VonPatrick Staarschließen
Mit diesem großen Andrang hatten die Veranstalter nicht gerechnet: 81 Jugendliche wollten Tipps vom Profi bekommen.
Lenggries/Bad Tölz – Fischen: Das ist mehr als nur eine Schnur und einen Köder ins Wasser zu halten. Zum Fischen gehört auch viel Technik und Fachwissen. Dem Nachwuchs diese Fähigkeiten vermitteln – darum ging es am Samstag beim ersten Jugendfischer-Camp am Sylvensteinsee. Ein Angebot, das bestens ankam: 81 Kinder und Jugendliche wurden von 50 erfahrenen Fischern betreut. „Dafür, dass wir das zum ersten Mal anbieten, ist das eine ganz starke Resonanz“, sagt Florian Herzinger, Zweiter Vorsitzender des Bezirksfischereivereins Bad Tölz. Die Tölzer richteten das Camp gemeinsam mit dem Fischereiverein Lenggries aus. Für die Planung waren Jugendleiter Klaus Böhm und Dori Baumgartner zuständig.
Zu den Helfern gehört Bertl Bussjaeger. Er gab den Jugendlichen klare Anweisungen, wie sie die Angel bewegen müssen: „Die Angel nach vorne ziehen. Stopp. Die Angel nach hinten ziehen. Stopp. Warten bis sich die Schnur ausgestreckt hat. Wieder nach vorne. Stopp.“
Ein paar Meter weiter steht Manfred Gieret. Er hat noch ein paar Jahre mehr Erfahrung auf dem Buckel als Bussjaeger. Er rät seinem jungen Schützling, den eigenen Wurfstil zu finden und sich nicht an „Wurfkünstlern“ zu orientieren: „Ich akzeptiere das, was die machen, das ist toll. Die trainieren den ganzen Winter – aber mit dem eigentlichen Fischen hat das nichts mehr zu tun.“ Letztlich reiche es, wenn man dorthin trifft, wo man die Fische vermutet – gleich ob mit Kunstwurf oder ohne Kunst. Gierets Tipp an seinen Schützling, wie er seine Angel bewegen soll: „Stell dir vor, da vorne ist ein Fußballtor. Den Pfosten hoch, dann rüber nach links und wieder runter.“ Sein Schüler macht die Bewegung konzentriert nach und bekommt Lob: „Genau so.“
„Das Schöne ist, dass alle Kinder voll dabei sind“, sagt Herzinger. „Keiner hat ein Handy dabei. Alle konzentrieren sich auf die Erklärungen.“ Selten ist aber auch bei einem Lehrgang so viel Kompetenz versammelt. Zu den Lehrern gehört unter anderem Johannes Dietel, der im vergangenen Jahr in Holland den Raubfisch-Weltmeistertitel gewonnen hat. Dietel betreute eine der sechs Stationen, die die Lenggrieser und Tölzer Fischereivereine aufgebaut hatten. Sein Fachgebiet: Kunstköder und Schnurarten, die mehr oder weniger dehnbar sind.
Auch Herbert Ziereis vom Angelservice Oberbayern war von Zuhörern umringt. Er zeigte, wie man richtig Knoten macht. An einer weiteren Station ging es darum, wie man Fische schonend ins Wasser zurücksetzt – beispielsweise wenn sie zu klein sind. An der nächsten Station erfuhren die Jugendlichen, wie sie sich bei einer Sturmwarnung richtig verhalten. Zum Schluss durften die Teilnehmer des Camps auf den See fahren und selbstständig fischen – am Abend kam der Fang dann auf den Grill.
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„Wir Angler müssen uns in einigen Bereichen ändern und anpassen“, sagt Herzinger. Moderne Ansätze und eine ökologische Grundhaltung gehören seiner Ansicht nach dazu. „In Zukunft soll nicht nur der gefangene Fisch in der Pfanne zählen, sondern auch der behutsame Umgang mit den Lebewesen des Wassers.“, sagt er. „Nur so haben wir die Chance, unsere wunderbaren Fischwasser für unsere Kinder zu erhalten.“
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