Nicht direkt Teil der Rede

Hoeneß auf Nockherberg: Ausgerechnet nach Spruch war er im TV zu sehen – „Hat eine gewisse Ironie“

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Uli Hoeneß störte sich bei seinem Besuch auf dem Nockherberg an Seitenhieben auf Hubert Aiwanger, war selbst aber aus einem anderen Grund Thema. Zumindest im Netz.

Update 1. März, 11.08 Uhr: Uli Hoeneß gehört auf dem Nockherberg zu den altbekannten Stammgästen. Nicht alles, was Maxi Schafroth beim „Derblecken“ im Jahr 2024 zum Besten gab, gefiel dem FC-Bayern-Patron. Die Schüler-Einlage zu Hubert Aiwanger sei „übers Ziel hinausgeschossen“, bilanzierte Hoeneß am Ende des Abends (siehe Ursprungsmeldung).

Kameras fingen auch Hoeneß während Schafroths Rede ein. Allerdings ging es in diesem Moment gar nicht um Aiwanger. Sondern um einen guten Freund des 72-Jährigen. „Bevor in Bayern gegendert wird, macht Schuhbeck ein Praktikum im Finanzamt“, witzelte Schafroth auf der Bühne. Prompt war Hoeneß in der BR-Übertragung zu sehen.

TV-Kameras zeigten Hoeneß auf dem Nockherberg: „Regisseur bekommt bitte eine Gehaltserhöhung“

Ein findiger Kniff, wie mehrere Nutzer auf X befanden. „Der Regisseur bekommt bitte eine Gehaltserhöhung“, schrieb eine Frau gar. Zum Hintergrund: Starkoch Alfons Schuhbeck verbüßt derzeit eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung. Hoeneß, der mit dem Gastronomen gut befreundet ist, blickt auf ein ähnliches Schicksal zurück. Der langjährige FC-Bayern-Funktionär wurde im Jahr 2024 ebenfalls aufgrund von Steuerhinterziehung verurteilt, musste hinter Gitter.

Uli Hoeneß lacht, nachdem sein Freund Alfons Schuhbeck auf der Bühne Thema war.

Sonderlich pikiert schien Hoeneß aufgrund dieses Scharoth-Spruchs nicht gewesen zu sein. „Dass ausgerechnet Hoeneß bei dem Finanzamt-Witz lacht, hat auch eine gewisse Ironie“, bemerkte ein X-User.

Geteilte Reaktionen zu Aiwanger-Doubles: Hoeneß gefiel es nicht so gut

Ursprungsmeldung:

München – Michaela Kaniber hat diesmal besonders genau hingeschaut. Die Landwirtschaftsministerin ist beim Starkbieranstich ein ungewohntes Gesicht auf der Bühne, entsprechend groß war ihre Neugier. Klar, besonders auf ihr Double Judith Toth war sie gespannt. „Mal sehen, was für Ticks die Kaniber hat“, sprach also die echte Kaniber eine halbe Stunde vor Beginn des Starkbieranstichs.

Es war dann zum Beispiel das rollende R, das Toth erklingen ließ. „Das darf doch nicht wahr sein“, entfuhr es Kaniber, „dass ich mein Ebenbild anschaue.“ Insgesamt kam die Ministerin ziemlich gut weg. Anderen erging es da schlechter.

„Derblecken“ auf dem Nockherberg: Söder lächelt Spitzen tapfer weg

Auch routinierte Nockherberg-Gäste und regelmäßig Derbleckte blicken immer wieder mit einer Mischung aus Vorfreude und banger Erwartung auf den Abend, an dem ihnen nicht nur Freundlichkeiten serviert werden. Markus Söder zum Beispiel ahnte zu Recht, „dass es die eine oder andere Spitze geben wird – völlig ungerechtfertigt natürlich“. Auch die weiteren üblichen Verdächtigen hatte er schnell ausgemacht. „Meinen Stellvertreter, völlig gerechtfertigt natürlich“, und ein paar andere, „die bitten und betteln werden“ um ein bisschen Spott. Gemeint war natürlich die Ampel.

