Warum ausgerechnet wir? Über diese Frage denkt Hannelore B. (Name geändert) oft nach. Nach zwei Schicksalsschlägen kämpft sich die alleinerziehende Mutter aus dem Landkreis gerade mühsam zurück ins Leben.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Finanzielle Probleme waren früher kein Thema, obwohl der Vater ihrer beiden Kinder nie Unterhalt bezahlt hat. „Ich habe immer gearbeitet.“ Zuletzt in München. Auf dem Weg dorthin passierte vor zweieinhalb Jahren ein folgenschwerer Unfall. Die Genesungszeit dauerte lange, ihr Arbeitsvertrag lief aus. Wenige Monate später stellten die Ärzte bei dem Sohn von Hannelore B. dann eine lebensgefährliche Krankheit fest.
Um die Anonymität der Familie zu wahren, sollen an dieser Stelle keine Details genannt werden. Nur so viel: Der junge Mann schwebt nicht mehr in Lebensgefahr. Körperlich aber ist er sehr geschwächt, wiegt nur noch 52 Kilogramm bei einer Größe von über 1,80 Meter. Hinzu kommen Depressionen. Und das Wissen, dass die Krankheit jederzeit wieder kommen kann. „Ich kann und will ihn noch nicht alleine lassen“, sagt Hannelore B.
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Dabei würde sie gerne wieder arbeiten. Derzeit lebt sie von Hartz IV. 480 Euro bleiben nach Abzug der laufenden Kosten monatlich übrig. Einen großen Teil davon gibt sie für Medikamente und eine spezielle Flüssignahrung für ihren Sohn aus. „Das ist das Wichtigste, alles andere stelle ich hinten an.“ Finanziell schwer ins Gewicht fällt ein Vertrag mit einem Fitnessstudio, aus dem ihr Sohn nicht herauskommt: Dabei besitzt er einen Schwerbehindertenausweis und kann sich kaum auf den Beinen halten.
Aus dem Haus geht er nur, wenn er zu Ärzten oder zur Krankengymnastik muss. Da sich Hannelore B. kein Auto leisten kann, müsste er den Bus nehmen. „Das ist ihm aber zu viel.“ Kann sein Bruder ihn nicht fahren, muss die Mutter ein Taxi rufen – obwohl das eigentlich ihr Budget weit übersteigt. Auf familiäre Unterstützung kann Hannelore B. nicht hoffen: Ihre Eltern sind bereits tot, der Vater ihrer Kinder hat eine neue Familie gegründet und kümmert sich nicht um seine beiden Söhne.
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Um beruflich wieder Fuß zu fassen, hat Hannelore B. bei der Servicestelle „Frau und Beruf“ in Bad Tölz den Wirtschaftsschein gemacht. Eine Mitarbeiterin stellte den Kontakt zu Ilka Öhrlein von der Diakonie Oberland her. In ihr hat die alleinerziehende Mutter jemanden gefunden, der ihr zuhört und Mut zuspricht.
Ilka Öhrlein hatte auch die Idee, Hannelore B. mit Spendengeldern aus der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ von Tölzer Kurier und Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur finanziell unter die Arme zu greifen. Öhrlein betont: „Es fehlt an fast allem.“
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