Europas größtes Kulturzentrum

Wegen Ärger über Sanierung: Gasteig-Chef Max Wagner wirft die Brocken hin

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Nach sieben Jahren ist Schluss: Gasteig-Chef Max Wagner hat um die Auflösung seines Vertrages gebeten.
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Gasteig-Chef Max Wagner zieht die Reißleine. Der 54-Jährige hat um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Bereits zum 1. November soll Schluss sein.

München - Das ist ein starkes Stück: Mitten in der Sanierung von Europas größtem Kulturzentrum, dem Gasteig, schmeißt dessen Chef die Brocken hin. Nach sieben Jahren als Geschäftsführer hat Max Wagner um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Bereits zum 1. November soll Schluss sein. Der Aufsichtsrat wird sich am 27. Juni mit der Personalie befassen. Grund für den Rücktritt ist nach Informationen unserer Redaktion die sich immer weiter verzögernde Sanierung des Gasteigs.

Gasteig-Sanierung in München steht immer wieder vor Problemen: Die Stadt findet keinen Investor

Die ist seit Jahren mit Problemen behaftet. 2017 bereits hatte der Stadtrat einer Generalsanierung zugestimmt. 2018 erhielt das Architekturbüro Henn aus München den Zuschlag für das Projekt. Zuvor hatte es Ärger gegeben, weil die ursprünglichen Architekten Urheberrecht verletzt sahen. Die Ausschreibung musste ungeachtet dessen aus vergaberechtlichen Gründen wiederholt werden. 2019 stimmte der Stadtrat erneut für die Entwürfe von Henn. Ein Jahr später beschloss der Stadtrat, nach einem Investor zu suchen, der die Generalsanierung übernimmt. Nur: Es fand sich niemand, vermutlich auch, weil die Stadt die Kosten für den Neubau auf 450 Millionen gedeckelt hatte. Im November soll der Stadtrat entscheiden, wie es weitergeht. Denkbar wäre, die Sanierung abermals auszuschreiben. Andererseits könnte die Stadt doch selbst einen Umbau vornehmen. Die Alternative ist die Rückkehr zur Grundsanierung, dann würde lediglich das Gebäude instand gesetzt.

Es ist kein Geheimnis, dass Gasteig-Chef Wagner die Vergabe an einen Investor kritisch gesehen hatte. Dem Vernehmen nach soll der 54-Jährige bereits 2020 überlegt haben, sich nach einer anderen Aufgabe umzusehen. Der Bau des Interimsquartiers habe ihn aber von dem Schritt abgehalten, wie es heißt. Der Umstand allerdings, dass die Stadt keinen Investor findet und die Sanierung keinen Schritt vorankommt, haben das Fass offenbar zum Überlaufen gebracht. Wagner, so heißt es aus Unternehmenskreisen, habe keine Hoffnung mehr, dass die Sanierung noch zügig zu realisieren sein wird.

Gasteig-Chef Max Wagner hat gekündigt: Prokuristin Stephanie Jenke könnte auf den Posten nachrücken

Wie es nun weitergeht, ist noch unklar. Wagner hat um Freistellung zum 1. November gebeten, der Vertrag würde dann noch bis Jahresende laufen. Im Kulturhaus selbst wird spekuliert, dass Gasteig-Prokuristin Stephanie Jenke die Geschäftsführung übernehmen könnte, sowohl bis Ende des Jahres als auch langfristig. Dem Vernehmen nach hat auch Max Wagner bereits eine neue Aufgabe gefunden. Bei einer Stiftung.

In einer offiziellen Mitteilung der Gesellschaft schreibt Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) als Aufsichtsratsvorsitzende: „Max Wagner hat den Gasteig sehr erfolgreich durch sieben aufregende Jahre geführt und sich immer mit ganzem Herzen und mit voller Kraft für den Gasteig eingesetzt. Dafür danke ich ihm und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft.“ Die Zeit im Gasteig sei für ihn persönlich ein großes Geschenk gewesen, schreibt Wagner in der Mitteilung. „Ich blicke mit Freude und Dankbarkeit darauf zurück.“ Es seien sieben spannende, aber auch sehr herausfordernde Jahre gewesen, in denen er gemeinsam mit seinem Team und allen Instituten im Gasteig viel bewegen konnte. Nur eben die Sanierung nicht.

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