VonVerena Möcklschließen
250 Demonstranten haben sich am Mittwoch vor dem Dachauer Rathaus versammelt. Sie vereint ihre Fassungslosigkeit über die nächtliche Abschiebung einer gut integrierten fünfköpfigen Familie aus Karlsfeld.
Dachau – Sie soll heimkehren: So lautete die Botschaft der Demonstration, die die Seebrücke Dachau für die fünfköpfige Familie Esiovwa aus Karlsfeld organisiert hat.
Nicholas Esiovwa, seine Frau und die drei Kinder Stefanie (11), Gabriel (10) und Claudia (6) wurden mitten in der Nacht abgeschoben. Gegen dieses Vorgehen der Ausländerbehörde haben sich am Mittwoch Abend rund 250 Menschen in der Dachauer Altstadt versammelt. Sie wollen die Abschiebepraxis und Asylpolitik nicht länger hinnehmen.
Dachau: Demonstration gegen Abschiebung von Familie aus Karlsfeld
Unter ihnen waren Politiker, Asylhelfer, aber auch Lehrer, Bekannte, Freunde und Nachbarn der Familie. Es sei wichtig, Haltung zu zeigen, sagte Margreth Außerlechner, Konrektorin der Mittelschule in Karlsfeld und Lehrerin von Stefanie.
Die Stimmung auf dem Rathausplatz war gedrückt. Seit Tagen ist die Wut und das Unverständnis groß über die Entscheidung des Dachauer Landrats Stefan Löwl, eine gut integrierte Familie um 1 Uhr nachts in ein Flugzeug nach Nigeria zu setzen. Ein Land, das den Kindern fremd ist. Vor allem der kleinen Claudia. Die sechsjährige ist wie berichtet in Dachau geboren.
Das Vertrauen in Löwl und dessen Behörde ist schwer beschädigt.
„Die Heimat der Familie ist in Karlsfeld“, sagte SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi bei seiner Rede. Mit der Demonstration werde das Zeichen im Landratsamt ankommen, so der SPD-Politiker. „Das Vertrauen in Löwl und dessen Behörde ist schwer beschädigt.“ Schrodi forderte, dass sich die Härtefallkommission den Fall genau ansieht. Für ihn steht fest: „Wenn die Abschiebung rechtens ist, dann muss das Recht geändert werden!“
Spendenaktion: Große Solidarität
Wie berichtet, trug der Familienvater Nicholas Esiovwa bei der Ausreise lediglich 40 Euro bei sich. „Nun kann jeder nachsehen, wie viel Geld in seinem Geldbeutel ist“, sagte Sabrina Spallek am Ende ihrer Rede. Wenn es mehr als 40 Euro seien, so Spallek weiter, bestehe nun die Gelegenheit, dieses „mehr“ zu spenden. Sodass man am Ende den selben Betrag wie Nicholas Esiovwa im Portemonnaie hat. Ein Teilnehmer spendete daraufhin 300 Euro. „Das war sehr berührend“, wie Martin Modlinger am nächsten Tag berichtete.
Insgesamt kam eine Spendensumme von 1115 Euro zusammen. Auch online sind Spenden für die Familie Esiovwa auf der Homepage betterplace.org unter dem Link https://www.betterplace.org/de/projects/111557-familie-e-aus-karlsfeld-soll-wiederkommen?fbclid=IwAR3N6Qlq6Q5DaAkf0giXGuLyHFdWNW7HOGV0ilG9e1iBqGZIOv-1SZp5Wfc
Der Bayerische Flüchtlingsrat koordiniert die Weitergabe der Spenden. Auch Amnesty International will sich mit Spenden aus Bücherflohmärkten beteiligen. Das teilte ein Mitglied von der Dachauer Ortsgruppe mit.
Abschiebung einer Familie: Demonstranten fordern Aufklärung und rechtliche Prüfung
Die Abschiebepraxis müsse sich an die Lebenswirklichkeit der Menschen und nicht der Behörden richten, sagte Grünen-Kreisrätin Sabrina Spallek zu dem Vorfall.
„Das Gesetz muss nachgebessert werden!“, forderte Spallek, Sie sehe die Kritik an den Gesetzen angebracht, nicht etwa an der Person des Landrats. Es ginge um Grundsätzliches. „Wir müssen den Fokus auf die Weichensteller richten.“
Spallek sprach bei der Demonstration, wie sie betonte, nicht in ihrer Funktion als Lokalpolitikerin. Spallek sprach vielmehr im Namen ihrer Tochter, einer Klassenkameradin von Gabriel. Der Kleinen fehle ihr Freund, wie Spallek zu Beginn ihrer Rede erzählte.
„Die Kinder vermissen ihren Freund Gabriel und wollen ihn zurückholen“, sagte auch Julie Richardson. Die Kinderpsychologin arbeitet in der heilpädagogischen Tagesstätte in Karlsfeld, in der Gabriel betreut wurde. „Ich hatte schon ein Kopfkino, wie Gabriel in zehn Jahren sein würde.“ Um das jemals zu erfahren, weiß Richardson, „müssen wir alle zusammen helfen“.

