Vorbereiten auf den Schulabschluss

Abiturienten zurück an den Schulen: Ein logistischer Kraftakt

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Vermummungsgebot: Das Tragen der Schutzmasken ist an der Freisinger FOS/BOS eine „Empfehlung“ der Schulleitung, der am Montag aber alle nachkamen.
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Die Abiturienten im Landkreis Freising stehen kurz vor den Prüfungen. Um darauf vorbereitet zu werden, ging es jetzt zurück an die Schule. Trotz Corona, trotz strenger Hygiene- und Abstandsregeln.

LandkreisEs ging Schlag auf Schlag: Alle 45 Minuten rückten gestern Schüler der 17 Abschlussklassen in die FOS/BOS Freising ein – insgesamt etwa 350 Abi-Aspiranten. Damit war die Schule am Montag beim bayerischen Unterrichtsstart absoluter Brennpunkt im Landkreis. An keiner anderen Schule musste man so viele Schüler unter den strengen Hygiene- und Abstandsregeln unterbringen und unterrichten. Schulleiterin Roswitha Stichlmeyr war mittags geschafft und happy zugleich: Alles klappte – allerdings nach einem „logistischen Kraftakt“, wie sie sagte. „Die letzte Woche war der Wahnsinn.“

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Brennpunkt FOS/BOS

Schulleitung und Stundenplaner hatten da alles bis ins Detail ausgetüftelt – und in einer Videokonferenz mit 70 Lehrern war am Freitag noch einmal alles besprochen worden. Am Montag nun wurden die Schüler über verschiedene Eingänge – quasi durch Hintertürchen – in die Klassenzimmer gelotst und dort, aufgeteilt in zwei Mini-Klassen, drei, vier Stunden in nebeneinander liegenden Räumen unterrichtet. „Die einen hatten zum Beispiel Mathe, die anderen Englisch.“ Pause wurde in den Klassenzimmern gemacht, und nach dem Unterricht mussten die Abschlussschüler sofort das Schulgelände verlassen.

Um das zu stemmen, waren praktisch alle FOS/BOS-Lehrer im Einsatz. „Hochmotiviert“ seien die Kollegen gewesen, lobt die Chefin: „Jeder ist froh, dass er wieder unterrichten darf, seine Schüler wieder sieht und sie g’scheit auf die Prüfung vorbereiten kann.“ Die Lehrer hätten alle Mundschutz getragen, berichtet Stichlmeyr. „Zumindest war das am Morgen noch so. Ich weiß nicht, wie lange sie das dann im Unterricht durchgehalten haben.“ Bis auf zwei Ausnahmen hatten auch alle 350 Schüler ihren Mundschutz dabei, den sie dann – einer „Empfehlung“ der Schulleitung entsprechend – auch im Unterricht trugen. Die meisten zumindest. „Ob die Schüler in jeder Klasse durchgehend ihre Maske auf hatten, kann ich nicht sagen“, berichtet Stichlmeyr – „aber es wäre schön. Es ist halt ein zusätzlicher Schutz für beide Seiten“.

Für die FOS/BOS-Chefin steht fest, dass die elften Klassen erst kommen können, wenn die Abschlussprüfung vorbei ist – Mitte Juni. „Vorher haben wir definitiv keinen Platz.“ Geplant ist von staatlicher Seite immer noch, dass am 11. Mai die Klassen mit dem Unterricht beginnen, die im nächsten Jahr Prüfung machen. „An der FOS/BOS ist das aber nicht machbar“, sagt Stichlmeyr. „Die bleiben erst einmal im Homeschooling. Das ist zwar noch nicht offiziell, aber anders gar nicht machbar.“

Der Klage mancher Elternverbände, die Regierung hätte die Schulen in der Corona-Krise allein gelassen, mag sich Stichlmeyr nicht anschließen: „Wir standen schon in den Osterferien mit dem Schulkoordinator des Landratsamts in Kontakt. Jetzt, am Freitag, bekamen wir vom THW Masken und Desinfektionsmittel geliefert. Und Hausmeister wie Reinigungspersonal bekamen eine Schulung von einer Hygienefachkraft.“ Die ersten Schulstunden liegen also hinter den FOS-Schülern, organisatorisch hat alles geklappt. Am Wichtigsten ist Stichlmeyr aber eins: „Dass sich die Schüler bei uns willkommen fühlen. Und ich glaube, das war heute der Fall.“   hob

