VonDieter Dorbyschließen
Woche fünf der Baumfällungen in Miesbach neigt sich dem Ende zu. Doch erneut wurden zwei Larven und Eiablagen gefunden. Damit weitet sich die Befallszone im nördlichen Bereich aus.
Wie die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die im Siedlungsbereich als Maßnahme gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) federführend ist, berichtet, werden nun die Baumentnahmen am Zwergerweg, an Harztal- und Carl-Fohr-Straße sowie in der Riviera abgeschlossen. Damit sind etwa 80 Prozent der geplanten Fällungen erfolgt.
Anwohner kritisiert „Schreddern im Wohngebiet“
Am gestrigen Donnerstag war noch ein größerer Eingriff an der Carl-Fohr-Straße nötig, zu dem ein Kran hinzugezogen werden musste. Das gefällte Holz wurde am Parkplatz des Finanzamts gesammelt. Für die Anwohner sind die Arbeiten eine Belastung, sagt Friedrich Wiesmann. Er wohnt an der Carl-Fohr-Straße und bekommt nicht nur den dauerhaften Lärm aus der Riviera mit, sondern zudem die mit Staub belastete Luft. Was ihn dabei besonders stört: „Keiner der Arbeiter trägt einen Mundschutz – und das in Corona-Zeiten.“
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Das Schreddern des Holzes im Wohngebiet – das entnommene Holz wurde in der Riviera gehäckselt – sei eine weitere Zumutung, findet er – ebenso das „Aufräumen“ mit dem Blasegerät, das die Luft mit Feinteilchen anreichert. „So etwas darf doch nicht sein.“ Auch kritisiert er „rücksichtloses Vorgehen“: Er habe beobachtet, wie eine Ente verscheucht worden sei und Vögel sich nicht mehr auskennen, weil ihre Nistplätze verschwunden seien. Zudem habe man Haselnusssträucher mit einen Astdurchmesser von nur einem Zentimeter entfernt. Wiesmann: „Da wird nicht mitgedacht.“
Zügiger Fortschritt dank trockener Witterung
Dem widerspricht Elke Zahner-Meike, LfL-Pressereferentin in ALB-Angelegenheiten: „Wir versuchen, möglichst schnell zu arbeiten.“ Dass gerade das abendliche Häckseln eine Belastung sei, liege auf der Hand, „Aber wir müssen das Holz möglichst schnell entsorgen.“ Etwaige Käfer, die sich darin befinden, sollen keine Möglichkeit haben, sich einen neuen Standort zu suchen. Und auch die umliegende Fauna werde beachtet. So habe man an der Harztalstraße per Drohne ein Krähennest in einer Linde untersucht, ob ein Gelege oder Jungvögel darin seien – das Nest war aber leer.
Dass es gerade am Boden Schäden durch Arbeiten und Transport gebe, sei nicht zu vermeiden. Diese sollen wieder behoben werden. Insgesamt sehe die Bilanz aber gut aus – dank des anhaltend trockenen Wetters: „Der Boden ist fest, die Bedingungen waren bislang optimal. Es konnte fünf Wochen lang konstant gearbeitet werden.“
Weitere Funde in der Riviera
Weitere ALB-Funde gab es auch. In der Riviera entdeckte man zwei Larven und mehrere Eiablagen. Wie gestern Abend im Stadtrat bekannt wurde, wächst die Befallszone dadurch um rund 3000 Quadratmeter nach Norden. In der Riviera werden 70 bis 80 weitere Gehölze entnommen, zusätzliche Fällungen wird es auch am Amtsgericht geben. Immerhin: Es wurde keine Puppe gefunden. „Der ALB hat sich noch nicht zum Verlassen des Baumes bereit gemacht.“
Nächste Woche beginnen die Fällarbeiten im wohl prominentesten Bereich, dem Waitzinger Park. Bis dahin ist laut Zahner-Meike noch zu klären, ob sich in Sachen Mund-Nasen-Schutz etwas ändert. Denn bislang, so die Pressereferentin, arbeite man nach den Vorgaben des Forstes, und die sehen keine Maskenpflicht bei den Arbeiten vor. „Die Empfehlung erstreckt sich bislang ja nur auf Geschäfte und den Öffentlichen Personennahverkehr.“ Generell werde aber darauf geachtet, dass genügend Abstand eingehalten werde.
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ddy
