- VonAndreas Reicheltschließen
Es ist immer das gleiche Muster: Unbekannte beschädigen Bienenhäuser, dringen ein und stehlen teils sogar Waben. Seit Jahren kommt es im Landkreis Altötting immer wieder zu solchen Vorfällen. Nun wenden sich die Imker an die Öffentlichkeit.
Emmerting / Landkreis Altötting - Ein Unbekannter kommt zu einem Bienenhaus in Emmerting und schlägt ein Fenster ein. Darin gibt es keine wirkliche Beute, es entsteht nur Schaden. Die Polizei bittet um Hinweise zu dem Vandalen, der diese sinnfreie Tat zwischen dem 28. April und dem 30 April begangen haben soll. Laut Pressemitteilung „einer von mehreren ähnlichen Vorfällen, bei denen in letzter Zeit Bienenhäuser verschiedener Imker beschädigt wurden.“ Wir haben beim Besitzer nachgefragt und trafen auf besorgniserregende Umstände. Denn die Imker im Landkreis sind seit Jahren Ziel von Vandalen.
Vandalismus an Bienenhäusern im Lkr. Altötting in Bildern




„Leider kam es auch in den vergangenen Jahren immer wieder zu Sachbeschädigungen an Bienenständen, von umgestoßenen Bienenbeuten, eingeschlagenen Scheiben und abgerissenen Windbrettern und -blechen wurde berichtet“, so Andreas Berger, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Emmerting-Mehring sowie Wespen- und Hornissenbeauftragter für die Gemeinde Emmerting.
Jüngste Häufung an Schäden zu verzeichnen
„Seit März dieses Jahres scheint es aber eine gewisse Häufung solcher Übergriffe zu geben. Konkret sind mir vier Bienenhäuser gemeldet worden, die teilweise gleich an drei Tagen beschädigt wurden. Drei der betroffenen Bienenhäuser sind in der Nähe des Dammes, der jüngste Fall ist am weißen Berg Richtung Neuötting. Allen Fällen ist gemein, dass Scheiben eingeworfen wurden, teilweise mussten dafür Holzläden weggerissen werden. In zwei Fällen wurde die Tür beziehungsweise das Schloss aufgebrochen oder demontiert“, so der Imker weiter.
„Zu holen gibt es in den Bienenhäusern eigentlich nichts, auch wenn wir festgestellt haben, dass sie durchsucht wurden. Wenn überhaupt, lagert dort nur wenig Werkzeug zum Arbeiten an den Bienenstöcken.“ Erklären könne er sich die blinde Zerstörungswut nicht. „Auf imkerlicher Seite ist die sinnlose Zerstörung aber sehr ärgerlich. Viele unserer Mitglieder nutzen und erhalten ihre Hütten schon Jahrzehnte, manche wurden sogar schon in der Familie oder an neue Imkergenerationen weitergegeben. So ist neben dem Schaden an der Sache definitiv auch die emotionale Komponente stark betroffen.“
Waben auf Kinderspielplatz entsorgt - Täter mit vielen Bienenstichen aufgefallen?
Die Vandalen gehen dabei rücksichtslos vor. Nicht nur gegenüber den Tieren, wie Berger weiter erzählt. „An mindestens zwei Hütten wurden definitiv auch Waben - noch mit Winterfutter, also keinem Honig - herausgenommen. Die meisten wurden vor Ort zerstört.“ Besonders prekär wurde jedoch ein anderer Fall: „Bezüglich einer Wabe wurde ich als Wespenberater kontaktiert, da sie am Spielplatz abgelegt wurde, was zu großem Auflauf von Bienen an der Rutsche führte.“
Hier sieht Berger eine Möglichkeit, die Täter zu identifizieren. „Generell sind Bienen aber durchaus wehrhaft: Wer nicht zimperlich mit den Beuten umgeht, sieht sich zu dieser Jahreszeit schnell mit mehreren zehntausend Bienen konfrontiert. Da gerade erst wieder Beuten geöffnet wurden, möchte ich gerne die Öffentlichkeit um Hinweise bitten, ob jemand mit vielen Stichen aufgefallen ist. Leider stehen wir bezüglich der Täter im Dunklen.“
Gefahr für die Tiere
Dass immer wieder Waben freigelegt und die Tiere gestört werden, ist für die Imker ein großes Ärgernis. „Dies ist auch eines der Gefahrenpotentiale für die Honigbienen: Durch solche offenen Futterquellen können im schlechtesten Fall Bienenkrankheiten verbreitet werden.“ Doch das ist nicht die einzige Folge.
„Dem geplünderten Bienenvolk stehen außerdem gerade bei Kälteeinbruch, wo die Bienen nicht zur Nektar- und Pollensuche ausfliegen können, weniger Reserven zur Verfügung. Dies führt zu langsamerer Entwicklung der Volksstärke, was neben geringerer Honigernte für den Imker das Volk auch allgemein anfälliger für Krankheiten oder Plünderung durch stärkere Bienenvölker macht. Sind die Futterreserven bei so einem mehrtägigen Kälteeinbruch mit Schlechtwetter, wie wir ihn gerade erst im April hatten, zu klein, verhungert das Volk schlicht.“ Ein Umstand, der so nicht mehr tragbar ist.
Große Bedeutung für die Umwelt
„Alle Hautflügler, zu denen mit den Wespen und wespenartigen auch die vielen Wildbienenarten, Hummeln und eben auch die Honigbienen gehören, leisten ihren Beitrag zu einem funktionierenden Ökosystem“, erklärt Berger die Bedeutung der Tiere. „Der Honigbiene kommt hier eine gewissermaßen herausgehobene Position zu, da sie als einzelne Art für mehr als 80 Prozent der Bestäubungsleistung bei uns verantwortlich ist.“
Aktuell sei dies besonders wichtig: „Da gerade noch der Raps blüht: Eine bestäubte Pflanze gibt bis zu 38-fachen Ertrag gegenüber den unbestäubten. Genauso entwickeln nur die bestäubten Blüten Äpfel, Kirschen, Birnen und so weiter. Darüber leisten die Honigbienen und indirekt die sie betreuenden Imker einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur lokalen Lebensmittelproduktion.“ Wichtig für Mensch und Umwelt. Schäden ohne wirkliche Beute. Es wird Zeit, dass diese jahrelang wiederkehrenden Vandalismusfälle endlich aufhören.
Die Meldung der Polizei nochmals im Wortlaut
Unbekannter Täter beschädigt Bienenhäuser: Polizei sucht Zeugen
Zwischen dem 28. April 2024, 13 Uhr, und dem 30. April 2024, 20:10 Uhr, wurde an der Staatstraße 2108 in Emmerting das Fenster eines im Wald gelegenen Bienenhauses durch einen unbekannten Täter beschädigt. Der Täter benutzte einen Gegenstand, um das Fenster einzuschlagen. Dieser Vorfall ist einer von mehreren ähnlichen Vorfällen, bei denen in letzter Zeit Bienenhäuser verschiedener Imker beschädigt wurden.
Die Polizeiinspektion Altötting bittet Zeugen, die sachdienliche Hinweise zu diesem Vorfall geben können, sich unter der Telefonnummer 08671 9644-0 zu melden.
ar
