VonElena Benediktschließen
In der evangelischen Gemeinde Schongau herrscht große Aufregung. Seit über 40 Jahren feiern sie an Heiligabend einen Gottesdienst in der Basilika. Heuer nicht.
Altenstadt/Schongau – Die evangelische Kirchengemeinde Schongau ist in der Basilika Altenstadt ab sofort unerwünscht – das lasen einige aus dem jüngsten Gemeindebrief heraus. Darin heißt es, dass unter anderem der Weihnachtsgottesdienst nicht mehr in Altenstadt stattfindet. Darum gingen viele davon aus, dass in der Basilika grundsätzlich keine evangelischen Gottesdienste mehr gefeiert werden dürfen.
Ein Missverständnis, erklärt Altenstadts katholischer Pfarrer Karl Klein. Es tut ihm leid, dass dieser Eindruck erweckt wurde. Die evangelische Gemeinde sei in der Basilika weiterhin willkommen. „Allerdings haben wir darum gebeten, an den Festtagen abwechselnd zur Basilika auch andere Kirchen unserer Pfarreiengemeinschaft zu nutzen, zum Beispiel die in Schwabsoien und Hohenfurch.“
Evangelische Gemeinde ist enttäuscht
Trotzdem herrscht in der evangelischen Gemeinde große Unruhe, erzählt Pfarrer Jost Herrmann. Seit über 40 Jahren haben sie ihre Christvesper in der Basilika gefeiert, weil die evangelische Kirche in Schongau nicht genug Platz für die vielen Gläubigen bietet, die an Weihnachten den Gottesdienst besuchen. Dass die Tradition nun vorbei sein soll, enttäuscht viele.
Pfarrer Klein begründet die Entscheidung
Pfarrer Klein hat die umstrittene Entscheidung nach längerer Beratung zusammen mit der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat getroffen. Er führt zwei Gründe an: Nach dem vergangenen Weihnachtsfest haben die Mesner der Basilika um Entlastung gebeten. In der Kirche finden das ganze Jahr über sehr viele Feiern statt. Seien es Gottesdienste, Hochzeiten oder Konzerte. „Gerade an den Festtagen ist die Belastung groß, da möchten die Mesner verständlicherweise auch einmal daheim bei ihrer Familie sein.“
Außerdem sollte im Zuge der Entscheidung eine transparente Regelung geschaffen werden, die für alle gilt. Schließlich gibt es in Schongau noch weitere christliche Konfessionen. Wer eine Kirche für einen Gottesdienst braucht, bekommt auch eine. Ein Anspruch auf die Basilika besteht aber nicht mehr.
Erste Gespräche schon im Januar
Deshalb ist Klein bereits im Januar auf die Vertreter der evangelischen Gemeinde zugegangen. „Es war immer klar, dass die evangelische Gemeinde nicht auf der Straße steht, sondern wir lediglich darum bitten, die Kirchen abzuwechseln“, sagt Klein. „Das erschien uns ein guter Kompromiss zu sein.“
Pfarrer Herrmann ist dankbar über das Angebot. Aber die Messe in der Basilika hätte eben jahrzehntelange Tradition. „Wir fühlen uns dort schon heimisch“, sagt Herrmann. Die romanische Basilika liege ihnen auch geschichtsbedingt näher als Barockkirchen. „Außerdem ist die Kirche in Altenstadt für unsere Gemeindemitglieder von Bernbeuren bis Denklingen gut erreichbar.“
Auf das Angebot, in einer anderen Kirche der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt zu feiern, sind sie heuer noch nicht zurückgekommen. Stattdessen finden drei Gottesdienste in der Schongauer Dreifaltigkeitskirche statt. Weil diese Kirche aber relativ klein ist, wird zusätzlich ein Gottesdienst in der Heiliggeist-Kirche gefeiert. Dort finden sonst nur selten Gottesdienste statt. „Für heuer haben wir eine gute Lösung gefunden. Wie wir es in den kommenden Jahren handhaben, steht noch nicht fest“, sagt Herrmann. Mit Klein wolle er noch einmal darüber sprechen, denn der Wunsch, in den nächsten Jahren wieder in der Basilika zu feiern, besteht unverändert.
So läuft es Heiligabend
Um 15.30 und 16.30 Uhr finden in der Schongauer Dreifaltigkeitskirche evangelische Familiengottesdienste statt, um 18 Uhr die Christvesper und um 22 Uhr die Christmette. Zusätzlich lädt die Gemeinde um 16.30 Uhr in die Heiliggeist-Kirche St. Anna in Schongau zu einem Gottesdienst ein. Pfarrer Jost Hermann weist allerdings darauf hin, dass diese Kirche nicht beheizt ist.
