Wald

Amt warnt vor Borkenkäfer: Schädling bohrt sich sogar in stehende Fichten

+
Braunes Bohrmehl ist ein Anzeichen für Borkenkäferbefall. Waren bisher vor allem vom Sturm geworfene Fichten betroffen, bohrt sich der Käfer nun auch in stehende Fichten ein, warnt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen. 
  • schließen

Es ist eine der Folgen der anhaltenden Wärme und Trockenheit: Der Borkenkäfer breitet sich in Bad Tölz-Wolfratshausen aus. Wachsamkeit ist gefragt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Warm und trocken – diese Bedingungen liebt der Borkenkäfer. Entsprechend rege vermehrt er sich. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen ruft Waldbesitzer dazu auf, jetzt nach verdächtigen Anzeichen für einen Befall Ausschau zu halten.

Borkenkäfer bohrt sich in stehende Fichten ein

„Es besteht noch nicht die höchste Alarmstufe“, betont der Wolfratshauser Forstrevierleiter Robert Nörr vom AELF Holzkirchen. Aber man bemerke eben verstärkten Befall durch den Borkenkäfer. Das betrifft insbesondere die nördlichen Gebiete im Landkreis. „Aber auch aus Lenggries haben wir schon Meldungen“, sagt Nörr. Und: „Waren bisher vor allem vom Sturm geworfene Fichten vom Borkenkäfer befallen, bohrt sich der Käfer nun auch in stehende Fichten ein“, informiert Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF.

Korbinian Wolf, Bereichsleiter Forsten am AELF in Holzkirchen.

Hiervon seien bislang vor allem vorgeschädigte Fichten betroffen, „die an ihren fahlen, gelbstichigen Nadeln meist gut zu erkennen sind. In deren Umfeld sind dann aber oft auch gesund aussehende Fichten befallen“, so Wolf. Diese Bäume müssten umgehend aufgearbeitet werden. Am besten habe sich bewährt, den Baum mit allen starken Ästen aus dem Wald zu bringen und mindestens 500 Meter entfernt vom nächsten Wald zu lagern. „Wer in dieser ersten Welle die Käferfichten erkennt und unschädlich macht, verhindert eine Massenvermehrung und beugt Neubefall besonders effektiv vor“, erklärt Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen.

Schwärmflug des Borkenkäfer in den nächsten Tagen

In den nächsten Tagen wird auch in den südlicheren Gebieten des Landkreises ein stärkerer Schwärmflug des Borkenkäfers erwartet. Damit wird vermehrt braunes Bohrmehl sichtbar, das beim Einbohren des Käfers entsteht. Besonders an alten Käfernestern und an sonnendurchfluteten Waldrändern sei mit einem verstärkten Befall zu rechnen, so das AELF.

Bislang glücklicherweise „nur sporadischen Befall“ hat der Tölzer Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten an seinen Bäumen festgestellt. „Es ist noch nicht besorgniserregend, aber angesichts der Witterung frage ich mich durchaus, wie es weitergeht“, sagt Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann. „Es ist auf jeden Fall wichtig, jetzt sehr aufmerksam zu sein und die Hand am Puls zu haben“, betont er. Die erste Käfergeneration habe sich bereits eingebohrt, Ende dieser oder Anfang nächster Woche sei mit der zweiten Generation zu rechnen. Genau dann könne man das Bohrmehl sehen, das auf einen Befall hinweist. „Bislang haben wir nur wenig gefunden, was mich fast ein wenig überrascht hat.“

Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs der Staatsforsten.

Im Bergwald – vieles davon liegt in der Zuständigkeit der Staatsforsten – sei besondere Aufmerksamkeit geboten. Einmal seien viele Gebiete entlegen und schwer erreichbar, ständige Kontrollen damit schwierig. Und genau diese schwere Erreichbarkeit mache es bei einem Befall auch kompliziert, „schnell zu reagieren“, sagt Plochmann. Seine Mitarbeiter seien besonders sensibilisiert, auf erste Anzeichen von Befall zu achten. „Wir haben auch Borkenkäferfallen, die mit Pheromonen funktionieren, so dass wir verstärkte Schwärmtätigkeit mitbekommen“, sagt Plochmann.

Trockenheit macht Bäume anfälliger für Borkenkäfer

Nicht förderlich sei natürlich die anhaltende Trockenheit, die die Bäume unter Wasserstress setzt. „Normalerweise versucht eine Fichte, den Käfer durch Ausharzen zu bekämpfen. Das geht besser, wenn die Bäume gut mit Wasser versorgt sind“, sagt Plochmann. Der letzte wirklich große Befall durch Borkenkäfer liegt im Bereich des Tölzer Forstbetriebs übrigens schon eine Weile zurück: „Das war 2006/07. Danach konnten wir uns gut wehren.“

Das AELF weist noch darauf hin, dass eine besondere Gefahr von Hackholzhäufen ausgeht, „die leider zunehmend auch an Waldrändern und im Wald zum Trocknen gelagert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese sollten umgehend gehackt oder aus dem Wald gebracht werden. „Wir rechnen zudem Mitte bis Ende Juli mit einer verzögerten Holzabfuhr von Kurz- und Industrieholz“, sagt Alex Mayr, Vorsitzender der WBV Holzkirchen. „Ich kann daher nur empfehlen, alle Fichtensortimente im freien Feld mit einem Abstand von mindestens 500 Metern zum Wald zu lagern.“

Kommentare