der Täter damit ins Schwarze, teilt die Polizei Miesbach mit. Der Schlierseer glaubte der SMS und ging damit einem Betrüger auf den Leim. Dessen Vorgehen erklären die Beamten nun detailliert, um die Öffentlichkeit zu warnen.
So gab der vermeintliche Sohn – tatsächlich steckte hinter dem Chat der Täter – im weiteren Verlauf an, dass sein Handy kaputtgegangen sei und die SIM-Karte spinne. Der Vater solle die alte Nummer löschen, er sei jetzt nur noch hier erreichbar. Weiter schrieb der Betrüger in seiner Rolle als falscher Sohn, er sei total verzweifelt, weil er seit zwei Stunden sein neues Handy einrichtet. Er komme nicht mit dem Online-Banking klar, weil die TAN auf dem alten Handy war. Schließlich bat der Betrüger den Vater, zwei offene Rechnungen zu begleichen. Er würde das Geld so bald wie möglich zurücküberweisen.
Kontolimit verhindert weitere Überweisungen
Im Abschluss teilte der Täter in seiner Rolle als Sohn eine Bankverbindung einer deutschen Volksbank mit und bat um die Überweisung von 1990 Euro als Echtzeit-Überweisung. Der Schlierseer ließ sich darauf ein. Der falsche Sohn forderte außerdem einen Beleg oder Screenshot der Überweisung an und bat nochmals um eine Echtzeit-Überweisung.
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Nur dem Kontolimit ist es zu verdanken, dass diese zweite Überweisung dann scheiterte: Die geforderten 2480 Euro hätten diesmal auf ein Sparkassenkonto gehen sollen. Doch der Täter probierte es erneut und schickte – obwohl es nur zwei vermeintliche Rechnungen gab – eine dritte IBAN mit der Forderung über 2780 Euro, die erneut zu einem Sparkassenkonto gehörte. Im Chat entschuldigte sich der Betrüger in seiner Rolle als Sohn für den ganzen Stress. Doch der Schlierseer schöpfte nun Verdacht.
Polizei warnt vor Kontoeröffnungen – Betrugsmasche „Banken-App-Tester“
Als der 57-Jährige den Betrug bemerkte, waren die 1990 Euro wegen der Echtzeitüberweisung bereits nicht mehr rückholbar, teilt die Polizei mit. „Auch bei einer normalen Überweisung des Kontoinhabers ist es nahezu unmöglich, mit einem Überweisungsrückruf sein Geld zurückzubekommen, weil der Kontoempfänger damit einverstanden sein muss.“ Oft sei dieser auch nicht der Täter, sondern ebenfalls Opfer eines Betruges. Derjenige transferiere das Geld unwissend weiter, wodurch er sich der Geldwäsche schuldig mache. „Bis die Konten alle gesperrt werden, befindet sich das Geld bereits im Ausland und eine Nachverfolgung ist nahezu ausgeschlossen.“
Auf Geldempfänger, die das Geld weiterschicken, können neben einer Strafanzeige auch zivilrechtliche Forderungen des Überweisers zukommen. Diese Forderungen könnten sehr schnell extrem hoch sein, insbesondere wenn man als Banken-App-Tester – eine weitere Betrugsmasche – fungiert und für den Täter mehrere Konten eröffnet hat. nap
Tipps der Polizei
Die Beamten bitten, etwaige SMS sofort zu löschen, erst einmal bei seinen Kindern nachzufragen, ob deren Handy tatsächlich kaputt ist und Geldüberweisungen zu hinterfragen. Im Zweifel solle man sich an die örtliche Polizei wenden.
