- VonThomas Gautierschließen
Baustellen, Drogen, kaputte Rolltreppen. Das Bahnhofsviertel frustriert Münchner und Touristen gleichermaßen. Die Kritik, was die Stadt tun will.
München – Ewig-Baustellen, Trinker, Junkies, Bau-Ruinen, Obdachlose – und eine dauerkaputte Rolltreppe: Die Gegend Hauptbahnhof – Alter Botanischer Garten – Stachus ist Münchens kleines Katastrophengebiet. Eine Mischung aus großen Problemen und kleinen Ärgernissen machen das Ankommen zum Abgewöhnen.
Stadtrat Andreas Babor (CSU) beschreibt es so: „Touristen kommen erst mal zu spät mit der Bahn an. Dann dürfen sie runter zur S-Bahn ihre Koffer runterschleppen, weil die Rolltreppe mal wieder kaputt ist. Und draußen schaut‘s bis zum Stachus einfach nur schlimm aus.“ Vier Münchner sagen hier, was falsch läuft – und was besser werden muss.
Bahnhofsviertel München: „So schnell wie möglich wegfahren“
Der Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, Stefan Hofmeir, sagt: „Meinen Bekannten empfehle ich immer, gleich in die U-Bahn oder in die Tram zu steigen – und so schnell wie möglich eine Haltestelle wegzufahren zum Beispiel Richtung Stachus.“
Was ihn besonders stört: Der Rad-Verhau rund um den Bahnhof. Und die kaputten Rolltreppen. Seit Wochen ist die rechte vom Sperrengeschoss zur Abfahrtshalle defekt – zum xten Mal. Diesmal fehlt ein Ersatzteil. Hofmeir: „Es kann nicht sein, dass es so lange dauert, bis sie repariert werden! Die Bahn muss ein besseres Ersatzteillager aufbauen. Und das am besten direkt am Hauptbahnhof bereithalten.“
CSU-Stadtrat fordert von Bahn und Stadt endlich funktionierende Rolltreppen
Die „Grolltreppe“ kritisiert auch Babor. „Für die Landeshauptstadt ist der Ausfall ein Image-Schaden.“ Seine Stadtratsfraktion reicht heute zwei Anträge ein, in der sie die Stadt dazu auffordert, ihre Rolltreppen verlässlich zum Laufen zu bringen. Die Stadt soll dafür sorgen, dass die Bahn ihre Probleme endlich in den Griff bekommt. Bahn und MVG sollen Ende Januar dem Stadtrat Bericht erstatten.
„Parkcafé“-Wirt: „Der Hauptbahnhof ist eine Grenzerfahrung“
Ein Gang durch das Bahnhofsviertel ist für Parkcafé-Chef Chris Lehner „eine Grenzerfahrung“. „Viele unserer internationalen Gäste denken, München sei sehr sicher und sauber“, sagt der Wirt. „Aber am Hauptbahnhof ist es plötzlich siffig und dreckig. Der erste Eindruck zählt!“
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Was ihn besonders stört, ist die Trinker-Szene an der Tramhaltestelle Hauptbahnhof Nord in der Dachauer Straße. „Dort hat die Stadt eine Obdachlosenspeisung eingerichtet. Natürlich habe ich nichts dagegen, aber muss die unbedingt mitten in der Innenstadt sein? Gegenüber ist eine Stelle für Alkoholkranke und daneben ein Automaten-Shop mit Alkoholika. Haben die einen im Tee?“ Klar ist: Genau hier herrscht kein Alkoholverbot – drumherum schon.
Dass die Stadt rund um die Benko-Bauruine vom alten Karstadt in der Schützenstraße aufgeräumt und eine Sichtschutzwand mit schönen Fotos aufgestellt hat, findet Lehner gut. „Schade ist nur, dass man es erst ein Jahr hat verlumpen lassen. Schade, dass die Stadt da gewartet hat, bis es erst zu einer Katastrophe kam.“ Laut Stadt dauerte es so lange, weil die Abstimmung mit der insolventen Signa-Gruppe sehr schwierig war.
Was die Polizei fordert, was die Stadt München plant
Auch für Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel muss sich in der Schützenstraße einiges ändern. Die sei Münchens „Visitenkarte“ – oft eine der ersten Straßen, durch die Touristen gehen. Hampel forderte neulich im Stadtrat dort „mehr Reinigung und einen Kampf gegen Vermüllung“. Die Obdachlosen sollten dazu bewegt werden, Notfallunterkünfte aufzusuchen. Auch Streetworker sollen dort verstärkt eingesetzt werden.
Dafür ist die von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eingesetzte Task Force Hauptbahnhof zuständig. Laut KVR arbeite man weiter an Verbesserungen. Sprecherin Beate Winterer: „Wir wollen schauen, wie wir die Baustellensituation so verändern können, dass sie weniger das Stadtbild verschlechtert. Außerdem wollen wir Verwahrlosungstendenzen entgegenwirken.“




