Hans Reiser stellt im Kunstbunker aus

"Alles ist so gemalt, wie es gemeint ist"

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Auf den Strich gebracht: Bei der Eröffnung seiner Ausstellung bot der bekannte Zeichner, Illustrator und Karikaturist Hans Reiser (li.) im Geretsrieder Kunstbunker eine kunsthistorische Neuerung, nämlich die erste Auto-Laudatio.

Geretsried – Werke von Hans Reiser sind bis zum 29. September im Geretsrieder Kunstbunker zu sehen.

Hans Reiser braucht man nicht vorzustellen. Dennoch ist es wirklich etwas Besonderes, wenn einer, wenn nicht sogar der bekannteste zeitgenössische Zeichner, Illustrator und Karikaturist der Region, erstmals in Geretsried ausstellt. Am Samstag wurde seine Werkschau im Kunstbunker von Albrecht Widmann mit einer Vernissage eröffnet.

Dicht an dicht drängten sich die Besucher, darunter erstaunlich viele Lokalpolitiker, um einen Blick auf Reisers Gemälde, Illustrationen und Karikaturen zu erhaschen. In beneidenswert genüsslicher Ruhe begrüßte Protagonist Reiser sie alle mit funkelnd wachen Augen und einer herrlich ironischen Ansprache, während die Wände der Galeriehalle in künstlerischem Furioso das karnevaleske, absurde Leben widerspiegelten. Die hohen Decken des Kunstbunkers als „Luft nach oben für die Kunst“ zu interpretieren, wies Reiser augenzwinkernd von sich, bot dafür aber eine „kunsthistorische Neuerung, nämlich die erste Auto-Laudatio“. 49 Bilder seien ausgestellt, „alle in unzeitgemäßer Form, nämlich in obszöner Erkennbarkeit“, sagte Reiser. Und: „Alles ist so gemalt, wie es gemeint ist.“

Die künstlerische Sozialisierung des 1951 geborenen Künstlers fand laut eigener Aussage „in der katholischen Kirche“ statt. Was er dort als Ministrant vor Augen hatte, faszinierte ihn „technisch – inhaltlich weniger“, wie er sagte. Und als er die Comics für sich entdeckte, keimte ihn ihm die Begeisterung fürs Zeichnen. „Mir kommt es nicht auf neue Formen der Darstellung an, sondern auf neue Inhalte“.

Bei Reiser entfaltet sich die spitze Feder mit analytischer Akribie, bodenständigem Humor und einem einzigartigen Sinn fürs Quer- und Hintersinnige. Seine Werke sind hochfein gearbeitete Schnappschüsse aus dem kollektiven Unterbewusstsein der Gesellschaft, vor allem des „Homo Bavaricus“ und insbesondere des „Homo bavaricus möchtergernseins“. Er führt dem Betrachter mit leichter Hand fantastische Figurationen vor, gesponnen aus Konträrem, aus Groteskem, Ironischem und Abgründigem.

(Claudia Koestler)

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