Der Wolf, das Bienen-Volksbegehren und das Thema Wegebau kamen in der Almbauernversammlung in Lenggries zur Sprache.
Lenggries – Die Almbauernversammlung am Josefitag im Lenggrieser Wieserwirt hat nicht nur Tradition, sondern auch alle Jahre wieder ein gut gefülltes Programm. Heuer standen Neuwahlen auf der Tagesordnung – ein rasch abgehandelter Akt, denn der amtierende Bezirksalmbauer Hans Probst und sein Stellvertreter Klaus Kohlauf stellten sich erneut zur Verfügung und wurden von den anwesenden Almbauern einstimmig bestätigt.
Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO), hatte in seinem Rückblick auf das abgelaufene Jahr eine Vielzahl von relevanten Themen zusammengefasst. In Sachen Almwegebau sei völliger Stillstand eingetreten, stellte der Vorsitzende fest. Viele Almbauern haben laut Mair wohl resigniert aufgrund der zeit- und nervenraubenden Hürden und oftmals auch öffentlichen Anfeindungen, die mit so einem Vorhaben einhergehen. „Lasst euch davon nicht beirren“, wandte sich Mair an die Anwesenden, „der AVO unterstützt euch.“
Zur Sprache kam natürlich auch das Bienen-Begehren. „Man hätte besser zuvor diskutieren sollen als der Landwirtschaft starre Regeln und Termine vorzuschreiben“, betonte Mair. Auch Bürgermeister Werner Weindl zeigte sich mit der Art und Weise des Vorgehens nicht einverstanden. Er sei überzeugt, dass viele der Unterstützer sich nicht genauer über die Inhalte des Volksbegehrens informiert hätten. Wohl vor allem der geschickt gewählte Titel „Rettet die Bienen“ hätte viele Leute zu einer Unterschrift animiert. Artenschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, auch der Städter sei gefordert. Mit einer Gemeindefläche, die als Blühwiese bewirtschaftet wird, hat Weindl eigene Erfahrungen gemacht: „Diese Wiese wird halt nicht oft gemäht, und da bin ich schon öfters geschimpft worden, dass dieses Grundstück so schlampig ausschaut.“
Ständige Schuldzuweisungen machen schlechte Stimmung
Bei den Bauern herrsche ob der ständigen Schuldzuweisungen schlechte Stimmung und Resignation, stellte Landrat Josef Niedermaier fest. Was tun gegen die Schlechtrederei, die über die sozialen Netzwerke die weite Öffentlichkeit erreiche? Zudem funktioniere auch die Lobbyarbeit der Gegenseite bestens. Die Bauern könnten wohl nichts anderes tun als „mit den Leuten reden, reden, reden“, so Niedermaier.
Die Fronten etwas abzumildern versuchte schließlich Hans Urban, der als neuer Landtagsabgeordneter der Grünen erstmals bei der Almbauernversammlung zu Gast war. Nicht „die Bauern“ seien angeprangert als (Mit-)Verursacher des Artensterbens, sondern vielmehr „unser Agrarsystem, das wir uns in den vergangenen 70 Jahren zugelegt haben. Wir haben da alle mitgemacht, und auch die Gesellschaft wollte es so.“ Er sehe jetzt die Chance, dieses System in eine andere Richtung zu lenken.
Nicht zufrieden ist Mair indes mit den Bestimmungen des neuen Bayerischen Aktionsplans „Wolf“. Zwar gäbe es darin die Möglichkeit, in Problemsituationen Problemtiere erlegen zu dürfen. Doch seien damit wiederum so viele Bedingungen verbunden, dass eine Ausführung des Abschusses schwierig sei. Der AVO habe bei seinen Erkundungen in anderen Wolfsländern immer dieselbe Rückmeldung bekommen: Wolf und Weidehaltung passen nicht zusammen. „Und dabei betonen alle Wissenschaftler, wie wichtig die Weide- und Almwirtschaft für die Artenvielfalt ist.“ Urban sprach sich dafür aus, den Schutzstatus des Wolfs um eine Stufe zurückzusetzen. ROSI BAUER
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