Für Führungskräfte halten sie ein Limit aber für sinnvoll

Altersgrenze für aktive Feuerwehrler: Experten im Landkreis Erding befürworten Anhebung auf 67 Jahre

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Zwei ehemalige Kreisbrandräte und der amtierende (v.l.): Willi Vogl, Florian Pleiner und Alois Sinseder. Vogl und Pleiner halten ein Alterslimit für Führungskräfte für sinnvoll.
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„Stell dir vor, es brennt und keiner kommt.“ Mit diesem Slogan werben die Feuerwehren um Mitglieder. Nicht nur die Suche nach neuen Engagierten soll Personalengpässen im Einsatz entgegenwirken. Die Anhebung der Altersgrenze soll es Feuerwehrleuten demnächst ermöglichen, zwei Jahre länger im aktiven Dienst zu bleiben. Bislang war mit 65 Schluss. Das sagen die Experten im Erdinger Land dazu.

Erding – Noch in diesem Jahr soll die Altersgrenze auf 67 angehoben werden – eine Angleichung ans gesetzliche Rentenalter. Die Experten im Landkreis befürworten das, sehen aber auch Bereiche, in denen die Jugend Vorrang haben sollte. Durchweg positiv sieht es Kreisbrandrat Florian Pleiner. Eine Altersgrenze bei 65 Jahren empfindet er als nicht mehr zeitgemäß. „Die Leute sollen arbeiten bis 67 und älter, aber bei der Feuerwehr setzt man bei 65 eine harte Grenze. Darin kann ich keinen Sinn erkennen“, erklärt er im Telefonat mit der Heimatzeitung. Grundsätzlich könne man diskutieren, ob eine Altersbegrenzung überhaupt notwendig sei.

Regelmäßige Untersuchungen

Schließlich seien alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr eben freiwillig aktiv. „Natürlich muss man darauf achten, sich keinen unnötigen Gefahren auszusetzen“, räumt Pleiner ein. Doch das sei innerhalb des Feuerwehrdienstes ohnehin geregelt. Atemschutzträger beispielsweise müssten sich regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen unterziehen. Und auch die Maschinisten, die sich immer wieder um die Verlängerung der Fahrerlaubnis kümmern müssen, würden medizinisch durchgecheckt.

Als erforderlich sieht der 34-jährige Kreisbrandrat ein Alterslimit für Führungskräfte an. „Da ist sie durchaus nötig, denn einen 70-Jährigen beispielsweise als Kreisbrandrat einzusetzen, macht aus meiner Sicht wenig Sinn.“ Dieser Ansicht ist auch Willi Vogl, Pleiners Vorgänger. Er hat seinen Posten mit 63 abgegeben. „Gerade auf den Führungspositionen gehören junge Leute mit frischen Ideen her. Sonst ist das der Tod der Feuerwehr.“

Vogl hat schon viele Diskussionen um die Altersgrenze miterlebt. „Man hat sie von 60 auf 63 angehoben, dann auf 65, und jetzt diskutiert man um die 67. Da frage ich mich, was die Diskussionen sollen. Das sollte man grundsätzlich ans gesetzliche Rentenalter koppeln.“ Das bedeute nicht automatisch, dass die älteren Mitglieder immer vorne mit dabei sein müssen. Durchaus gebe es im Feuerwehrdienst immer Aufgaben, die weniger belastend seien. „Es ist doch ganz klar, dass ein 66-Jähriger nicht unbedingt mitten in der Nacht aufstehen muss, um mitzufahren.“

Gerade auf den Führungspositionen gehören junge Leute mit frischen Ideen her. Sonst ist das der Tod der Feuerwehr.“

Ex-Kreisbrandrat Willi Vogl

Guido Mann, Kommandant der Notzinger Wehr, verweist auf das Wissen, das ältere Mitglieder haben. „Leute, die seit 40 Jahren aktiv sind, bringen natürlich eine Menge wertvolle Erfahrung mit.“ Sie könnten gewisse Situationen oftmals besser einschätzen als junge Kräfte, betont auch der Finsinger Kommandant Martin Kneissl. „Gerade bei der Feuerwehr ist es enorm wichtig, dass Alt und Jung miteinander arbeiten. Die Älteren können Gefahrenquellen oftmals besser einschätzen und sind so eine sehr wertvolle Unterstützung.“

Notzings Kommandant Guido Mann verweist auf die Erfahrung der Älteren.

