VonAndreas Högerschließen
Der Rufbus Hoki startete vor einem Jahr. Sein Auftrag: Menschen flexibel und für wenig Geld von A nach B zu bringen. Ein Jahr später ist klar, dass der Hoki, ein Mischwesen aus Linienbus und Taxi, den Nerv der Zeit trifft. 30 000 Fahrgäste stiegen in die Minivans ein – ein Erfolg, der das Interesse der Nachbargemeinden weckt.
Holzkirchen – Große Busse, die zu oft nur warme Luft transportierten: Vor einem Jahr krempelte die Marktgemeinde ihr Ortsbus-System um. Als klassische Buslinie blieb eine relativ eng getaktete Schleife vom Bahnhof durch die Gewerbegebiete. Den Rest der Gemeinde, speziell die dörflichen Bereiche, deckt seitdem der Rufbus Hoki ab.
Die Vorbereitung für diesen On-Demand-Service (Bedarfsverkehr) hatte sich für die Gemeinde als kleine Ochsentour erwiesen. Per Ausschreibung wurde ein Betreiber gesucht, den Zuschlag erhielt das Murnauer Unternehmen Omobi. Überdies musste der Landkreis einen Teil seiner ÖPNV-Hoheit auf die Marktgemeinde übertragen.
Der Start des Hoki im September 2022 war begleitet von viel Hoffnung, aber auch von der Frage, ob sich die Bürger auf diese neue Art der Mobilität einlassen. Die Skepsis ist längst verflogen. Ständig tauchen die beiden Minivans auf den Straßen der Marktgemeinde auf, die besten Werbeträger ihrer selbst. „Jeden Monat sind die Nutzerzahlen gestiegen“, berichtet Melanie Buchner, Mobilitäts-Managerin im Rathaus.
Etwa 30 000 Passagiere chauffierten die Kleinbusse im ersten Betriebsjahr quer durchs Gemeindegebiet. „Mittlerweile erreichen wir einen Sockel von 3000 Fahrten im Monat“, sagt Buchner. „Die Fahrgastzahlen sprechen für sich“, freut sich Bürgermeister Christoph Schmid (CSU), „unser Rufbus ist wirklich ein Erfolgsmodell.“ Ein Erfolg, der seinen Preis hat: 30 000 Euro monatlich bezahlt das Rathaus. Ein Zuschuss des Freistaats könnte zwei Drittel davon abdecken, laut Buchner sind die Förderanträge gestellt. Die Fahrpreise selber sind attraktiv: Regulär kostet jede Fahrt zwei Euro, Kinder und Senioren zahlen nur einen Euro.
Nicht weniger als 241 Haltestellen fährt der Hoki an (werktags 6 bis 20 Uhr, freitags bis 1 Uhr, samstags von 10 bis 1 Uhr), einen fixen Fahrplan gibt es nicht. Die Kleinbusse kommen nur auf Bestellung, die per Telefon oder via Smartphone-App erfolgt. „Die App wurde schon über tausendmal heruntergeladen“, sagt Buchner.
Auswertungen zeigen, dass besonders Föchinger und Hartpenninger das Angebot gerne nutzen. „Und es sind alle Altersgruppen vertreten“, sagt Buchner. Senioren kommen so zum Arzt oder zum Einkaufen nach Holzkirchen, Kinder verabreden sich zum Sport. „Wir sehen eine ganze Bandbreite an Nutzern, die sich alle freuen, dass sie endlich eine Alternative zum Auto haben oder überhaupt mobil sein können“, ergänzt Eva Schmitz, Leiterin der Standortförderung im Rathaus.
Auch Pendler haben den Hoki entdeckt, um damit zum Bahnhof zu gelangen – zumal sie mit Deutschland-Ticket kostenlos mitfahren. Voraussetzung ist, dass das Ticket in der App hinterlegt ist.
Bisher ist der Hoki nur im Gemeindegebiet unterwegs, die Nachbargemeinden Otterfing, Valley und Warngau würden aber gerne einsteigen. Laut Buchner muss dafür der Landkreis die ÖPNV-Trägerschaft für besagte Gemeinden auf Holzkirchen übertragen. „Da geht’s dann um interkommunalen ÖPNV“, sagt Buchner, „der Landkreis dürfte nicht darum herumkommen, dafür mitzuzahlen.“ Die Kreisgremien werden das Thema wohl im Herbst beraten. Soll der Hoki kommen, werden aber auch die Nachbargemeinden in die Taschen greifen müssen.
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