VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Die Grünen möchten, dass die Brauneck-Bergbahn von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann. Der Antrag ist edel, sorgte aber im zuständigen Kreisausschuss für einigen Unmut.
Lenggries/Bad Tölz – Die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben ist den Grünen ein Anliegen. Mit ihrem Antrag an den Kreis- und den Infrastrukturausschuss, Landrat Josef Niedermaier möge darauf hinwirken, dass die Brauneck-Bergbahn so umgerüstet wird, dass Rollstuhlfahrer damit problemlos fahren können, sorgte die Fraktion aber für einigen Unmut in der gemeinsamen Sitzung.
Das Brauneck sei ein „touristisches Highlight“, und dieses „schöne Erlebnis sollte für alle zugänglich sein“, begründete Kreisrätin Barbara Schwendner (Grüne) den Antrag. Tatsächlich kommen Rollstuhlfahrer auch gut bis zur Gondel. Das Panorama-Restaurant am Berg sei ebenfalls barrierefrei zu erreichen. Nur das Fahren mit der Bahn ist beschwerlich bis unmöglich, weil sie eben über keine barrierefreien Gondeln verfüge. „Vereinzelt versucht das Personal, einen Transport zu ermöglichen, indem die betroffene Person unten in die Gondel gehoben und oben wieder herausgehoben wird“, sagte Schwendner.
Abhilfe könnte nach Auffassung der Grünen das Einhängen einer speziellen baulich veränderten Gondel schaffen, in die der Rollstuhlfahrer aus eigener Kraft kommt. Da der Landkreis drei Prozent an der Bergbahn hält und der Landrat Mitglied im Aufsichtsrat ist, sieht Schwendner hier „gute Einflussmöglichkeiten“ auf das Unternehmen, „das sehr innovativ ist und viel investiert“, aber natürlich auch einiges an Einnahmen erwirtschafte.
Niedermaier (FW) ärgerte sich sichtlich über den Vorstoß. Die erste Anfrage stammt aus dem November. Die habe man an die Bergbahn weitergeleitet, „weil wir hier überhaupt nicht entscheidungsbefugt sind“. Es gebe auch längst eine Stellungnahme dazu. „Nur, weil für Euch die Antwort nicht zufriedenstellend war, kommt jetzt dieser Antrag.“ Der sei schlicht und ergreifend „ein Schmarrn“, sagte Niedermaier. Die Bergbahn sei „sehr, sehr aufgeschlossen für behinderte Menschen“. Es gebe aber die klare Aussage, dass ein barrierefreier Umbau der in der 50er-Jahren gebauten Bahn das Gesamtsystem so verändere, dass dafür keine seilbahnaufsichtliche Genehmigung mehr erteilt werden könnte – auch, weil die Bergungssicherheit im Notfall nicht gegeben ist. Die gewünschte Barrierefreiheit könnte nur im Zuge eines kompletten Neubaus der Bahn hergestellt werden. Das Einhängen und Aushängen einer speziellen Gondel sei nicht machbar. „Jedes Mal, wenn ein Rollstuhlfahrer kommt, müsste dazu die komplette Bahn gestoppt werden“, so Niedermaier.
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Bergbahnchef Peter Lorenz habe das Thema Umbau mehrfach mit dem TÜV und der Seilbahnaufsicht besprochen und das Ergebnis den Grünen auch schriftlich mitgeteilt, fasste der Landrat zusammen. „Aber stellt’s den Antrag, stimmt’s zu. Dann bring ich ihn im Aufsichtsrat und sage das nächste Mal im Ausschuss dasselbe wie heute, nämlich, dass es technisch nicht umgesetzt werden kann.“ Für ihn sei das allerdings „Zeitdiebstahl“.
Schwendner merkte an, dass die Grünen keinerlei Stellungnahme hätten, dass das Projekt nicht umsetzbar sei. „Das hätten wir gerne schriftlich“, sagte Schwendner. „Dann schreibt’s die Bergbahn an“, entgegnete der mittlerweile wirklich genervte Niedermaier. Schwendner schlug vor, das Thema noch einmal zu vertagen. „Wir vertagen da nix, weil ich wirklich andere Themen habe“, sagte der Landrat.
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Gegen die Stimmen von Schwendner und Klaus Koch (Grüne) wurde der Antrag abgelehnt. „Das heißt aber nicht, dass wir keine behinderten Menschen an der Bergbahn haben möchten“, so Niedermaier.
Ansprechen im Aufsichtsrat wird er deshalb eine Frage von Michael Müller (CSU). „Ich habe gehört, dass Begleitpersonen von Behinderten bezahlen müssen. Vielleicht könnte man das noch einmal aufgreifen.“