Dass ein 65-Jähriger gewisse schwere Tätigkeiten nicht mehr ausüben muss, sei Sache der Führung in der Feuerwehr. Das betont der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Erding, Thomas Hagl. Auch er befürwortet die Heraufsetzung der Altersgrenze. „Als Zimmerer soll man beispielsweise bis zur Rente auf dem Dach herumklettern, und bei der Feuerwehr dürfte man das dann nicht. Das beißt sich“, so Hagl.

Er appelliert dennoch an die Vernunft der Ehrenamtlichen: „Es gibt auch durchaus Ältere, die nicht aufhören wollen, obwohl sie schon genug geleistet haben. Das ist bei kleineren Feuerwehren weniger das Problem, weil die Einsatzzahlen nicht so hoch sind. Wenn man aber im Stadtgebiet aktiv ist, ist das schon eine größere Belastung, der man ausgesetzt ist.“ Viele, die mit 60 noch dabei seien, seien damit aufgewachsen. Für sie bilde der Feuerwehrdienst einen großen Bestandteil des Lebens, den man nicht einfach aufgeben wolle. „Es sollte grundsätzlich jeder für sich entscheiden. Auch wenn die Altersgrenze angehoben wird, ist das immer noch eine freiwillige Sache.“ Hagl empfiehlt, sich bewusst zu machen, was man leisten könne und wolle. Dann sei ein Gespräch mit den Führungsverantwortlichen unabdingbar. „So kann man Tätigkeiten ausführen, die nicht überlasten.“

Einen Vorteil sehen Kneissl und Mann in der Tageseinsatzbereitschaft. So seien Kräfte, die in Altersteilzeit arbeiten, tagsüber leichter einsatzbereit. „Und je mehr Aktive wir bei der Feuerwehr haben, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass tagsüber Kräfte verfügbar sind“, betont Mann.

Boom bei den Kindergruppen

Um die Tagesalarmstärke zu erhöhen, muss man Pleiner zufolge aber vor allem beim Nachwuchs ansetzen. „Wir haben im Landkreis glücklicherweise aktuell keine Probleme, Nachwuchs zu finden. Je mehr Leute bei der Feuerwehr aktiv sind, desto höher ist normalerweise die Tagesalarmstärke“, sagt er. Deshalb befürwortet Pleiner auch die Senkung des Eintrittsalters in die Jugendfeuerwehr von aktuell zwölf auf zehn Jahre. Auch das wird immer wieder diskutiert.

Pleiner verweist auf den Lehrplan der Schulen, der in diesem Alter die Brandschutzerziehung vorsieht. Es sei sinnvoll, gerade dann den Einstieg zu ermöglichen. „Die Kinder kommen dann schon mit Material und Gerät in Berührung und erfahren verstärkt Hintergrundwissen.“

Beliebt ist das Angebot der Kinder-Feuerwehr ab sechs Jahren mit spielerischer Heranführung. „Die Kinder-Feuerwehren boomen. Aber sie bedeuten einen sehr hohen personellen und zeitlichen Aufwand. Das können viele Wehren nicht leisten“, sagt Hagl. Und Mann bestätigt: „Eigentlich benötigt man Personen mit pädagogischem Hintergrund.“ Häufig arbeiten deshalb Feuerwehren mit ihren Kinder- oder Jugendgruppen zusammen. Das empfiehlt auch Pleiner.

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