Kritik von Radler Horst Weise

ADFC-Umfrage zeigt: Angst um Kinder auf dem Fahrrad in Erding

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Bitte mehr davon: ADFC-Vorsitzender Horst Weise fordert mehr farblich abgesetzte Radstreifen.
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Selbst größere Kinder auf dem Drahtesel leben in Erding gefährlich. Das kritisieren viele Bürger in einer nicht repräsentativen Umfrage des Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Erding – 112 von 34 000 Erdingern bewerteten dabei die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt: mit einer Durchschnittsnote von 3,8, das bedeutet ausreichend.

Horst Weise wünscht sich „mehr rote Teppiche“

ADFC-Kreisvorsitzender Horst Weise (72) strampelt etwa 5000 Kilometer im Jahr auf dem Rad, versteht die Ängste um radelnde Kinder in Erding allerdings nicht: „Meine schulpflichtigen Enkel fahren beide mit dem Fahrrad zur Schule.“ Er hat viele andere Kritikpunkte, wünscht sich Fahrradstraßen nach dem Münchner Modell und „mehr Spiegel und rote Teppiche“ in der Stadt.

Seit 2012 führt der ADFC bundesweit den Fahrradklima-Test durch. Teilnehmer bewerten zum Beispiel, ob Radler in ihrer Stadt an Baustellen sicher vorbeigeführt werden oder in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan wurde. 

In Erding hat Weise insgesamt 200 Formulare ausgeteilt, an ADFC-Mitglieder und Bekannte, außerdem hat er den Fragebogen in Fahrradgeschäften ausgelegt. Das Interesse, ihn auszufüllen, hielt sich aber in Grenzen.

Womit sind die Radler in Erding zufrieden?

Zuerst zu den positiven Nachrichten aus der Umfrage: Zufrieden sind die Erdinger damit, dass hier alle Altersgruppen mit dem Rad fahren, das Stadtzentrum gut erreichbar ist und Einbahnstraßen in Gegenrichtung geöffnet sind.

Die Kritik: Die Umfrageteilnehmer sorgen sich vor allem um radelnde Kinder in der Stadt. Weise sagt dazu: „Das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen und viele gefährliche Situationen beobachten.“ Er will ihnen die Angst nehmen und sagt: „Ich würde mit meinen Kindern die gefährlichen Stellen abfahren und sie ein wenig briefen.“

Außerdem kritisieren die Umfrageteilnehmer, dass „bei uns Radfahrer an Baustellen meistens zum Absteigen und Schieben gezwungen sind“ und „die Radwege zu schmal sind“. Da stimmt Dauerradler Weise zu, er wünscht sich breitere Radwege mit mindestens 1,50 Metern, „damit man überholen kann“ und Fahrradstraßen in der Herzogstadt.

Bei einer Fahrradstraße wird die ganze Fahrbahn in einen Radweg umgewandelt: „Da könnten Radfahrer auch überholen und nebeneinander fahren, die Mama neben dem Kind zum Beispiel“, sagt Weise. Kraftfahrzeuge müssen dort erst durch ein Zusatzschild erlaubt werden und dürfen dort höchstens 30 Kilometer pro Stunde fahren.

„An der Fliegerhorst-Kreuzung fühlt sich ein Radler von den Lastwagen bedroht“

Außerdem wünscht er sich mehr „rote Teppiche“ in Erding, damit meint er die roten Schutzstreifen für Radler auf der Fahrbahn. „An der Fliegerhorst-Kreuzung fühlt sich ein Radler ziemlich von den abbiegenden Lastwagen bedroht.“ Deshalb kämpft er dort für die farbige Markierung. „Aber das wird noch Jahre dauern. Meistens wird erst gehandelt, wenn ein Unfall passiert“, klagt er.

77 verletzte Radler gab es 2017 in Erding. Die Unfälle seien weniger geworden, sagt Weise: „Im vorigen Jahr waren es nur 73. Da bin ich stolz drauf, dass es nicht mehr gewesen sind bei dem Super-Sommer.“ Die Verkehrsteilnehmer in Erding würden mehr aufeinander acht geben: „Aber klar, irgendeinen narrischen Autofahrer oder Radler gibt es immer.“

„Warum kostet die Radlmitnahme in der S-Bahn etwas?“

Zurück zur Umfrage: Die Teilnehmer wünschen sich auch mehr öffentliche Fahrräder zum Ausleihen und vergeben bei folgendem Punkt schlechte Noten: „Bei uns kann man Fahrräder einfach und preiswert in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen“. Ein Fahrradticket für die S-Bahn kostet zum Beispiel drei Euro. Dazu sagt Weise: „Warum kostet das überhaupt was, wenn ich die Luft nicht verpeste, wie mit dem Auto?“

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