86 JoHo-Abiturienten

Mit einem Kribbeln im Bauch kam Nicole Storz am Montag in die Schule. „Ich war schon aufgeregt“, berichtete die Leiterin des Josef-Hofmiller-Gymnasiums in Freising dem FT. „Natürlich hofft man, dass alles, was man sich im Vorfeld ausgedacht hat, auch klappt.“ Fazit: „Es hat hervorragend geklappt.“ Damit sich die 86 Abiturienten, die sich jetzt wieder in der Schule befinden, nicht in den Gängen in die Arme laufen, haben sich Storz und ihre Mitarbeiter in der Verwaltung eine Einbahn-Regelung ausgedacht. „Von unseren beiden Treppenhäusern fungiert eines nur als Aufgang, das andere nur als Abgang, sodass immer alle Schüler in eine Laufrichtung gehen, wenn einmal ein Raumwechsel stattfinden muss“, berichtet die Schulleiterin. Markierungen am Boden und Schilder weisen die Wege. „Diese Regelung wird noch wichtiger, wenn demnächst auch die Q11-Schüler dazustoßen.“

Im Augenblick sind die Kurse über das ganze Gebäude verteilt, pro Gang werden nie mehr als zwei Klassen unterrichtet. Pausen finden in den Klassenräumen statt, erklärt Nicole Storz. „Da ist jeweils eine Lehrkraft dabei, die darauf achtet, dass immer nur eine Person den Raum verlässt, um etwa auf die Toilette zu gehen.“

Mundschutz ist im Übrigen am JoHo Pflicht – zumindest wenn sich die Schüler im Gebäude bewegen. „Ich empfehle, die Masken auch während des Unterrichts anzubehalten. Aber wer das nicht aushält, kann sie abnehmen, sobald er seinen Platz eingenommen hat.“ Auch Lehrer dürften die Maske erst abnehmen, wenn alle Jugendlichen sitzen. „Ich habe Verständnis dafür, dass Lehrer nicht vier Stunden mit Mundschutz unterrichten können“, betonte Storz.

Sie selbst habe zu Unterrichtsbeginn einen Rundgang durch alle Klassenzimmer gemacht, um die Schüler willkommen zu heißen und auf die Corona-Regeln einzuschwören. „Das war mit Mundschutz auf Dauer anstrengend.“ Die Lehrer müssten aber in jedem Fall darauf achten, dass sie zweieinhalb Meter Abstand zur ersten Tischreihe halten.  mes

Lob für Dom-Schüler

Manfred Röder ist lange im Geschäft. Doch auch für den Leiter des Domgymnasiums war der Montag alles andere als ein gewöhnlicher Schultag: „Daher bin ich schon um halb sieben in der Schule gewesen, um nochmal nachzusehen, ob alles da liegt, wo es liegen soll.“ Und das, obwohl er bereits am Freitagabend kontrolliert hatte, dass an jedem Platz ein Infoblatt mit den Verhaltensregeln liegt. Dass alle Klassenräume mit Seife und Einmal-Handtüchern ausgestattet sind. Dass die Markierungen stimmen. Dass Handschuhe an der Masken-Ausgabe bereit liegen. „Alles hat gepasst.“

Auch die 62 Abiturienten bekamen großes Lob vom Chef. „Sie haben sich perfekt verhalten“, betont Röder. Er habe zwar keine Maskenpflicht ausgerufen, aber den Schülern am Freitag geschrieben, dass Masken „hochwillkommen“ seien. Entsprechen kamen die meisten mit Mund-Nasen-Schutz. Der Rest wurde an der Schule versorgt. So verlief der erste Schultag reibungslos, auch wenn an kleineren Details noch geschraubt werden könne, wie Röder sagt. „Auch wenn das Schulhaus von oben nach unten durchmarkiert ist, müssen wir alle noch lernen, uns mit Mundschutz zu unterhalten und den Abstandsmesser im Kopf justieren.“  

Lesen hier: Die aktuelle Corona-Lage im Landkreis Freising.

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