Was den Ministerpräsidenten betraf, so war ihm seine langjährige Erfahrung dann aber sehr behilflich. Die meisten Spitzen und Schmähungen lächelte er tapfer weg, doch man sah, dass es ihm manchmal arg schwerfiel. Dass ihm die Fastenpredigt von Maxi Schaftroth „ganz gut gefallen“ habe, war schon das höchste Lob. Insgesamt sei sie „ein bisschen überzeichnet“ gewesen, und das war aus seiner Sicht mehr als nur ein bisschen untertrieben: „Was er macht, da ist die Politik ein Witz dagegen.“ Brauerei-Chef Andreas Steinfatt lud am Mittwoch zum letzten Mal zum „Derblecken“. Auf der Bühne nahm er Abschied.

Kevin Kühnert, der SPD-Generalsekretär, war zum ersten Mal Gast auf dem Nockherberg. Einerseits als „Ampel-Abgesandter“, wie er zu Beginn des Abends fröhlich mitteilte, andererseits zur beruflichen Fortbildung: „Um zu sehen, wie man wirklich gut streiten kann.“ Den bayerischen Umgang mit der Politik bekam er mehr als anschaulich demonstriert, und am Ende schien Kühnert regelrecht erleichtert, dass auch mal andere so einstecken müssen wie in Berlin sonst nur die Ampel: „Wie intensiv das hier beleuchtet wird, ist beeindruckend.“

Uli Hoeneß (hier im Archivbild mit Andreas Steinfatt) fand nicht alles gut, was Maxi Schafroth auf der Bühne darbot.

Niemand bekam in dieser Hinsicht so viel Scheinwerferlicht ab wie Hubert Aiwanger. Der Wirtschaftsminister glaubte anfangs noch, das passende Heilmittel parat zu haben: „Drei Mass Bier, dann werde ich es schon aushalten.“ Einen schweren Kopf hätte er dann aber tatsächlich bekommen können, so viel bekam er zu hören und – beim fünffachen Auftritt als Schüler Aiwanger – auch zu sehen. Doch weil er es „fast noch schlimmer erwartet“ hatte, wie er zähneknirschend gestand, konnte er sich am Ende „noch ganz gut damit arrangieren“. Nicht alle urteilten so diplomatisch. Uli Hoeneß fand die Schüler-Einlage „übers Ziel hinausgeschossen“ und haderte insgesamt: „So wichtig, wie er hier gemacht worden ist, ist er nicht“. Davon abgesehen fand er den Abend „sehr gut“.

Aigner lobt Nockherberg-Rede, CSU-Kollege fand einige Dinge „nicht sehr witzig“

Es waren so einige Passagen der Fastenpredigt, die Dieter Reiter als „ziemlich deftig“ empfand, aber keine anderen schienen den OB so zu berühren wie die zahlreichen Aiwanger-Spitzen. Der Freie-Wähler-Chef habe „sehr deutlich vor Augen geführt bekommen, was viele Leute davon halten“, wie er Politik betreibe. Man könne sich da fragen, fand Reiter, „ob das der richtige Politikstil ist“. Das klang ungewöhnlich ernst für einen solchen Anlass, aber Reiter hatte seine Worte sorgfältig bedacht. Die Predigt sei „schon amüsant“ gewesen, aber: „Er hat uns die Leviten gelesen.“

Praktisch die Einzige, bei der Schafroth eine Ausnahme machte, war Ilse Aigner. Die Landtagspräsidentin kam gut weg, doch nicht nur deshalb zollte sie der Predigt Lob. Die zum Teil schroffe Kritik fand ihre Zustimmung: „Was in den letzten zwölf Monaten gelaufen ist, hatte nichts mit Politik zu tun.“ CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek lobte „die klare Kante am Schluss gegen die AfD“ und würdigte „ein paar gute Pointen“. Er bemängelte aber auch: „Ein paar Dinge fand ich nicht sehr witzig.“ (mb/sco)

Rubriklistenbild: © Screenshot BR

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