Die Schlacht von Hoflach jährt sich zum 600. Mal. Mit ihr endete ein dreijähriger Krieg. Doch was genau am 19. September 1422 dort passierte, weiß niemand.
Alling/Fürstenfeldbruck – Bei der Schlacht von Hoflach sind drei Truppen von drei verfeindeten Wittelsbacher Herzögen aufeinandergetroffen – und der dreijährige sogenannte „Bayerische Krieg“ hat sein Ende gefunden. Ludwig VII. von Ingolstadt musste Frieden schließen, die Sieger, die Herzöge Ernst und Wilhelm von München, stifteten später eine Kapelle am angeblichen Ort des Geschehens.
Aber was genau sich am 19. September 1422 nahe Hoflach oder doch eher unter dem Parsberg zwischen Puchheim und Alling abspielte, weiß heute kein Mensch. Waffen- oder Knochenfunde gibt es ebenso wenig wie wirklich zeitgenössische Berichte. Erst Jahre später verfasste ein – wohl nicht ganz unparteiischer – Chronist eine Nacherzählung.
Wahrer Kern und Legende nur schwer zu trennen
Demnach flohen die Ingolstädter nach einem eher kurzen Gefecht Richtung Heimat und blieben im Allinger Moor stecken. Die Münchner, die angeblich nur einen einzigen (prominenten) Gefallenen zu beklagen hatten, sollen mehrere Hundert Gefangene gemacht haben.
Was davon Legende ist, wie viel wahrer Kern darin steckt, lässt sich nicht mehr sagen. Der Historische Verein für den Landkreis, der vor dem Jubiläum noch einmal in den Archiven stöbern ließ, ist zwar auch zu keinen wirklich neuen Erkenntnissen gelangt, hatte vor Kurzem aber einen Historiker zu Gast, der die Schlacht oder das Gefecht von Hoflach zumindest in einen größeren Zusammenhang einordnen konnte.
Kleine zusammengewürfelte Söldner-Heere
Laut Fabian Fellersmann, der im Fürstenfelder Churfürstensaal referierte und demnächst mit einer Arbeit über das mittelalterliche Schlachtgeschehen promovieren will, waren schwere Kämpfe zwischen zahlenmäßig großen Streitkräften – anders als noch in der Antike und später wieder in der Neuzeit – die Ausnahme. Es gab schlicht keine stehenden Heere, kein Militär im heutigen Sinn.
In der Regel suchten eilig zusammengewürfelte Söldner-Truppen des Gegners Territorium heim, um Städte zu belagern oder das flache Land zu verwüsten. Größeren Gefechten ging man aus dem Weg. Das heißt nicht, dass nicht mit großer Brutalität gekämpft wurde, wenn es doch einmal so weit war. Nur fiel die Entscheidung meistens schnell.
Schlachten waren selten und schnell zu Ende
Waren die eigenen Linien einmal durchbrochen, konnte man sich um keine Fahne mehr sammeln, war vielleicht sogar der Feldherr oder Führer des eigenen Kontingents gefallen, so war der eher ungeordnete Rückzug oder die eilige Flucht das Gebot der Stunde. Loyalitäten zu einer Person oder gar einer Sache gab es kaum. Nur wenige der Kontrahenten dürften kampferprobt gewesen sein, weil es eben an Gelegenheiten mangelte. Und angesichts des damals nur rudimentären Nachschubwesens wird die Truppe aus höchstens einigen Tausend Mann bestanden haben.
Da also Schlachten selten waren und in der Regel einen eindeutigen Sieger hatten, bedeuteten sie auch ein „enormes politisches Risiko“, meinte der Referent. Nur zwei Wochen nach der Begegnung bei Alling musste der Ingolstädter Ludwig Frieden schließen. Nach heutigen Maßstäben mag die „Schlacht von Hoflach“ nur ein Scharmützel gewesen sein. „Aber wenn die Zeitgenossen das als Schlacht wahrgenommen haben, dann war es auch eine“, so Historiker Fellersmann. (Olf Paschen)